Verhandlungen
der kaiserlich-königlichen
zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien.
Herausgegeben von der Gesellschaft.
NN a SISEMI % Redigirt von Dr. Carl Fritseh,n» 133 a, pe VS = k.k.a. 0. Universitäts-Professor. Od RI BR, P ir _ a’ DIL S © N x Pr} f) \r X RS re“ Jahrgang 15%. % OF > a ), XLVI. Band. ob
Mit 9 Tafeln und 7 Figuren im Texte.
Wien, 1896. Im Inlande besorgt durch A. Hölder, k. und k. Hof- und Universitäts-Buchhändler. Für das Ausland in Commission bei F. A. Brockhaus in Leipzig.
Druck von Adolf Holzhausen,
k. und k, Hof- und Universitäts-Buchdrucker in Wien.
Adresse der Redaetion: Wien, I., Wollzeile 12.
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Uebersicht der in diesem Bande enthaltenen Sitzungs-
und Seetionsberichte.
Monatsversammlung am 8. Jänner 1896 .
" „ 5. Februar 1896 „ 4. März 1896
General rare am 1. April 1896 Monatsversammlung am 6. Mai 1896 . a ». 3. Juni 1896
Botanischer Diseussionsabend am 20. December 1895
n 5 „ 24. Jänner 1896 n - „ 14. Februar 1896 . n 5 „ 20. März 1896 .
Constituirende Versammlung der Section für Botanik . Versammlung der Section für Botanik am 12. Mai 1896 .
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Fe iirende ve hldie der Section für Zoologie . Versammlung der Section für Zoologie am 13. November 1896 Constituirende Versammlung der Section für Coleopterologie
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Ausschuss-Sitzung am 6. November 1896
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Stand der Gesellschaft am Ende des Jahres 1896.
Protector: Seine k. und k. Hoheit der durchlauchtigste Herr Erzherzog
Rainer.
Leitung der Gesellschaft im Jahre 1897.
Präsident: (Gewählt bis Ende 1898.) Ai Freiherr Dr. Richard Drasche v. Wartimbe g.)
er i ] y » ® ; Vicepräsidenten: (Gewählt bis Ende 1898. \ > j P. T. Herr Marenzeller, Dr. Emil v. \r, “,5% W e „ Ostermeyer, Dr. Franz. x Seeretäre: (Gewählt bis Ende 1898.) A P. T. Herr Fritsch, Dr. Carl. " „ Handlirsch Anton. Recehnungsführer: (Gewählt bis Ende 1898.) P. T. Herr Kaufmann Josef. Ausschussräthe: P. T. Herr Adensamer, Dr. Theodor. (Gewählt bis Ende 1898.) n „ Beck R.v. Mannagetta, Dr. Günther. 5 n “ „ Birnbacher Josef. " N 2 „ Braun Heinrich. 5 = = „ Brunner v. Wattenwyl, Dr. Carl. \ n z „ Brunnthaler Josef. 3 r ei „ Burgerstein, Dr. Alfred. > 2 n „ €Csokor, Dr. Johann. A 3 n „ Eichenfeld, Dr. Michael Ritter v. ” -
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VI Leitung der Gesellschaft.
P. T. Herr Ganglbauer Ludwig. (Gewählt bis Ende 1898.)
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Heimerl, Dr. Anton. er >
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Mitglieder, welche die Sammlungen der Gesellschaft ordnen:
Die zoologischen Sammlungen ordnen die Herren: Anton Handlirsch, Josef Kaufmann.
Die Pflanzensammlung ordnen die Herren J. v. Hungerbyehler, M. Ferd. Müllner und Dr. Franz Ostermeyer.
Die Betheilung von Lehranstalten mit Naturalien besorgen die Herren: Anton Handlirsch, Dr. Franz Ostermeyer, Dr. Paul Pfurtscheller.
Die Bibliothek verwalten die Herren J. Brunnthaler und Dr. A. Zahlbruckner.
Das Archiv hält Herr Paul Löw im Stande.
Kanzlist der Gesellschaft:
Herr Cornelius Frank, VIII, Lenaugasse 11.
Gesellschaftsloeale: Wien, I., Wollzeile 12. — Täglich geöffnet von 3—7 Uhr Nachmittags.
Versammlung am 8. Jänner 1896.
Vorsitzender: Herr Dr. Emil v. Marenzeller.
Neu eingetretene Mitglieder:
Als Mitglied bezeichnet durch P. T. Herren
Ficker Gustav, Gymnasial-Professor,Wien, VI. A. Handlirsch, M. F. Müllner. Hutten v. Klingenstein Moriz, k. u. k.
BT Elerr:
Major a. D., Marburg in Steiermark . . Dr. €. Fritsch, Dr. H. Rebel. Keissler, Dr. Carl Ritter v., Wien, XIII,
Cumberlandstrase 1 . . . . . . .. Dr. C. Fritsch, Dr. C. Rechinger. Nedwed Carl, Gutsbesitzer, Szt.-György,
Comitat Eisenburg, Ungarn . . Dr. C. Fritsch, A. Handlirsch.
Pfeiffer Ritter v. Wollheim, Wohin Secretär der k. k. Südbahn-Gesellschaft,
Wien, IV., Weyringergasse 11 . . . Dr. Lütkemüller, Dr. Zahlbruckner. ar, Max, stud. phil., Wien, VIII., re a 2 2 Dr. C. Eritseh,” Dr. CerRechinper:
Herr Prof. Dr. C. Fritsch legte Exemplare des Ranunculus pygmaeus Wahlbg. vor, welche von Prof. Dr. F. Thomas in Ohr- druf für das Herbar der Gesellschaft eingesendet wurden.
Diese Exemplare wurden von Prof. Thomas am 27. Juli 1895 im obersten kleinen Fleissthale in Kärnten oberhalb des Zirmsees (zwischen Seebichlhaus und Sonnblick) in einer Seehöhe von ca. 2660—2680 m gesammelt und zuerst Prof. Dr. P. Aseherson in Berlin übermittelt, welcher mir zuerst von diesem Funde Mittheilung machte. Ranuneulus pygmaeus Wahlbg. ist bekanntlich eine arktisch- alpine Pflanze, welche aus den Alpen nur von wenigen Standorten in Tirol und Salzburg bekannt ist, deren östlichster bisher der Velbertauern südlich von Mitter- sill war. Der neue Standort liegt bedeutend östlicher und ist auch zugleich der erste Standort dieser Art in Kärnten, aus welchem Lande die Pflanze bisher nicht bekannt war. — Bekanntlich wurde Ranunculus pygmaeus Wahlbg. auch in den Centralkarpathen aufgefunden.
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 1
> Versammlung am 8. Jänner 1896.
Hierauf demonstrirte Herr C. Reichert einige neuere Mikro- skope und deren Nebenapparate.
Nach einem kurzen historischen Rückblick betreffend die Aenderungen der mikroskopischen Technik in den letzten Decennien besprach der Vortragende die Verbesserung der heutigen Mikroskope gegenüber den älteren Instrumenten, die er in folgender Weise zusammenfasste:
1. Verbesserung der groben und feinen Einstellung und hauptsächlich die der Mikrometerschraube.
2. Bessere Beleuchtung bei den stärkeren Vergrösserungen.
3. Zweckmässige Einrichtung bei starken Vergrösserungen, um die Präparate systematisch durchsuchen zu können.
4. Zweckmässige einfache Einrichtungen, um das unter dem Mikroskop gesehene Bild entweder durch Zeichnung oder Photographie festzuhalten oder zu vervielfältigen. P
Das vor etwa zwanzig Jahren am meisten verbreitete Mikroskopstativ war das mittlere Hartnack’sche Hufeisenstativ Nr. 8. Die Construction dieses Modells ist einfach und solid und die Mikrometerschraube für mittlere Ver- grösserungen ausreichend; das Ganze, wenn es gut ausgeführt ist, als Schul- und Laboratoriummikroskop für viele Bedürfnisse auch heute noch vollständig genügend.
Für stärkere Vergrösserungen ist jedoch die Construction der Mikrometer- schraube nicht sorgfältig genug, da sie zu hart geht, und das Bild in vielen Fällen schwankt, das heisst sich nach links und rechts verschiebt, beim dauernden Arbeiten infolge dessen das Auge und durch den harten Gang der Mikrometer- schraube auch die Hand ermüdete. Weiter hat es in solchen Fällen, wo man oft genöthigt ist von schwacher zu starker Vergrösserung überzugehen, noch den Nachtheil, dass sich ein Revolver an demselben nicht zweckmässig anbringen lässt. Für solche Fälle ist ein Mikroskop mit Zahn und Trieb unbedingt vorzu- ziehen, und es werden deshalb heute auch beinahe alle Mikroskope mit Zahn und Trieb angefertigt.
Für stärkere Vergrösserung ist jedoch das Wichtigste an jedem Mikroskop die feine Einstellung mittelst der Mikrometerschraube.
Die Hartnack sche Construction der Mikrometerschraube ist sehr ein- fach, leicht und billig auszuführen, hat jedoch den Nachtheil, dass die Ueber- tragungsfläche der Mikrometermutter auf die Prismaführung selbst nicht richtig angeordnet ist, weil diese zu gross ist und dadurch auch ein Theil der Bewegung der Mikrometermutter auf die Prismaführung selbst übertragen wird, was bei starken Vergrösserungen den bekannten Nachtheil des Schwankens des mikro- skopischen Bildes hat.
Bei der später von Winkel angegebenen Construction wird die Bewegung nur durch eine Stahlspitze auf eine gehärtete Stahlfläche übertragen. Diese Construction ist wesentlich besser, da der Gang ein viel leichterer und sicherer und namentlich bei kleineren und mittleren Stativen ein ausgezeichneter ist.
Versammlung am 8. Jänner 1896. 3
Für grosse Mikroskope, wo der Obertheil des Mikroskopes sehr schwer ist, und wo ebenfalls der ganze Mikroskopkörper mittelst Feder, wie bei der Hart- nack’schen, in die Höhe gehoben werden muss, hat sie den Nachtheil, dass, wenn die Feder nicht sehr stark ist, diese bald erlahmt, oder aber, wenn sie wirklich stark ist, die Mikrometerschraube durch den Druck zu sehr leidet und sich bald abnützt, oder der Gang ein unregelmässiger wird.
Dies hat mich veranlasst, abweichend von den beiden früheren Construc- tionen, nicht die Prismaführung mittelst Feder in die Höhe zu drücken, sondern, wie die untenstehende Abbildung zeigt, dieses Prineip umzukehren und die eigene Schwere des Mikroskopkörpers als Gegengewicht zum theilweisen Ausgleich des gleichmässigen Ganges der Mikrometerschraube zu benützen; bei dieser Con- struction genügen ausserordentlich zarte Federn, um einen dauernden und weichen Gang der Mikrometer- schraube zu erhalten, da die Schraube nur ein klein wenig mehr wie das Gewicht des Mikroskopkörpers zu heben hat. Da nun eine Verminderung des Ge- wichtes des Obertheiles des Mikroskopes nie zu be- fürchten ist und dasselbe immer nach abwärts drücken wird, so bietet diese Construction eine Dauerhaftigkeit, wie sie von keiner der früheren Constructionen erreicht wurde.
Der am meisten gegenwärtig verbreitete Be- leuchtungsapparat ist der Abb&'sche. Derselbe hatte, als er zu Anfang der Siebzigerjahre von Abbe& con- struirt und von Zeiss ausgeführt wurde, im Anfang gar keinen Erfolg, erst als durch Dr. Robert Koch neue Präparations- und Färbemethoden gefunden und eingeführt wurden, hat sich dessen hohe Brauch- | barkeit gezeigt, und hat er auch allgemeine Aner- N kennung errungen. Speciell hier in Wien verhielt man sich lange sehr skeptisch ihm gegenüber, und nachdem vom Auslande vor- wiegend Instrumente mit und in Oesterreich solche ohne Beleuchtungsapparat be- stellt wurden, so musste ich, um die Fabrication nicht zu complieiren, abweichend von der ursprünglichen Construction, eine Einrichtung treffen, welche es leicht ermöglicht, entweder das Eine oder das Andere am Mikroskop leicht anzubringen.
Diese Einrichtung erlaubt durch wenige Handgriffe, den Condensor gegen die Cylinderblende auszuwechseln und auch das Ganze zu heben und zu senken und vom Tisch ganz zu entfernen, so dass diese Construction von vielen Gelehrten der Zeiss’schen vorgezogen wird.
Für solche Untersuchungen, wo es sich darum handelt, sehr oft und bequem von der Condensorbeleuchtung zur gewöhnlichen Spiegelbeleuchtung überzugehen, habe ich diese Einrichtung in der Weise modificirt, dass ein einfacher Druck genügt, den Condensor aus- oder einzuschalten und von der Condensorbeleuchtung zur Spiegelbeleuchtung oder umgekehrt überzugehen.
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4 Versammlung am 8. Jänner 1896.
In England ist es seit langer Zeit üblich, an jedem besseren Mikroskop einen beweglichen Objecttisch zu besitzen. Bei uns wurde diese Einrichtung Jarien Zeit ignorirt und als Spielerei betrachtet.
Wenn es nun bei schwachen Vergrösserungen auch gar keine Schwierig- keiten bietet, bei einiger Geschicklichkeit und Fertigkeit ein Präparat zu durch- suchen, so ist es bei einer tausendfachen Vergrösserung ganz unmöglich, ein Objeet derart zu durchsuchen, dass man mit gutem Gewissen sagen kann, jede Stelle im Gesichtsfelde vor sich gehabt zu haben. Zu solchen Untersuchungen ist ein gut gehender beweglicher Objecttisch eine grosse Annehmlichkeit und erleichtert die systematische Durchmusterung der Präparate.
In England wird das Mikroskop von Anbeginn gleich für einen beweglichen Objecttisch eingerichtet, bei uns ist dies nur bei den ganz grossen und theueren Instrumenten der Fall. In den meisten Fällen wird der Tisch aus ökonomischen Gründen erst später angepasst, er muss also jederzeit nachgeliefert werden können. Dies hat zu der von mir zuerst ausgeführten Construction des aufsetzbaren Kreuz- tisches geführt, der von Prof. E. Fleischl 1887 in der Behrens’schen Zeit- schrift beschrieben wurde und heute auch von vielen anderen Firmen etwas ver- ändert hergestellt wird.
Diese Vorrichtung kann an jedem beliebigen, nach continentalem Typus gebauten Mikroskop auf- und abgesetzt werden, es können sowohl grosse als kleine Objeetträger verwendet werden; in seiner heutigen Ausführung entspricht er allen Anforderungen, die man an einen solchen Hilfsapparat stellen kann. Er kann jedoch nur an grösseren Instrumenten mit Vortheil angebracht werden, weil nur diese genügend Raum zur Bewegung und Ausnützung bieten.
Dies war die Veranlassung zu einer Modification, bei der durch eine neue Befestigungsmethode viel Raum gespart und hiedurch soviel Weg gewonnen wurde, dass der bewegliche Objecttisch auch an kleineren Instrumenten mit Vortheil ver- wendet werden kann; nachdem die Mikroskoptische verschieden sind, werden die Befestigungsrahmen auch in verschiedenen Formen und Grössen den Objecttischen entsprechend angefertigt. Bei Nachbestellung eines solchen Objecttisches ist es nur nöthig, die Grösse des Mikroskoptisches anzugeben. Er kann ebenfalls leicht auf- gesetzt und wieder entfernt werden.
Ich komme nun zum Schlusse zu den photographischen Hilfsapparaten. Die Mikrophotographie gibt nur da gute Resultate, wo gute Objeete mit scharfen Contouren, das heisst wo genügende Contraste vorhanden sind. Je dünner und schöner die Präparate sind, umso bessere Resultate darf man auch erwarten. Vor einigen Jahren hat man sehr voluminöse, mit allem möglichen Beiwerk ver- sehene Apparate gebaut, aber man hat bald gesehen, dass die einfachen und stabilen Apparate die besten sind, die allerdings, je nachdem man specielle Be- dürfnisse im Auge hat, auch eine speeielle Einrichtung haben können und müssen.
Ich möchte mir nun zwei mikrophotographische Apparate zu zeigen er- lauben, wie sich solehe durch vielseitige Erfahrungen ergeben haben.
Der kleine Apparat ist, damit er sehr solid und dauerhaft sei, aus Guss-
fertigt. An demselben kann mit jedem Mikroskop gearbeitet werden,
Botanischer Discussionsabend am 20. December 1895. 5
es können ganz schwache und mit entsprechenden Objectiven und Ocularen Ver- grösserungen bis 1000 erzielt werden.
Für Institute, wo der Anschaffungspreis keine so grosse Rolle spielt, habe ich einen grösseren, umlegbaren Apparat construirt; derselbe hat einen längeren Auszug und es können auch mit schwächeren Ocularen Vergrösserungen von 1000 und darüber hergestellt werden.
Der Apparat kann sowohl in aufrechter wie liegender Stellung verwendet werden. Auch können die optischen Behelfe wie Spiegel, Heliostat oder Lampe, Beleuchtungslinse, Lichtfilter, matte Scheibe u. s. w. an dem Apparat selbst an- gebracht und in fixe Stellung gebracht werden.
Die grobe Einstellung geschieht am Mikroskop mit der Mikrometerschraube, dann mit dem Hook'’schen Schlüssel; bei ganz starken Vergrösserungen hat sich die Einstellung mit Hebel und zwei über Rollen gehenden Schnüren am besten bewährt.
Botanischer Diseussionsabend am 20. Deeember 1895.
Herr Dr. Al. Zahlbruckner demonstrirte einige Typen peruanischer Phanerogamen.
Hierauf legte Herr Prof. Dr. C. Fritsch einige neue Phanerogamen der europäischen Flora vor.
Zur Vorlage gelangten:
l. Knautia Byzantina Fritsch, eine neue Art aus der Verwandtschaft
der Knautia integrifolia (L.). Dieselbe wurde von J. Nemetz bei Constantinopel gesammelt. Vergl. diese „Verhandlungen“, 1895, S. 429.
2. Hesperis Velenovskyi Fritsch —= Hesperis Steveniana Velenovsky, non DC. Wächst im Banat, Serbien und Bulgarien, wo sie die nahe verwandte pannonische Hesperis silvestris Cr. —= Hesperis runcinata W.K. vertritt. Vergl. diese „Verhandlungen“, 1895, S. 375.
3. Erysimum heterotrichum Fritsch, eine Hybride zwischen Zry- simum Pannonicum Cr. = E. odoratum Ehrh. und Erysimum silvestre Cr. — E. Cheiranthus Pers., bisher nur in Serbien beobachtet. Vergl. diese „Verhand- lungen“, 1895, S. 377.
Schliesslich überreichte Herr F. Anger ein Exemplar von Ruscus Hypoglossum L. für das Herbar der Gesellschaft. Das- selbe stammt von einem neuen Standorte in Niederösterreich, Kirch- berg bei Hainfeld (900 m).
6 Franz Werner.
Zweiter Beitrag zur Herpetologie der indo- orientalischen Region. Von
Dr. Franz Werner. (Mit Tafel 1.)
(Eingelaufen am 30. December 1895.)
Nachstehend gebe ich ein zweites Verzeichniss von Reptilien und Batra- chiern des indo-australischen Faunengebietes, welche ich theils vom kgl. Museum für Naturkunde in Berlin (M. B.)!) (Sunda-Inseln), theils von den Herren Prof. Dr. v. Graff (G.) in Graz und Dr. Th. Adensamer (A.) in Wien (Java und Amboina) und schliesslich von den Herren Gustav Schneider in Basel, Wilhelm Schlüter (S.) in Halle und G. Redemann (R.) in Antwerpen zur Bestimmung erhielt.
Wenngleich der Werth derartiger, wenn auch mit systematischen Bemer- kungen versehener Verzeichnisse gewöhnlich nicht sehr hoch angeschlagen wird, wo es sich nicht um wenig bekannte Gebiete oder seltenere Arten handelt, so halte ich sie doch schon darum nicht für überflüssig, weil sie in der Regel einen Ueberblick über denjenigen Theil der Fauna eines bestimmten Gebietes gewähren, der dem sammelnden Tropenreisenden, mag er nun selbst auf die Suche gehen oder sich die Thiere von den Eingebornen bringen lassen, mit einer gewissen Noth- wendigkeit unterkommt, also der betreffenden Fauna ihren Charakter verleiht. Ein solches Charakterbild der Fauna des botanischen Gartens von Buitenzorg und Umgebung gewähren uns die auf Java angelegten Collectionen von Prof. v. Graff und Dr. Th. Adensamer. Aus demselben vorher angeführten Grunde ist auch die Angabe der Zahl der Exemplare jeder in der betreffenden Collection enthaltenen Art nicht unnöthig, da sie, wenn auch nur sehr beiläufig, die Verhältnisszahl der Häufigkeit derselben vorstellt. Was schliesslich die Angaben über Pholidose und Färbung anbelangt, so sind solche darum nicht ohne Werth, weil aus solchen Aufzeichnungen in vielen Fällen ein Bild der Variabilitätsgrenzen einer Form gewonnen und Annäherung mancher verwandter Arten bis zum Verschwinden der bisher angenommenen Artunterschiede, ebenso wie die scharfe Scheidung oft sehr ähnlicher Formen erkannt werden kann. Derjenige, welcher schon ein grosses Material durchgearbeitet hat, weiss von der geradezu staunenswerthen Variations- fähigkeit mancher Reptilien zu erzählen, welche oft kein einziges der Artmerk- male ganz unberührt lässt, wie wir dies wohl im höchsten Grade bei der Kreuz- otter ausgeprägt finden. Aus diesem Grunde sind derartige Angaben Manchem,
!) Die Buchstaben in Klammern kommen dann in der Aufzählung der Arten als Abkürzung des Namens des Sammlers oder Einsenders der betreffenden Art vor.
Zweiter Beitrag zur Herpetologie der indo-orientalischen Region. 7
der sonst leicht versucht ist, aus einer abweichenden Form, namentlich wenn sie nur in einem einzigen Exemplar vorliegt, frischweg eine neue Art zu construiren, und der davon absteht und die Novität in den Formenkreis einer Art einfügt, wenn er in der Literatur derartige Abweichungen bei dieser Art erwähnt findet, gewiss nicht unerwünscht.
Das vorliegende Verzeichniss enthält kurze Beschreibungen mehrerer seltener Arten und einiger Novitäten, welche grösstentheils aus der Sendung des Berliner Museums stammen. Die Bezeichnung „Blngr., R. B. I.“ bedeutet wieder: Bou- lenger, Fauna of British India, Reptilia and Batrachia, die Bezeichnung „Blngr., Mares. “ bezieht sich auf die betreffenden Kataloge der herpetologischen Sammlung des British Museum vom selben Verfasser. Alle übrigen Literatur- angaben sind ausführlicher, wo solche überhaupt nothwendig erschienen.
A. Ceylon.
1. Gymnodactylus frenatus Gthr. (Blngr., Cat. Liz., I, p. 42.) (R.).
2. Hemidactylus gleadowii Murray. (R.)
3. Ceratophora stoddartii Gray. (Blngr., Cat. Liz., I, p. 227.) Diese Art scheint nicht sehr selten vorzukommen, da ich von Herın Redemann bereits eine ziemliche Anzahl von Exemplaren erhielt.
3a. Cophotes ceylanica Ptrs., Monatsber. d. Akad. d. Wissensch. in Berlin, 1861, S. 1103. (Blngr., Cat. Liz., I. p. 275.)
Ein g' dieser seltenen Art, welche durch ihren prehensilen Schwanz ausgezeichnet ist. Greifschwänze erkennt man bei Eidechsen (Chamaeleonten, Stenodactylus guttatus, Phrynocephalus mystaceus, caudiwvolvulus, Cophotis, Xiphocercus, manche Amphisbaenen, Corueia) und Schlangen (Boiden, Atheris, Trimeresurus) in der Regel an der überall gleich dicken, wenigstens etwas ventral- wärts eingerollten und am Ende mitunter etwas verdickten, oft von der Basal- hälfte verschieden gefärbten hinteren Schwanzhälfte.
4. Calotes saleoides n. Sp.
Diese Art, welche mir leider nur aus einem weiblichen Exemplar bekannt ist, gleicht der Salea horsfieldi so sehr, dass ich sie anfänglich als ceylonesische Varietät derselben betrachtete. Vor der Schulter befindet sich eine kleine schwarz- gefärbte Falte, welche nicht auf die Kehle übergeht. Der Kopf ist jederseits nur mit einem einzigen Dorn bewehrt, der sich über und etwas hinter dem Tympanum befindet. Die Rückenschuppen sind grösser als die ventralen, schwach gekielt, die Kiele sehr wenig nach aufwärts gerichtet, die Ventralschuppen sind stark gekielt. Die oberen Kopfschuppen sind ziemlich gross, an der Schnauze gekielt, die Supraorbitalen in der Längsrichtung des Kopfes verlängert. Die Kehlschuppen sind stark gekielt, kleiner als die dorsalen. Nackenkamm sehr klein (9), aus wenigen einzeln stehenden Dornen bestehend, kein Rückenkamm. 51 Schuppen um die Rumpfmitte. Tympanum etwa so lang wie das Auge. Der vierte Finger ist etwas kürzer als das Auge, das Hinterbein erreicht mit der Spitze der vierten Zehe den Vorderrand des Tympanums.
S Franz Werner.
Oberseite graugrün mit dunklen Querbinden auf Extremitäten, Schwanz und Rumpf. Die dunklen Schuppen daselbst haben helle Mittel-Längsstriche wie bei Salea. Seiten mit einem dunklen Netzwerk. Unterseite hell graugrün, ein- farbig. Mehrere vom Auge ausgehende schwarze Linien, zwei auf die Oberlippe, zwei zum Tympanum ziehend.
Totallänge 225 mm, Schwanz 152 mm. (S.)
5. Calotes liocephalus Gthr. (Blngr., Cat. Liz., I, p. 329, Pl. 26.)
Von dieser schönen Art liegt mir ein prachtvolles g' vor, welches sich von der Abbildung in Boulenger’s Katalog namentlich durch die noch stärkere Verdickung der Schwanzbasis unterscheidet. Der Kopf ist gross, unter und hinter dem Tympanum stark backenartig aufgetrieben, Dorsal- und Gularschuppen sehr schwach gekielt. Fünf dunkle Querbinden am Rücken, drei Flecken auf der Schnauze, dahinter mehrere dunkle Querbänder auf dem Kopfe. Totallänge 350 mm, Schwanzlänge 225 mm, Kopflänge 30 mm, Kopfhöhe 20 mm, Kopfbreite 22 mm, Schwanzhöhe an der dicksten Stelle 15 mm.
6. Lyriocephalus seutatus L. (Blngr., Cat. Liz., I, p. 281.) dad. (S.)
7. Varanus bengalensis Daud. Ein junges Exemplar. (S.)
3. Mabwia carinata Theob.
Mir liegen zwei Exemplare (ad.) vor, welche mich die Richtigkeit meiner Bestimmung der in meiner früheren Arbeit für Ceylon angeführten Mabwia macularia Blyth zu bezweifeln veranlassten. Nicht dieses, aber die mir neuer- dings zugekommenen zwei Exemplare besitzen allerdings deutlich siebenkielige Dorsalschuppen. Die Zahl der Schuppenreihen beträgt 30, die der Supraeiliaren 5, von denen das dritte das längste ist. Die Hinterbeine erreichen nur bei einem Exemplare die Achsel, bei den zwei anderen nur das Handgelenk. (R.)
9. Lygosoma (Homolopida) fallax Ptrs. g' mit blauer, weisspunktirter Kehle. (R.)
10. Rhinophis trevelyanus Kel. (Blngr., R.B. I, p. 156; Cat. Snakes, I, p. 142.) (S.)
11. Tropidonotus asperrimus Blugr., Ann. Mag. N. H. (6), VII, 1891, p- 281; Cat. Snakes, I, p. 232, Pl. 15, Fig 2.
Von dieser specifisch ceylonesischen, dem 7. piscator sehr ähnlichen Art liegt mir jetzt wieder ein altes und ein junges Exemplar vor. Die in der früheren Arbeit (Verhandl. der k. k. zool.-botan. Gesellsch. in Wien, 1893, S. 351) für Ceylon erwähnten Exemplare von 7’. piscator gehören natürlich, wie auch schon Boettger in seinem Referat im Zoologischen Centralblatte corrigirte, ebenfalls zu 7. asper- rimus. (R.)
12. Tropidonotus stolatus L. (R.)
13. Aspidura copü Gthr. (Blngr., R.B. L, p. 289; Cat. Snakes, I, p. 311.)
Von dieser seltenen Schlangenart erhielt ich von Herrn Redemann zwei schöne Exemplare, aus denen man ersieht, dass Aspidura copi wohl die grösste Aspidura-Art ist, da das eine Exemplar eine Länge von 500 mm besitzt (Schwanz 36 mm). Beide Exemplare sind bis auf den Umstand ganz typisch, dass das Rostrale von oben etwas sichtbar ist. Die oberen Schwanzschuppen sind
Zweiter Beitrag zur Herpetologie der indo-orientalischen Region. 9
gekielt, es sind also beide Exemplare /'. Temporalia 1+2, Ventralen 136, 138, Subcaudalpaare 17. Färbung oben schön rothbraun mit zwei Längsreihen grosser, dunkler, heller geränderter, undeutlicher Flecken. Unterseite mit grossen und kleinen unregelmässig angeordneten Sprenkeln. Bauchseite hellgelb, Schwanzunter- seite grau gewölkt. Oberlippenschilder mit dunklen Seitenrändern. (R.)
14. Aspidura guentheri Ferg.
Ein Exemplar. V.115, A.1, Se. 19. (R.)
15. Aspidura trachyprocta Cope.
Mehrere Exemplare, auch ganz junge. Einige sind nahezu schwarz (der Bauch auf gelblichem Grunde dicht dunkelgrau gefleckt) und gleichen dann einiger- massen der vorigen Art. (R.)
16. Haplocercus ceylonensis Gthr., Cat. Col. Sn., p. 15; R. B. L, p. 204. — Bingr., R. B. I. p. 291; Cat. Snakes, I, p. 309.
Zwei Exemplare. Sechs Oberlippenschilder, das vierte das Auge berührend. V.178 (9), 197 (2), Se.50 (5), 45 (7). Oberseite dunkelbraun mit der typischen Zeichnung. Unterseite lebhaft ziegelroth (Z'), lachsfarbig (2). (R.)
17. Zamenis mucosus L. (R.)
18. Coluber helena Daud. (R.)
19. Dendrophis caudolineolatus Gthr., Proc. Zool. Soc., 1869, p. 506, Pl. 40, Fig. 1. — Blngr., R.B. L, p. 339; Cat. Snakes, II, p. 85.
Mir liegen von dieser seltenen Schlange drei Exemplare vor, von denen die Länge des grössten 865 mm beträgt (Schwanz 290 mm). Das Auge ist bei allen so gross wie seine Entfernung vom Nasenloch. Schuppenzahlen der drei Exemplare:
I. Ventralen 156, Subcaudalpaare 115, Temporalia 1 +2, Supralabialia 7—8 (4. und 5. berührt das Auge). II. Ventralen 153, Subcaudalpaare 123, Temporalia 2+2, Supralabialia 8S—9 (4. und 5., beziehungsweise 5. und 6. berührt das Auge). III. Ventralen 154, Subcaudalpaare 111, Temporalia 1+ 2, Supralabialia 9 (5. und 6. berührt das Auge).
Bei Exemplar III fehlt beiderseits das Frenale, wie dies bei manchen Leptophis-Arten ausnahmsweise, bei anderen constant vorkommt.
Oberseite graugrün, manche Schuppen mit weissen und schwarzen Rändern, auf der Hinterhälfte des Körpers nur mit schwarzen; diese dunklen Ränder bilden im Zusammenhange die Längsstreifen des Schwanzes (am deutlichsten ist der Streifen am Rande der Ventralen).. Ein dunkler Schläfenstreifen vorhanden. Oberlippe und Kehle gelblich. Unterseite des Rumpfes grasgrün, gegen den Schwanz zu und auf dessen Unterseite blaugrün, dieser mit dunkler Längslinie in der Mitte. Halsseiten röthlichgelb, mit grossen dunklen Flecken am Rande der Ventralen, die sich hinter dem ersten Rumpfviertel allmälig verlieren. (R.)
20. Simotes arnensis Shaw.
Drei ziemlich erwachsene Exemplare. Scheint die häufigste Simotes-Art Ceylons zu sein. (R.)
21. Oligodon sublineatus DB. (R.)
22. Dipsas ceylonensis Gthr. (R.)
Z. B. Ges. Bd. XLVI.
[89]
10 Franiz Werner.
Ein Exemplar. 7—7 Supralabialia, von denen wie bei dem seinerzeit er- wähnten mit 8—8 Supralabialen das dritte bis fünfte das Auge berührt. Prae- oeulare 1, Postoculare 2. Temporalia 2+3, 3+4, das mittlere der ersten Reihe vertical halbirt.
23. Bungarus coeruleus Schneid. (R.)
Oberseite graugrün mit kleinen weissen Flecken, die meistens in paarigen Ringen angeordnet sind. Bauchseite einfarbig weiss. Sq. 15, V. 199, A. 1, Se. 40.
24. Naja tripudians Merr. (R.)
Junges, rothbraunes Exemplar; unten lichter, Kehle gelb. Schuppen- formel: Sq. 22 (Hals), 19 (Rumpf), V. 171, A. 1, Se. /.+1.
25. Vipera russellii Shaw. (R.)
26. Anecistrodon hypnale Merr. (R.)
Mehrere Exemplare. Wie bei Psammodynastes pulwerulentus (s. Seite 19) sind die Z' mehr rothbraun oder gelbbraun, die @ mehr graubraun oder grau- schwarz. Ein trächtiges ® enthielt sechs Junge, welche die Färbung des 2 und deutliche Zeichnung besassen, während die erwachsenen Exemplare meist fast einfarbig sind.
27. Trimeresurus trigonocephalus Daud.
Ein schönes, halbwüchsiges Exemplar, im Gegensatze zu dem im früheren Verzeichnisse beschriebenen blaugrünen Exemplar gelbgrün gefärbt (Z'). Sq. 17, V.151, Se. @/g +1. Oberlippenschilder 10—10. (R.)
28. Rana hexadactyla Less. (R.)
29. Ichthyophis glutinosus L. (S.)
B. Sunda-Inseln.
Die nachfolgend verzeichneten Arten stammen von Borneo (Museum Berlin), Sumatra (M. B., ferner von Herrn W. Schlüter, @. Redemann, Dr. Aden- samer und G. Schneider) und schliesslich von Java (Buitenzorg, wenn nicht anders angegeben: Dr. Adensamer und Prof. v. Graff, ferner vom Museum Berlin).
I. Chelonia.
1. Oyelemys amboinensis Daud.
Kopf eines grossen und ein junges Exemplar. — Sumatra. (M. B.)
2. Geoemyda spinosa Gray. (Blngr., Cat., p. 137.)
Ein junges, schönes Exemplar. — Borneo. (M. B.)
3. Trionyz subplanus Geoffr. (Blngr., Cat., p. 246; R. B. I, p. 11.)
Ein altes und ein Embryo mit Dottersack (G.), sowie zwei junge Exemplare (A.) dieser Art (alle von Java), welche sich von der folgenden schon durch die Zeichnung des Kopfes (braun mit einer dunklen Linie von der Schnauze zum Auge und von da schief über die Schläfe herunter, ein Winkelflecken auf dem Hinterkopf — Spitze nach vorn —, Schenkel parallel zum Schläfenstreifen, ferner
Zweiter Beitrag zur Herpetologie der indo-orientalischen Region. 11
eine diesen Winkel halbirende Längslinie) leicht unterscheiden lassen. Halsseiten gelbbraun, scharf von der braunen Nackenfärbung abgesetzt. 4. Triony& cartilagineus Bodd. (Blngr., Cat., p. 253; R. B. L, p. 15.) Zwei grössere Exemplare von Java (A.), ein junges von Sumatra (M. B.). Kopf oben und unten braun mit gelben Flecken.
II. Sauria.
5. Gymmodactylus marmoratus Kuhl.
Java. (A.,G.) Ein Exemplar (M. B.), welches ich als var. quadrilineatus n. abtrennen möchte, unterscheidet sich vom Typus durch das stark ausgerandete, des Längseinschnittes entbehrende Rostrale und durch die Zeichnung, die aus vier dunkelbraunen Längsstreifen besteht, von denen die äusseren beiden am Hinter- rande des Auges beginnen. Zwei Paar Kinnschilder, das äussere sehr klein. Keine Grenzreihe von Tuberkeln gegen die Ventralgegend. Vielleicht n. sp. — Sumatra.
6b. Gymmodaetylus lateralis n. sp. (Taf. I, Fig. 4.)
Aus der Gruppe des Gymmodactylus pulchellus Gray, aber die Hautfalte an jeder Seite des Rumpfes stark und ungleichmässig gezähnelt. Kopf gross, vorn zugespitzt mit starker longitudinaler Längsfurche. Oberseite mit sehr kleinen Granulae, die auch auf der Schnauze nicht grösser sind, und kleinen, glatten oder schwach konischen Tuberkeln. Rostrale oben ausgerandet, gross, polygonal (neuneckig), Nasenloch zwischen dem Rostrale, dem ersten der 11 Supralabialia und fünf kleineren Schildehen. 10 Sublabialia, Mentale etwa fünfeckig, 2—3 Kinn- schilder, die innersten am grössten und hinter dem Mentale in Contact. Kehl- schuppen sehr klein, Bauchschuppen ziemlich klein, sonst wie bei pwlchellus. Durchmesser des Auges kleiner als seine Entfernung von der Öhröffnung, die schief, rundlich und von kaum !/; Augendurchmesser ist. Oben graubraun mit zwei undeutlichen helleren Längsstreifen, zwischen denen zwei Reihen grosser, runder, dunkelbrauner, hell geränderter Flecken. Schwanz mit wirtelig gestellten stachelförmigen Tuberkeln (sechs in einem Wirtel) und vier breiten dunkelbraunen Ringen. Länge 140 mm (Schwanz 75 mm). — Sumatra. (M. B.)
7. Hemidactylus frenatus DB.
Java. (A., @.) Jedenfalls die häufigste Geckonidenart Javas ausser der folgenden.
8. Gehyra mutilata Wiegm.
Zahlreiche Exemplare, meist (namentlich die Jungen) mit hellen, häufig dunkel geränderten Fleckchen, wie dies auch Boettger (Herpetol. Mittheil. in 29.—32. Bericht des Offenb. Ver. für Naturk., S. 115) angibt. Die reproducirten Schwänze sind weit dicker und breiter als die ursprünglichen, mitunter mit zahl- reichen dunklen Flecken, Seitenkante weniger scharf. Die ursprünglichen sind an der Spitze weiss geringelt. (A., G.)
9. Gehyra oceanica Less. (Blngr., Cat. Liz., I, p. 152.)
Neu fürdie Sunda-Inseln (Sumatra), bisher nach Westen nur bis zu den Molukken bekannt. Das vorliegende Exemplar (2) unterscheidet sich von typischen
)* -
11% Franz Werner.
Stücken nur dadurch, dass das Rostrale oben nicht ausgerandet ist. 12—12 Ober-, 10—12 Unterlippenschilder. Das vertical elliptische Nasenloch wird vom Rostrale, ersten Supralabiale und vier Schildchen begrenzt, von denen das über dem Rostrale liegende das grösste ist. Oben hellgrau mit schwarzen Flecken und Längs- streifen. (M. B.)
10. Spathoscalabotes mutilatus Gthr. (Blngr., Cat., I, p. 157, Pl. XIII, Fig. 1.)
Ein ganz typisches Exemplar von Nord-Borneo (M. B.), ein zweites von Java (A.), ein drittes von Sumatra (R.). Eine durch den langgestreckten Körper sofort auffallende Form.
1l. Gecko stentor Cant. (Blngr., Cat., I, p. 184.)
Ein grosses Exemplar (145 + 115 mm), welches keine weissen Querbinden, sondern nur einzelne weisse Tuberkeln besitzt. — Sumatra. (M. B.)
12. Gecko vertieillatus Laur. — Java. (A., G.)
13. Ptychozoon homalocephalum Crev. — Java. (A., G.)
14. Draco volans L. — Java (A., G., M. B.), Sumatra (8.).
15. Gonyocephalus kuhlii Schleg. — Zwei g' aus Java. (M. B.)
16. Gonyocephalus beyschlagi Bttgr., Herpet. Mittheil. in 29.—32. Bericht des Offenb. Ver. für Naturk., 1892, S. 104.
Ein erwachsenes g’ dieser schönen Art (Sumatra), ganz typisch. Tym- panum elfenbeinweiss. Länge 375 mm (Schwanz 270 mm). (Taf. I, Fig. 5.)
17. Calotes eristatellus Kuhl. — Sumatra. (M. B.)
18. Calotes jubatus DB. — Java. (A., G.)
19. Varanus salvator Laur. — Java (A., G.), Sumatra (S.), Nord-Borneo (M. B.).
20. Varanus dumerilii Schleg. (Blngr., Cat., II, p. 312.)
Ein junges Exemplar dieser an den grossen Nackenschuppen sofort kennt- lichen hübschen Art. — Sumatra. (S.)
21. Tachydromus sexlineatus Daud. — Java. (A., G.,M.B.)
22. Mabwia multifaseiata Kuhl. — Java. (A., G.,M. B.)
Die unter Nr. 5, 7, 8, 12—14, 18, 19, 21, 22 und 25 angeführten Eidechsen- arten sind geradezu charakteristisch für die Umgebung von Buitenzorg auf Java. Die Eidechsenfauna dieser Gegend ist ärmer als die Schlangenfauna, wir finden unter den massenhaft auftretenden Mabuien und Calotes stets nur die eine Art, so dass eigentlich die Zahl der in dieser sonst so üppigen Tropenfauna gemeineren Arten nicht grösser ist, als die von Oesterreich-Ungarn.
235. Mabuwia quinquecarinata n. Sp.
Nahe verwandt der Mabwia multicarinata Gray, mit 28 Schuppenreihen um die Rumpfmitte, die dorsalen und lateralen mit fünf sehr starken Kielen. Das erste Frenale ist kaum halb so breit, aber um ein Drittel höher als das zweite. Kein Postnasale. Supranasalia durch das Frontonasale getrennt, welches etwas länger als breit ist. Hinterbeine reichen trotz der kurzen Zehen mit der vierten Zehe zur Achselhöhle. Oben dunkelbraun mit sieben schmalen weisslich- gelben Längsstreifen. Rumpfseiten und Unterseite der Extremitäten rothbraun. Extremitätenschuppen 2—3kielig. Unterseite schmutzigweiss, Kehle mit einigen
Zweiter Beitrag zur Herpetologie der indo-orientalischen Region. 18
dunklen Punkten. Länge 58 + 116 mm. Vorderextremität 21 mn, Hinterextremität 27 mm. — Sumatra. (M. B.)
24. Lygosoma (Hinulia) paradoxum n. sp. (Taf. I, Fig. 3.)
Diese neue Art ist namentlich durch die Länge ihrer Hinterbeine, die mit der vierten Zehe bis zwischen Auge und Ohröffnung reichen, durch die auffallende Kürze der ersten und fünften Zehe und die Länge der vierten Zehe ausgezeichnet. Verhältniss der Zehenlängen (mit Kralle) von 1—5 2°5:45:7'5:16:3. Femur 12, Tibia 12 mm. Totallänge der hinteren Extremität 47 mm, der vorderen 20 mm. Kopfrumpflänge 63 mm (Schwanz abgebrochen).
Ohröffnung ohne Läppchen, ziemlich gross, fast vertical elliptisch. Fronto- nasale bildet mit dem Rostrale eine lange Sutur. Fünf Supraocularia, die ersten drei in Berührung mit dem Frontale; zwei vordere Frenalia übereinander stehend. Frontoparietalia deutlich. Schuppen glatt, die der Seiten kleiner als die des Rückens und Bauches. Kopf lacertenartig. Unterseite der 2.—4. Zehe mit zahn- artig vorspringenden, scharfkantigen Schuppen in einer Reihe, die unter den Gelenken besonders gross. Oben rothbraun, mit heller braunen, an den Seiten weisslichen Flecken und Querbinden; unten schmutzigweiss, Extremitäten und Schwanz gelblich. Schwanzunterseite mit einer Reihe quer erweiterter Schilde. — Sumatra. (M. B.)
25. Lygosoma (Keneuxia) olivaceum Gray.
Mit zahlreichen olivenbraunen Längsstreifen, die durch die dunklen Ränder der Dorsal- und Lateralschuppen entstehen; nur ein junges Exemplar besitzt deutliche Querbinden, die bei den erwachsenen nur im Nacken angedeutet sind. — Java. (A., G.)
26. Lygosoma (Liolepisma) noctua Less.
Diese Art ist von Boulenger in seinem Catalog (I, p. 256) nicht von den Sunda-Inseln erwähnt; doch liegt mir ein Exemplar aus Sumatra (R.) vor und habe ich ein zweites aus Java im Wiener Museum gesehen.
27. Lygosoma (Homolepida) temmincki DB. — Sumatra. (R.)
28. Lygosoma (Lygosoma) chaleides L. — Sumatra. (R.)
III. Ophidia.
29. Typhlops lineatus Boie typ. und var. sumatrana n.
Diese Varietät unterscheidet sich vom Typus (der von Java in der Coll. A., G. und M.B. vertreten ist) durch 24 Schuppenreihen um den Körper, durch die andere Form der Mundspalte (mehr U-förmig, also mit parallelen Seitenrändern, bei lineatus mehr V-förmig, also mit divergirenden Rändern). Färbung fahlgelb mit undeutlichen Längslinien; 320 mm lang, davon 7 mm, also !/, auf den Schwanz. (S.) Vielleicht n. sp.
30. Typhlops braminus Daud. — Java. (A.)
31. Python reticulatus Schneid. — Java (A.), Unter-Langkat, Sumatra (M. B.).
32. Oylindrophis rufus (Laur.). — Java. (A., G., M.B.)
14 Franz Werner.
33. Xenopeltis unicolor Reinw.
Je zwei alte und junge Exemplare von Sumatra. (R., M. B.) Schuppenzahlen: V. 173, 169, 171, Se. 14°, +1, 12a +1, 172,
34. Polyodontophis geminatus Boie.
Ein Exemplar, d'. (A.)
Schuppenformel: Sq. 17, V. 164, A. Y,, Se. st...
39. Tropidonotus trianguligerus Boie.
Das grösste Exemplar, zugleich das grösste bisher von mir gemessene (Coll. G.) ist 104 mm lang. Dieses und noch ein anderes grosses ist wegen seiner lebhaft rothen, grossen Lateralflecken bemerkenswerth. Die Art gleicht mitunter sehr dem T’ropidonotus piscator und dem ceylonensischen Tropidonotus asper- rimus, lässt sich aber durch den Mangel der beiden, diesen Schlangen fast immer zukommenden Streifen (unter und hinter dem Auge) auf den ersten Blick unter- scheiden (eine seltene Ausnahme siehe bei Boettger, Herpet. Mitth., S. 131).
56. Tropidonotus piscator Schn. var. melanozosta Boie. (Blngr., Cat. Snakes, I, p. 232.) Scheint seltener zu sein als ihre ceylonesische Verwandte; zwei junge Exem- plare aus Sumatra. (R.) 37. Tropidonotus vittatus (L.). — Java. (A., G.) 38. Tropidonotus subminiatus Schleg. Java. (A., @.) In der Jugend mit schön gelbrothem Halsband, deutlich längsgestreift, im Alter fast einfarbig werdend. 39. Tropidonotus chrysargus Schleg. Zwei schöne Exemplare von Sumatra. (M. B.) Schuppenformel: I. Sq. 17, V. 139, A. !/, Se. Ya-+l. 1.4 8gq. 17, v2 1A Ar SSH ee Oben dunkel graugrün mit zwei Reihen runder heller Flecken (den Längs- streifen von subminiatus und maculatus entsprechend).
40. Tropidonotus maculatus Edeling, Nederl. Tijdschr. Dierk, DH, 1864, p: 203. — Blngr., Cat. Snakes, I (1893), p. 260.
Es liegen mir mehrere Exemplare dieser grossaugigen und langschwänzigen Tropidonotus-Art vor. Frontale etwas länger als sein Abstand von der Schnauzen- spitze. Oberseite braun mit 2—4 Reihen quadratischer schwarzer Flecken ; zwischen der äusseren und mittleren Fleckenreihe ein heller Längsstreifen wie bei Trrope- donotus subminiatus. Halsseiten mit grossen schwarzen Flecken. Kopf oben mit schwarzen Punkten und Vermieulationen. Unterseite hellgelb. Hinterränder der Ventralen an den Seiten schwärzlich. Eine sehr ähnliche Form von Tropidonotus trianguligerus kommt neben dieser Art auf Sumatra vor.
I. V.145, Se. 110. Länge 850 mm, davon 315 mm auf den Schwanz. 11 Iraasal>riros. Ar Ari5o=, Ba Droleng Re & II. „14, „ 65+... (4 Postocularia rechts.)
Va; 148,0 MG6 2er
Zweiter Beitrag zur Herpetologie der indo-orientalischen Region. 15
V. V.149, Se. 107. Länge 600 mm, davon 220 mm auf den Schwanz. Mae JAH. I—VI von Unter-Langkat, Sumatra. (M. B.) VII. V.150, Sec. 102. (Sumatra, $.)
41. Macropisthodon flaviceps DB. — Sumatra. (M. B., S.)
42. Macropisthodon rhodomelas Boie.
Ein erwachsenes Exemplar. Internasalia so lang als Praefrontalia; Frontale wenig länger als breit. 1 Praeoculare, 1 Suboculare jederseits (erstere zur Hälfte getheilt), 2—3 Postocularia, 2+3 Temporalia, 8 Supralabiale (4. und 5. das Auge berührend). Die Ventralen (139) beginnen gleich hinter den hinteren Rinnen- schildern. Subcaudalpaare 45. — Unter-Langkat, Sumatra. (M. B.)
43. Lycodon aulieus (L.).
Nur ein Exemplar in der Coll. A. Diese auf Ceylon gemeine Schlange scheint auf den Sunda-Inseln nicht häufig zu sein.
44. Lycodon effrenis Cant. (Blngr., Cat. Snakes, I, p. 356.)
Ein erwachsenes Exemplar, einfarbig braun. Ventralen 221, Subcaudal- paare 37 +... 10 Oberlippenschilder, 3.—5. das Auge berührend. — Sumatra. (R.)
45. Lycodon subeinctus Boie. (Blngr., Cat. Snakes, I, p. 359.)
Ein Exemplar mit sechs deutlichen hellen Querbinden (die im Nacken eingerechnet). (R.) Die Jungen sind denen von Bungarus semifasciatus sehr ähnlich (Mimicery’?).
Schuppenformel: Sq. 17, V. 214, A. !/,, Se. "e+1.
46. Zaocys tornieri n. sp. (Taf. I, Fig. 1.)
Unterscheidet sich von allen anderen Zaocys-Arten dadurch, dass sie nur 12 Schuppenreihen besitzt. Von den drei anderen Arten, welche nur ein Frenale besitzen, ist diese Art durch neun Supralabialia (fünftes und sechstes das Auge berührend), von Zaocys dhumnades ausserdem durch die grössere Zahl der Sub- caudalen (131), von Zaocys nigromarginatus und luzonensis dadurch, dass zwei Mittelreihen von Schuppen sehr stark gekielt sind, zu unterscheiden. Ausserdem besitzt die Art bedeutend weniger Ventralen als die anderen, nämlich nur 146. Die Kielung der beiden Mittelschuppenreihen erstreckt sich nur auf die Schwanz- basis, der grösste Theil des Schwanzes ist mit vollkommen glatten Schuppen bedeckt. Internasalia so lang als Praefrontalia. Rostrale doppelt so breit als hoch. Frontale etwas länger als vorn breit, so lang als sein Abstand von der Schnauze, etwas kürzer als die Parietalia. Frenale länger als hoch. Kein Sub- oculare, zwei Postocularia. Temporalia 1+1. Oben braun, Kopfseiten gelbbraun, Unterseite grünlich; Unterseite des Schwanzes mit schwärzlicher Längsmittel- linie. Totallänge 1130 mm, Schwanz 410 mm. — Sumatra.
Ich habe diese neue Art Herrn Dr. G. Tornier, Custos am kgl. Museum für Naturkunde in Berlin, zu Ehren benannt.
47. Zamenis korros (Schleg.). — Java. (A., G.)
48. Xenelaphis hexagonotus Cant. (J'):
V. 187, Se. 10%/00 +1. — Sumatra. (M. B.)
16 Franz Werner.
49. Coluber oxycephalus Boie. 12 Exemplare. Java (A., G.), Sumatra (S., M. B.). Im Magen von zweien fanden sich Reste kleiner Vögel und Fledermäuse. — Schuppenformel:
I. g. Sq. 23 (24), Supralabialia 8—8, das letzte sehr gross (5. und 6. unter dem Auge), Sublabialia 13—13, V. 247, A. !/, Se. #5 +1. U. g. Sq. 25, Supralabialia 10—10 (6. und 7. unter dem Auge), Sub- labiälia 13—14,; V. 243, A. !/,, Se, 24. +1. II. 2. Sq. 25, Supralabialia 9—9, das letzte sehr gross (6. und 7. unter dem Auge), Sublabialia 13—14, V. 1, +246, A.'/,, Se. 3/33 +1.
IV. .’50.95, Supralab. 8—8 ( 5.6.0.d.A.);V. 249, A. Fl, Se Be Ve 25! n 9—8 (6.,7.,5.,6. FE VE => Ver 25: & 9—9 ( 6,7. a nchln 28 VEL?E 5 98; 5.1, 89 (5,656, 7.4007, 4) nad VII 231(25), „4 9— 2 ( 6,745 nn) mi. a ae IX. n 23 (24), ” Sr IL 3. ‚6. „nn en 2221), ” a ” 13, + Il:
X. (Sumatra.) 2. Sq. 23, ae 9—10 (6. und 7. unter dem Auge), N. 236, As t/u80.0 a tl.
Bei II. sind die beiden Temporalia erster Ordnung vertical getheilt. Schwanz des @ unten gelb, der der g' grauviolett mit zwei schmalen (T.) oder breiten (II.) gelben Längslinien an der Kante.
50. Coluber melanurus Schleg.
Von den zahlreichen Exemplaren aus Sumatra (R., M. B., S.) ist ein grosses aus Nord-Borneo (M. B.) durch einfarbig graugrüne Oberseite und ölgrüne, auf der Hinterseite auf einen schmalen Streifen eingeengte Färbung des Bauches bemerkenswerth. Ein zweites (S.) ist vollständig schwanzlos, die Wunde ist aber ganz verheilt, scheint also dem T'hiere gar nicht geschadet zu haben. Diese häufige Schlangenart Sumatras ist auf Java jedenfalls weit seltener, da in der grossen Collection v. Graff’s kein einziges, in der noch grösseren von Aleriehaue nur ein junges Exemplar enthalten war.
51. Coluber radiatus Schleg. (Blngr., Cat. Snakes, II, p. 61.)
Ein junges Exemplar. — Sumatra. (R.)
52. Coluber taeniurus Cope. (Blngr., Cat. Snakes, II, p. 47.)
Ein mittelgrosses Exemplar wurde von Herrn Dr. Adensamer aus einer Höhle auf Sumatra mitgebracht. Vorn einfarbig blaugrau, ohne Querbinden, Hinterhälfte mit der typischen Streifenzeichnung.
Sehuppenformel: Sg. 25, V. 276, A. !ı, Se. 1Mhoa+1.
Supralabialia 7—9 (auf der einen Seite 5. und 6. Supralabiale zu einem breiten Schilde vereinigt, ebenso das 8. und 9., daher 5., beziehungsweise 5. und 6. Supralabiale das Auge berührend), rechts ein Suboculare.
53. Dendrophis pietus Gmel. — Sumatra, Borneo (M. B.), Java (A., G.).
54. Dendrophis formosus Boie. (Blngr., Cat., II, p. 84.) .
Supralabialen einmal 8 (3.—5. unter dem Auge) und 9 (4. und 6. unter dem Auge), sonst immer 9; Sublabialen je einmal 10—9, 10—11, zweimal 10—10.
ee ee
Zweiter Beitrag zur Herpetologie der indo-orientalischen Region. 17
Ein langes Schild begrenzt das 7.—9. und theilweise auch das sechste Sublabiale
von innen bei zwei Exemplaren, bei einem das 6.—9. auf einer, das 7.—10. auf
der anderen Seite; bei einem vierten das 6.—8. einer-, das 6.—10. andererseits.
Postocularia 2—4, Temporalia 2+ 2 beiderseits.
Schuppenformel: Sq. 15, V. 184, 1+1!l-+182, 188, 179, A. Yı, Se. 14940, leer 145 | 145, 15 45 + 1l;
Mehrere Exemplare von Sumatra (M. B., S.), Borneo (M. B.), Java (A G.):
55. Dendrelaphis caudolineatus Gray. — Nord-Borneo. (M. B.)
56. Simotes purpurascens Schleg. (Blngr., Cat., II, p. 218.)
Ein erwachsenes und ein junges Exemplar dieser hübschen Schlange, welche sich von typischen Stücken dadurch unterscheiden, dass die Internasalsutur etwas kürzer ist, als die Praefrontalsutur und dass das Frontale nur wenig länger ist, als sein Abstand von der Schnauzenspitze. Bei dem grossen Exemplare links ein, rechts zwei Subocularia unter dem Praeoculare, so dass links das vierte und fünfte, rechts nur das fünfte der acht Supralabiale das Auge berührt. Tempo- ralia 2+3.
Schuppenformel: G.?/s, Sq. 21, V.170, A.1, Se. #/,g-+1.
Die Unterseite des Thieres, welches in mancher Beziehung eine gewisse Aehnlichkeit mit den Xenodon-Arten der neotropischen Region aufweist, irisirt lebhaft.
57. Simotes octolineatus Schn.
Var. A. Java. (G.) — Var. B. Unter-Langkat, Sumatra. (M. B.)
58. Simotes signatus Gthr.
Mehrere Exemplare dieser dem Simotes subcarinatus von Borneo in Färbung und Zeiehnung sehr ähnlichen Art. — Unter-Langkat, Sumatra. (M. B.)
59. Oligodon bitorquatus Boie. (Blngr., Cat. Snakes, II, p. 237.)
Ein Exemplar von Tjibodas, eines von Buitenzorg auf Java. (A.)
Schuppenformel: I. V. 166, A. 1, Se. #%/g +1. IV 353, SEP
60. Ablabes baliodirus Boie. — Sumatra. (M. B.)
61. Ablabes longicauda Ptrs. (Blngr., Cat. Snakes, II, p. 284.)
Ein Exemplar dieser zu den langschwänzigsten Schlangen gehörigen Art (Schwanz die Hälfte der Totalläinge — 25 cm — einnehmend, was nicht einmal bei den langschwänzigen Baum- und Sandnattern vorkommt). 2 Praeoeularia, 2 Postocularia, 7 Supralabialia. — Sumatra. (R.)
Schuppenformel: V. 114, A. !/,, Se. %/hoa+1.
62. Pseudorhabdium longiceps Cant. (Blngr., Cat., II, p. 329.)
Ein Exemplar mit prachtvollem blauen und gelben Metallglanze. Ein gelbes Halsband und ein gelber Fleck hinter dem Mundwinkel. — Sumatra. (R.)
Schuppenformel: V. 146, A. 1, Se. /g+1.
63. Calamaria vermiformis DB. Z. B. Ges. Bd. XLVI. 3
18 Franz Werner.
Ein Exemplar. Oben einfarbig dunkel olivengrün, die beiden äussersten Schuppenreihen und Kehle gelb. Unterseite sonst auf dunklem Grunde gelb gefleckt. Unter-Langkat, Sumatra. (M. B.)
Schuppenformel: V. 163, A. 1, Se. Pfyo+1.
Ein zweites Exemplar von Sumatra. (S.)
64. Calamaria sumatrana Edeling, Nat. Tijdschr. Nederl. Ind., XXX, 1870, p. 379. — Blngr., Proc. Zool. Soe., 1890, p. 34; Cat. Snakes, II, p. 339.
Ein junges Exemplar. V. 144, Sc. 22. Oben einfarbig braun, am Aussen- rande der Ventralen und der ersten Schuppenreihe je eine braune, durch einen gelben Zwischenraum getrennte Längslinie. Unterseite typisch. (R.)
Ein zweites Exemplar dieser Art, gleichfalls aus Sumatra (M. B.), besitzt 152 Ventralen, 22 Subcaudalpaare. Kopf oben fein dunkel punktirt, sonst wie das andere Exemplar.
65. Calamaria virgulata Boie. (Blngr., Cat., II, p. 340—341.)
Vier Exemplare der Var. ©. — Java. (M. B.)
66. Calamaria pavimentata DB. var. semidoliata n. (Blngr., Cat., II, p. 348.)
Oben röthlichbraun, jede Schuppe dunkel gerändert, mit 23 schwarzen Quer- binden von der Breite zweier Schuppenquerreihen und im Abstande von etwa sechs Reihen, unten schmutziggelb mit vereinzelten schwarzen Flecken, Anscheinend neu für Sumatra. (R.)
Schuppenformel: V. 139, A. 1, Se. +1.
67. Calamaria anceps n. Sp.
Eine der schlanksten Calamarien mit 210 Ventralen und 9 Subcaudalen- paaren. Das vorliegende Exemplar ist 291 mm lang, wovon 7 mm auf den Schwanz entfallen. Durchmesser 4 mm, Supralabialia fünf, von denen das dritte und vierte das Auge berührt. Das Frontale ist länger als breit, mehr als doppelt so breit als ein Supraoculare; das erste Sublabiale berührt das der anderen Seite hinter dem Mentale (Symphysial). Je ein Prae- und Postoeulare vorhanden.
Kopf und vordere Rumpfhälfte hellbraun, hinten ins Dunkelbraune über- gehend, mit blauem Metallschimmer; eine Kopflänge hinter dem Mundwinkel und über der Afterspalte je ein hellgelbes Querband, wodurch auf den ersten Blick die Unterscheidung von Kopf und Schwanz nicht leicht ist. Hinter dem vorderen Halsband bemerkt man auf dem Rücken sechs Längslinien, nach aussen davon eine Zickzacklinie, ausserhalb dieser eine Punktreihe jederseits; diese Zeich- nungen werden in der hinteren Körperhälfte unkenntlich. Die Schuppen der drei äussersten Reihen besitzen je einen hellen Mittelpunkt. Oberlippe und Unterseite hellgelb, Schwanz mit schwarzer Mittellinie auf der Unterseite.
Von der verwandten Calamaria bicolor DB. lässt sich die Art sofort durch die zahlreicheren Ventralen und weniger Subcaudalen, die weit geringere Schwanz- länge (!/a, bei Calamaria bicolor etwa '/; der Totallänge) und die Färbung unterscheiden.
68. Calamaria Linnaei Boie. (Blngr., Cat., I, p. 345.)
Zweiter Beitrag zur Herpetologie der indo-orientalischen Region. 19
Eines der vorliegenden zahlreichen Exemplare (A., G., M. B.), sehr jung, stimmt in der Grösse des Rostrale mit Calamaria borneensis überein, hat aber nur 140 Ventralen, ist auch sonst eine typische Calamaria Linnaei.
69. Dipsas dendrophila Reinw.
Mehrere Exemplare in verschiedenen Altersstufen, von denen das grösste (welches zugleich das längste bisher von mir gemessene ist) 212 m lang ist. Die Färbung variirt innerhalb der ihr gesteckten Grenzen nicht unbeträchtlich, indem die gelbe Zeichnung bald mehr, bald weniger zurückgedrängt ist. — Sumatra (M. B.), Java (A.).
70. Dipsas eynodon Cuv. (Gthr., Cat. Col. Snakes, p. 168.)
Ein Z' und ein @ dieser schönen, bekanntlich einen auffallenden Dimor- phismus der Geschlechter in der Färbung zeigenden Baumschlange. Das Z' hatte einen noch wohlerhaltenen Vogel im Magen. — Unter-Langkat, Sumatra. (M. B.)
71. Dipsas boops Gthr., 1. e., p. 179. — Ein junges Exemplar. Sumatra. (M.B.)
72. Dipsas multimaculata Reinw. (Gthr., 1. e., p. 169.) — Java (G.), Su- matra (R.).
73. Chrysopelea ornata Shaw. — Sumatra. (M. B.)
74. Chrysopelea rubescens Gray. (Gthr., 1. e., p. 145.)
Zwei schlecht erhaltene Exemplare dieser Schlange, die in der Form und in der Zeichnung des Kopfes lebhaft an gewisse Psammophis-Arten erinnern. — Unter-Langkat, Sumatra. (M. B.)
75. Psammodymnastes pulverulentus Boie.
Zahlreiche Exemplare. Nach dem vorliegenden Maäteriale scheinen die g' wie bei Ancistrodon hypnale mehr helle, braune, die durch die Eier enorm ange- schwollenen @ düstere, graue Färbung zu besitzen, wie dies unter den einheimi- schen Arten bei Coronella austriaca der Fall zu sein pflegt. — Sumatra. (M. B., S.)
76. Psammodynastes pietus Gthr.
Ein Exemplar (G. Schneider). 7 Supralabialia, davon auf einer Seite das 2.,3 und 4. (drittes sehr schmal) unter dem Auge; auf der anderen Seite 8 Supra- labialia, davon das 3. und 5. unter dem Auge, das 2. und 4. nicht den Öber- lippenrand erreichend. 3 Postocularia, 2+2 Temporalia. Vordere und hintere Kinnschilder durch die an der Kinnfurche zusammenstossenden vierten Sublabialia getrennt. Hinter dem vierten Sublabiale und hinteren Rinnenschild, nach aussen noch vom fünften Sublabiale begrenzt, ein grosses Schild.
Schuppenformel: Sq. 17, V. 164, A. 1, Se. ?
77. Dryophis prasinus Boie.
Unter-Langkat, Sumatra (M. B.), Java (A., @.). Unter den vorliegenden Exemplaren befinden sich ein oberseits olivenbraunes Exemplar und eines mit rosenrother Bauchseite. Auch sind bei jüngeren Exemplaren die Schuppenränder namentlich in der Halsregion schwarz oder weiss.
78. Homalopsis buccata L. Ein sehr grosses @ aus Sumatra (R.), 25 vollständig entwickelte Junge enthaltend; ausserdem noch zahlreiche Exemplare aus Sumatra (M. B.) und Java 3*+
20 Franz Werner.
(A., G.), die jungen alle hell gelbbraun mit schwarzen, ältere graubraun oder graugrün mit dunkelbraunen Zeichnungen.
79. Hypsirhina enhydris (Schn.).
Ein altes Exemplar mit mehreren anscheinend neugebornen Jungen. (A.)
80. Hypsirhina plumbea L. — Sumatra. (M. B.)
81. Naja tripudiens Merr. — Unter-Langkat, Sumatra (M. B.).
82. Naja sputatrix Reinw.
Ich rechne ein junges Exemplar einer Naja zu dieser Art, welche ich für eine solche halte, die früher oder später eingezogen und als Varietät zu Naja tripudians gestellt werden wird, da ich bereits mehrere Exemplare zu untersuchen Gelegenheit hatte, die manche Charaktere von Naja tripudians, manche wieder von sputatrix besitzen, also bei dem relativen Charakter dieser Merkmale als complete Uebergangsformen gelten können. Auch das vorliegende Exemplar besitzt zwar 24 Schuppen um den Hals und 19 um den Rumpf, aber drei ungetheilte und 46 getheilte Subcaudalia, was mir für die Art charakteristischer zu sein scheint, als die Zahl der Schuppenreihen.
Ein zweites Exemplar, welches ich sonst zu Naja tripudians Merr. var. atra Cant. rechnen würde, besitzt 22 Schuppen um den Hals, 17 um die Rumpf- mitte und 48 Subcaudalenpaare. Ein drittes besitzt 23 Schuppen um den Hals, 17 um die Rumpfmitte, sowie 50 Subcaudalenpaare, also beide Exemplare keine unpaaren Subcaudalia; das erste Exemplar wäre also wegen der unpaaren ersten Subeaudalen, die beiden anderen wegen der niedrigen Schuppenreihenzahlen zu sputatrix, ersteres aber wegen der höheren Schuppenzahlenreihen, letztere wegen der durchwegs getheilten Subeaudalen zu tripudians zu rechnen.
83. Naja bumgarus Schleg.
Haut zweier erwachsener Exemplare, wovon das eine, vollständige, 3°40 m lang ist. Kopflänge bis zum Hinterrande der Postparietalia bei einem Exemplar 75cm, beim anderen 6°5cm. — Sumatra. (M. B.)
Ferner ein junges Exemplar (G. Schneider): Supralabialia 7, 3. und 4. unter dem Auge. Praeocularia 1, Postocularia 3, Temporalia 2+2 +2 (die obersten der ersten und zweiten Reihe verschmolzen).
Schuppenformel: Sq. 19 (Hals), 15 (Rumpf), V. 255, A.1, Se. 7+® a +1.
84. Bungarus fasciatus (Schneid.)
Eines der vorliegenden Exemplare hatte einen noch wohlerhaltenen Tropi- donotus vittatus von relativ bedeutender Grösse und Dicke in sich. Java. (A., G., M. B.)
85. Bungarus semifasciatus Kuhl. — Java. (A., G., M. B.)
86. Adeniophis bivirgatus Boie.
Drei Exemplare der blaugestreiften Varietät. — Sumatra. (M. B.)
87. Adeniophis intestinalis Laur.
Färbung verschieden von der gewöhnlichen, oben braun mit zwei dorsalen und zwei bis vier lateralen Längslinien; keine helle Spinallinie (am Schwanz eine solche). Keine gabelförmige Kopfzeichnung; 2—4 subeaudale Querbinden. — Sumatra. (M.B.) Ein Exemplar von Java (G.) normal gefärbt.
u
Zweiter Beitrag zur Herpetologie der indo-orientalischen Region. >1
88. Callophis gracilis Gray. (Günther, Cat. Col. Snakes, p. 230.)
Ein Exemplar dieser ausserordentlich schlanken Elapide. Länge 690 mm (Schwanz 25 mm). Oben graubraun mit einem medianen und je drei lateralen schwarzen Längsstreifen und schwarzen Querbändern, zwischen denen je eine Verdickung des Spinalstreifens liegt. — Sumatra. (R.)
Schuppenformel: Sq. 13, V. 311, Se. 2/g+1.
89. Megaerophis flawiceps Reinh. — Sumatra. (R.)
90. Amblycephalus carinatus Schleg.
Unter-Langkat, Sumatra (M. B.), Java (A.).
91. Ancistrodon rhodostoma (Reinw.).
Nach dem Mageninhalte eines Exemplares zu schliessen, frisst diese Gift- schlange auch Frösche (Rana). (A., G.)
92. Trimeresurus Wagleri Schleg.
Ein junges und ein erwachsenes Exemplar; letzteres (2) 757 mm lang, Schwanz 115 mm, Kopflänge 46 mm, Kopfbreite 35 mm, Kopfhöhe 24 mm. Supra- labialia 10—10. (S.)
Schuppenformel: Sq. 26, V. 143, Se. #/+1.
Ferner weitere vier Exemplare, wie vorige aus Sumatra. (M. B.)
I. Supralabialia 10—9 (das dritte und vierte, bezw. dritte durch zwei, das fünfte,
bezw. vierte durch drei Schildchen vom Auge getrennt).
Schuppenformel: Sq. 25, V. 142, A. 1, Se. #/s-+1.
II. Supralabialia 8—8. Schuppenformel: Sq. 23, V. 142, A. 1, Se. ®/s+1.
III. Supralabialia 9—9. Schuppenformel: Sq. 23, V. 140, A. 1, Se. 2/.+1.
IV. Supralabialia 10—9. Schuppenformel: Sq. 25, V. 139, A. 1, Se. +1.
93. Trimeresurus gramineus Shaw.
Ein schönes, mittelgrosses Exemplar; Supralabialia 10—11, das zweite die vordere Begrenzung der Zügelgrube bildend, wie die beiden unteren der drei langen Praeocularen die hintere. Oben prachtvoll einfarbig grün, unten heller, eine gelbe Längslinie auf der äussersten Schuppenreihe. — Sumatra. (M. B.)
Schuppenformel: Sq. 21, V. 163, A. 1, Se. "#1.
Diese Art kommt also neben dem nahe verwandten T’rimeresurus formosus,
von dem ich ein Riesenexemplar von Sumatra gesehen habe, vor.
IV. Batrachia.
1. Oxyglossus lima Tsch.
Ein grosses Exemplar aus Java. (A.)
2. Rana macrodon Tsch.
Zwei Exemplare, ohne gelbe Rückenlinie. — Java. (A., G.) 3. Rana tigrina Daud.
>> Franz Werner.
Zahlreiche Exemplare, davon mehrere oberseits ganz einfarbig olivenbraun. — Java. (A., G.)
4. Rana limnocharis Wiegm.
Dieser Frosch ist von der ähnlichen, aber grösseren Rana tigrina stets leicht durch das Vorhandensein eines deutlichen äusseren Metatarsaltuberkels und die kürzeren Schwimmhäute der Zehen zu unterscheiden. Auch ist der gelbe Rückenstreifen stets sehr schmal (bei Rana tigrina dagegen breit), die dunklen Rückenzeichnungen sehr deutlich; Einfarbigkeit der Oberseite ist selten. Die gelbe Längslinie auf der Oberseite der Hinterbeine kommt bei Rana limnocharis wie bei tigrina vor. Die dunkle W-förmige Zeichnung der Kehle der männlichen limnocharis konnte ich bei tigrina nicht beobachten. Die Längsfalten des Rückens sind bei limnocharis mehr scharf, bei tigrina aber abgerundet. — Java. (A., G.)
5. Rana chalconota Schleg.
Die vorliegenden Stücke haben dieselben Eigenthümlichkeiten wie die von Boettger (Herpet. Mitth., S. 141) erwähnten.
6. Rana erythraea Schleg.
Ein junges Exemplar aus Java (A.), ein grosses aus Sumatra (M. B.).
7. Rhacophorus reinwardti Wagl. (Blngr., Cat., p. 88.)
Von den vier Exemplaren fehlt der schwarze Achselhöhlenfleck einem voll- ständig, dem anderen links. Oberseite blaugrau, bezw. violett, Seiten gelbgrün. Interorbitalraum deutlich breiter als das obere Augenlid (siehe auch Boettger, Herpet. Mitth., S. 141). Nur das jüngere Exemplar hat einen dunklen Fleck zwischen der zweiten und dritten Zehe, die älteren nur zwischen der fünften und vierten, sowie vierten und dritten Zehe.
8. Rhacophorus leucomystax (Gravh.) typ. und var. sexvirgata Gravh. (Blngr., Proc. Zool. Soe. London, 1889, p. 29; R. B. L, p. 474).
Java (A., G.) und Nord-Borneo (M. B.).
9. Rhacophorus chiropterus n. sp. (Taf. I, Fig. 2.)
Gaumenzähne in zwei etwas schiefen, durch einen bedeutenden Zwischen- raum getrennten Reihen nahe dem Vorderrande der Choanen. Tympanum ?/; des Augendurchmessers. Nasenloch näher der Schnauzenspitze als dem Auge. Inter- orbitalraum etwa dreimal so breit als ein oberes Augenlid. Schnauze abgerundet, Schnauzenkante deutlich. Finger mit ganzen Schwimmhäuten und kleinen Haft- scheiben; ebenso die Zehen. Ein starker Hautsaum an der Beugeseite der Vorder- extremität von der Schulter zur Handwurzel; sehr kleine Hautlappen an der Ferse und über dem After. Hinterbeine reichen mit der Ferse zur Schnauzenspitze. Oben hellgelb mit kleinen schwarzen Punkten, unten gelblich. Länge 43 mm. — Nord-Borneo.
10. Bufo melanostietus Schneid.
11. Bufo biporcatus Gravh. (Blngr., Cat., p. 311.)
12. Bufo asper Gravh. (Blngr., Cat., p. 313.)
Beide letztere Arten nur in der Collection Adensamer.
13. Megalophrys nasuta Schleg. (Blngr., Cat., p. 443.)
Ein erwachsenes Exemplar (G. Schneider), ein junges (S.).
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un
Zweiter Beitrag zur Herpetologie der indo-orientalischen Region. 23
C. Amboina.
(Collection Adensamer.)
1. Cyelemys amboinensis (Daud.). (Blngr., Cat., p. 133.)
In allen Altersstadien vertreten. Ein Exemplar mit abnormem, zu einem kugelförmigen Knollen ausgewachsenem Rückenpanzer.
2. Hemidactylus frenatus DB. (Blngr., Cat., I, p. 120.)
Ein junges Exemplar.
3. Gecko vittatus Houtt. (Blngr., Cat., I, p. 185.)
Acht Exemplare. Zu erwähnen wäre, dass der Schwanz dieser Art im normalen Zustande weiss und braun geringelt ist, reproducirt aber entweder braun ist und die Fortsetzung der dorsalen gelblichen Rückenlinie trägt oder weiss mit braunen Längslinien.
4. Gecko monarchus DB. (Blngr., Cat., I, p. 187.)
Ein erwachsenes und ein junges Exemplar.
5. Draco lineatus Daud. (Blngr., Cat., I, p. 264.)
6. Calotes cristatellus Kuhl. var. moluccana Less. (Blngr., Cat, I p- 316.)
7. Lophura amboinensis Schloss. (Blngr., Cat., I, p. 402.)
Ein erwachsenes g'.
’
8. Lygosoma (Keneuxia) smaragdinum (Less.) (Blngr., Cat., III, p. 250.)
Zwei Exemplare. Weisslich mit hellbraunem oder chocoladebraunem, breitem Dorsalband und schwarzbraunen und weissen Flecken.
9. Lygosoma (Emoa) eyanurum (Less.). (Blngr., Cat., III, p. 290.)
10. Enygrus carinatus (Schneid.). (Blngr., Cat., I, p. 107.)
Ein junges Exemplar.
11. Brachyorrhos albus (L.). (Blugr., Cat., I, p. 305.)
Zwei Exemplare, oben einfarbig braun, an den Seiten lichter, Bauch weiss. Mittellinie der Schwanzunterseite schwärzlich. Parietalia nach aussen von je einem langen Schild begrenzt. Oberlippenschilder 7—7, drittes und viertes unter dem Auge. 1+2 Temporalia. Erstes Sublabialenpaar in Berührung hinter dem Mentale.
Schuppenformel: I. Sq. 19, V. 177, A. !/,, Se. 7/+1. IEs Sg:19,;w VAT; Aral 28er: 12. Hyla dolichopsis Cope. (Blngr., Cat., p. 384.) Auch bei den vorliegenden Stücken ist wie bei denen Boettger’s (Herpet.
Mitth., 8. 156) die Schnauze nicht länger als 1!/—1?/; des Augendurehmessers und die Saugscheiben sind nicht grösser als das Tympanum.
24 Franz Werner. Zweiter Beitrag zur Herpetologie der indo-orientalischen Region. g
Erklärung der Abbildungen.
Tafel I. Fig. 1. Zaocys tornieri n. sp. Kopf (natürliche Grösse). »„ 2. Rhacophorus chiropterus n. sp. Von oben (natürliche Grösse).
Q
2 5 » » Mundhöhlendach. Hinterbein | Vierte Zehe von Lygosoma paradoxum n. sp. (nat. Gr.). Kopf von oben | Gymnodactylus lateralis n. sp. (wenig vergrössert). (Gonyocephalus beyschlagi Boettger (wenig vergrössert).
ea www 8
Referate.
Thiselton-Dyer W.T. Botanical Nomenclature. (Bulletin of miscellaneous information. Royal Gardens, Kew. November 1895, p. 278—281.)
Auf der Versammlung der British Association for the Advancement of Science zu Ipswich im September vorigen Jahres war die Botanik das erste Mal durch eine eigene Section vertreten, deren Präsident Mr. W.T. Thiselton-Dyer, der Director der Royal Gardens in Kew, war. In der Adresse, mit welcher der- selbe die Sitzungen der Section eröffnete, berührte er unter Anderem auch die Frage der botanischen Nomenclatur. Der diese betreffende Abschnitt seiner Rede erschien in der November-Nummer des „Kew Bulletin“ in seinem vollen Umfange abgedruckt. Die offieielle Stellung des Redners allein rechtfertigt es — abge- sehen von dem inneren Werth der Ausführungen —, von diesen hier Notiz zu nehmen. Da aber der betreffende Artikel anderswo in wörtlicher deutscher Ueber- setzung erscheinen wird, so dürfte es an diesem Orte genügen, nur einige der wesentlichsten Stellen herauszuheben.
„Was wir in der Nomenclatur brauchen“, sagt der Redner, „ist das Maximum an Stabilität und das Minimum an Wechsel, das mit dem Fortschritt zur Vervollkommnung unseres taxonomischen Systems vereinbar ist.“ Stabilität ist vor Allem nothwendig, wenn die Wissenschaft mit dem praktischen Leben, namentlich mit jenen Zweigen desselben, in welche die botanische Nomenclatur seit Langem Eingang gefunden hat, wie Gartenbau, Handel, Arzneikunde und Kunst, in Berührung bleiben soll. „Aenderungen werden nothwendig, es sollte aber niemals ohne gewichtigen und guten Grund darauf bestanden werden.“
Bei der Uebertragung einer Art in eine andere Gattung ist @s „üblich“, den specifischen Theil des ursprünglichen Namens wenn möglich beizubehalten, und bei der Reduction mehrerer Arten auf eine ist es „üblich“, den zuerst publieirten Namen zu wählen. Dann aber fährt der Redner fort: „Ich stimme
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Referate. >25
jedoch mit dem verstorbenen Sereno Watson darin überein, dass einem Namen absolut kein ethisches Moment in Folge einer Priorität der Publication oder der Stelle innewohnt, ein Moment, das irgend Jemanden moralisch verpflichten würde, einem Namen den Vorzug vor dem anderen zu geben.“ Angesichts der Aufgabe, die Pflanzenarten zu benennen, zu beschreiben und zu classificiren, und so das Materiale zu einer umfassenden Behandlung der Vegetation des Erdballes zu schaffen, erscheinen ihm „Botaniker, die ihre Zeit über Prioritätsfragen vergeuden, wie Knaben, die mit einem Auftrag fortgeschickt, ihre Zeit damit zubringen, in der Strasse zu spielen.“ Der Vortragende führt hierauf einige Beispiele von Namensänderungen an, die in neuester Zeit infolge der strieten Anwendung des Prioritätsprineipes vorgeschlagen wurden und die, gänzlich nutzlos für die Wissenschaft selbst, die systematische Botanik nur lächerlich machen können, und sagt: „Das Schlimmste aber ist, dass diejenigen, welche den Gegenstand sorgfältig studirt haben, wissen, dass es aus Gründen, welche zu erörtern ich nicht Zeit habe, fast unmöglich ist, zu einem Ende zu kommen, sobald man einmal daran gegangen ist, die geläufige Nomenclatur aufzustören.“ Und zum Schlusse heisst es: „Obwohl ich die Angelegenheit vor die Section gebracht habe, so ist sie doch nicht von der Art, dass diese oder überhaupt eine Vollversammlung von Botanikern in derselben viel thun kann, und während ich hoffe, ihre Zu- stimmung zu den allgemeinen Principien, die ich dargelegt habe, zu erlangen, muss doch zugegeben werden, dass die technischen Einzelheiten nur von erfahrenen Specialisten gewürdigt werden können. Alles, was sich erhoffen lässt, ist ein allgemeines Uebereinkommen zwischen den Personalen der wichtigsten Institute in den verschiedenen Ländern, in denen an systematischer Botanik gearbeitet wird.* 0. Stapf.
Forschungsberichte aus der biologischen Station zu Plön. Herausgegeben / von Dr. Otto Zacharias, Director der biologischen Station. Theil I (189), II (1894) und III (1895). Berlin, R. Friedländer & Sohn. 8°. 52, 155 und 209 Seiten mit zahlreichen Tafeln, Abbildungen, Tabellen und Karten.
Etwas über vier Jahre sind es her, dass die biologische Station in Plön ihrem Zwecke übergeben wurde, und schon füllen die Arbeiten, die aus ihr hervorgegangen, drei Bände, deren jeder stattlicher als sein Vorgänger sich präsentirt, was Umfang und Inhalt betrifft. Es ist dies der ungewöhnlichen Rührigkeit und Arbeitskraft des Leiters dieser Anstalt, Herrn Dr. O. Zacharias, zu verdanken.
Die Aufgaben dieses Institutes, respective der Süsswasserstationen über- haupt sind von Zacharias selbst,!) sowie von Walter speciell für das Süsswasser präeisirt worden. In zusammenfassender Weise hat Referent diese Aufgaben bei einem 1894 bei der Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte gehaltenen
ı) Ueber den wissenschaftlichen Zweck und die praktische Bedeutung der biologischen Station zu Plön. Plön, 1894. (Als Manuscript gedruckt.) Ferner in allen seinen Aufsätzen in den Forschungs- berichten an vielen Stellen.
Z.B. Ges. Bd. XLVI. 4
26 Referate.
Vortrage für stehende und fliessende Süsswässer, sowie für das Meer dargelegt.!) Sie sind: I. Wägung, resp. Zählung des organischen Materiales der gegebenen Wasser- ansammlung (Productionskraft). II. Constatirung aller Thier- und Pflanzenspecies („floristischen und faunistischen Inventars“). III. Statistisch genaue Angabe der Verbreitung und Menge, und zwar: a. an sich, 3. in ihrer Abhängigkeit von A. äusseren, B. inneren Einflüssen (d. i. in der Organisation gelegenen Einflüssen). Unter solchen äusseren Einflüssen sind zu verstehen: Temperatur, Qualität und Quantität des Lichtes, chemische Zusammensetzung des Wassers, geo- logischer Charakter des Grundes, Tiefe des Wassers u. a. Die bezüglichen Unter- suchungen werden daher natürliche Vorarbeiten bilden. Solche Daten für Plön liefern Ule (Geologie und Orohydrographie der Umgebung von Plön) und Krause (Uebersicht der Flora von Holstein), sowie zahlreiche gelegentliche Bemerkungen in den übrigen Aufsätzen.
Die sub I skizzirte Aufgabe ist in III zum Theile mitenthalten, II ist eine nothwendige Vorarbeit zu III. Die Constatirung der Fauna des Seengebietes ist vor Allem das Verdienst Zacharias‘, dann Brockmeier’s (Mollusken), Gar- bini’s (Flohkrebse), Blanchard’s (Hirudineen). Die Wasser-Phanerogamen be- handeln Krause und Klebahn, die Characeen Sonder, die Algen Klebahn und Lemmermann, die Diatomeen Castracane und Brun. Darunter finden sich zahlreiche von Zacharias neu entdeckte Species, eine Reihe neuer Algen- gattungen, resp. Arten bringt Lemmermann u. s. w.
So wichtig diese Arbeiten an sich sind, so unerlässliche Vorarbeiten sie für die Lösung der Hauptaufgabe bilden, so werden die zahlreichen Details doch nur den betreffenden Fachmann interessiren. Hingegen möchte ich über die bezüglich der Hauptaufgabe (III) erreichten, in allgemein naturwissenschaftlicher Beziehung so wichtigen Resultate eine zusammenfassende, aus allen einschlägigen oben eitirten Arbeiten geschöpfte Uebersicht bringen:
A. Limnetische und litorale Flora und Fauna.
Man hat unter den Bewohnern des Sees — Thieren und Pflanzen — zwei Antheile zu unterscheiden, der eine — der litorale — bewohnt die Uferregionen, der andere — Plankton — schwebt frei im Wasser: der pelagische Antheil, wie ihn E. Müller genannt hat, besser nach Haeckel als der limnetische zu bezeichnen (wo dann der Ausdruck „pelagisch“ für das Meer vorbehalten bleibt). Die Territorialgrenzen zwischen diesen beiden Antheilen sind aber keineswegs
!) Berichte der Deutschen botanischen Gesellschaft, Jahrgang 1894, General-Versammlungs- heft, S. 133.
Referate. 27
scharfe, wie es bisher nach Forel allgemein angenommen wurde, sondern ein- seitige. Die litoralen Organismen sind nämlich dadurch auf die Uferzone be- schränkt, dass sie entweder festsitzen und infolge ihres Lichtbedürfnisses über eine gewisse Tiefe nicht hinabgehen, oder dass sie das Bedürfniss haben, von ihren Schwimmtouren öfters auszuruhen. Für die planktonischen oder limneti- schen Organismen, die vermöge besonderer Vorrichtungen in der Lage sind, frei schwebend auszuharren, besteht eine solche Beschränkung nicht. Wir finden sie im der Seenmitte gerade so wie am Ufer.!) Die Planktologie hat uns daher auch im Allgemeinen nicht mit neuen Organismen bekannt ge- macht, die Plankton-Organismen finden sich auch am Ufer, das bislang die Quelle unseres Studienmateriales war. Das sind keine theoretischen Erwägungen, son- dern Ergebnisse der Plöner Studien. ?)
B. Anpassungsvorrichtungen.
Das Studium der Anpassungsvorrichtungen, vermöge derer die limnetischen Organismen im Wasser schweben, hat zu einer Reihe von in allgemein natur- wissenschaftlicher Beziehung bedeutungsvollen Resultaten geführt. Solche Vor- richtungen sind:
1. Schwimmorgane, die eine Eigenbewegung ermöglichen (Flossen, Flossen- säume, Geisseln).
2. Aeussere Formen, welche theils eine Vergrösserung der Oberfläche be- wirken, theils als solche das Sinken erschweren (Platten, Scheiben, Stacheln, Hörner, Anordnung zu Ketten).
3. Verringerung des specifischen Gewichtes durch im Körperinneren auf- tretende Stoffwechselproducte, und zwar:
a) Fett,
b) Gas.
4. Besondere hydrostatische Apparate (Blasen, pulsirende Vacuolen).
5. Anheftung an andere limnetische Organismen (bei den sogenannten passiv- limnetischen Organismen).
Diese Vorrichtungen nun erscheinen entweder einfach oder mannigfach combinirt als Ursachen eines mehr minder ausgebildeten Schwebevermögens.
Bei den Protozoen treten vor Allem pulsirende Vacuolen, ferner Fett auf; einige Vorticellinen und Acineten sind passiv-limnetisch, sie hängen sich besonders an Diatomeen und Nostoceen an (besonders massenhaft ist Salpingoeca minuta auf der Diatomee Asterionella).
Sehr verschiedenartigen Anpassungserscheinungen begegnen wir bei den Rotatorien: bei den Anuraeen, Synchaeten und Asplanchna sind die Zellen des Magens stets von zahlreichen Fetttröpfchen erfüllt, ebenso die frei auf dem Wasser
!) Zacharias bringt detaillirte wiederholt ergänzte Verzeichnisse sämmtlicher limnetischer Organismen des Plöner Sees. 2) Die wichtigsten Sätze der Ergebnisse der Plöner Arbeiten habe ich durch römische Rand-
nummern fortlaufend bezeichnet, 4*
2 fe) Referate.
schwimmenden Eier von Synchaeta grandis; auch die von Polyarthra platy- ptera führen reichlich Fett und unterstützen das Schweben des Mutterthieres, das die Eier mit sich herumträgt. Einen besonderen hydrostatischen Apparat hat das Bipalpus-Ei in Form einer prall mit Wasser gefüllten Blase. Die Anuraeen sind abgeflacht und bedornt.
Bei den limnetischen Copopoden, vielen Cyelopiden und Calaniden finden wir grosse „Oelkugeln“ in den Bindegewebemaschen, die in Verbindung mit den wohlausgebildeten activen Schwimmapparäten diese Organismen zu einer schwebenden Lebensweise vorzüglich befähigen. Keilförmige Fortsätze finden wir am Kopfe der Hyalodaphnien; den Eindruck „zweckloser, grotesker Auswüchse* machen die ersten Antennen mancher Bosminen.
Diese Studien über Anpassungserscheinungen an das planktonische Leben bei Thieren verdanken wir Zacharias.
Die planktonischen Pflanzen — durchwegs Algen (im weiteren Sinne) — zerfallen nach den Anpassungsvorrichtungen in drei Gruppen:
1. Am schlechtesten — so scheint es — sind die Diatomeen angepasst. Zwar sind ihre Gehäuse durchaus sehr zart gebaut und nicht selten ist die äussere Form schon eine solche, die das Sinken sehr erschwert (Scheiben, Spindeln; Atheya und Rhizosolenia, für welche Gattungen bisher Vertreter nur aus dem Meereswasser bekannt waren, besitzen borstenförmige Fortsätze an ihren Kieselgehäusen); in demselben Sinne wirkt die Vereinigung zu ketten- oder sternförmigen Zellverbänden, wie wir sie z. B. bei den drei häufigsten Plankton- Diatomeen — Melosira laevissima, Synedra erotonensis und Asterionella formosa — treffen. Ein gewisser Gehalt der Zellen an Fett macht sie speeifisch leichter, aber noch immer sind sie schwerer als Wasser, wie man sich an dem Untersinken der Diatomeen in einem Glaseylinder überzeugen kann. Strömungen und Wellen- schlag (s. unten) werden hier wohl hauptsächlich das Schweben ermöglichen. !)
2. Der Besitz von Cilien ermöglicht actives Schwimmvermögen, hieher Volvox aureus, Eudorina elegans, Pandorina morum, die so häufige Peridinee Ceratium hirundinella (bei der der dreihörnige abgeflachte Körper das Schweben befördert, u. a.), zahlreiche Infusorien.
3. Cyanophyceen (Gloeotrichia echinulata, eine der häufigsten Plankton- algen im Plöner See, Anabaena plur. spece., Olathrocystis aeruginosa, Coelo- sphaerium Kuetzingiamum).
Während die sub 1. und 2. subsummirten Algen specifisch schwerer sind als Wasser, sind die planktonischen Cyanophyceen leichter als dieses; sie steigen in ruhig stehendem Wasser rasch an die Oberfläche und bilden hier eine „Wasserblüthe“. Sie verdanken diese Eigenschaft dem Gehalte ihrer Zellen an Gasvacuolen. Die Entdeckung und der Nachweis?) dieser Gasvacuolen
1) In diese Gruppe gehören auch einige planktonische Protococcoideen (Pediastrum Boryanum, P. duplex) und eine Desmidiacee (Staurastrum graeile).
2) Auf die höchst interessanten Details dieses Nachweises kann leider nicht eingegangen werden. Ich verweise auf die Original-Arbeiten: Strodtmann im III. Bande, ferner „Anpassung der Cyanophyceen an das pelagische Leben“ (Archiv für Entwicklungsmechanik der Organismen, Bd.I,
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I.
Referate. 29
dureh Klebahn und Strodimann ist eines der in allgemein naturwissenschaft- licher Beziehung wichtigsten Resultate der Plöner Studien.
Trotz der genannten Hilfsmittel zur Führung der planktonischen Lebens- weise würden doch die letztangeführten Organismen sich an der Oberfläche an- sammeln, die anderen zu Boden sinken, wenn nicht der Wellenschlag und verticale Wasserströmungen — gewissermassen als objeetive Hilfsmittel —, (im Meere ausserdem das höhere specifische Gewicht des Wassers) mitwirkten. Die vertiealen Strömungen sind auch bei ruhigstem Wasser vorhanden und sind die Folge von Temperaturdifferenzen. Von deren Wirkung kann man sich sehr schön durch Strodtmann’s Versuch überzeugen: in einen Glascylinder wird Plankton ge- bracht, nach längerem Stehen sammelt es sich theils am Boden, theils an der Oberfläche an; das Umfassen des Cylinders mit der Hand unten oder oben genügt, um einen Theil des Planktons emporzuwirbeln, beziehungsweise hinabsteigen zu machen.!) Wellenschlag und verticale Wasserströmungen gehören somit zu den wichtigsten Factoren bei der Herstellung einer gleichmässigen
C. Verbreitung und Vertheilung.
So argumentirt Zacharias im I. Bande in Uebereinstimmung mit seinen Unter- suchungen. Ganz anders aber spricht er sich im II. Bande auf Grund seiner im mittlerweile verflossenen Jahre gepflogenen, auf den ganzen See ausgedehnten
Heft 3, Leipzig, 1895) und im Biologischen Centralblatt, Bd. XV, 1895, Nr. 4. — Klebahn im III. Bande und in „Flora“, 1895, Heft 1. — Ausser den obgenannten Cyanophyceen aus den Familien
der Rivulariaceen, Nostoceen und Chroococcaceen kennen wir noch pelagische Osecillariaceen, und zwar marine aus der Gattung Trichodesmium und limnetische aus der Gattung Oseillatoria (0. rubescens, prolifica und Agardhü). Für Trichodesmium Hildbrandti Gomont hat Klebahn das Vorhandensein von Gasvacuolen constatirt. — Ausser den Cyanophyceen besitzt nur eine Alge, die Protococcoidee Botryococcus Braunii ein ausgeprägtes Steigvermögen, das sie wahrscheinlich der Durchtränkung der Membranen mit Fett verdankt.
1) Als eine Schutzeinrichtung gegen Verfolgung dürfte — besonders bei den grösseren lim- netischen Organismen — deren grosse Durchsichtigkeit aufzufassen sein. — Es gibt eine Reihe von Fällen, wo Arten, die im Allgemeinen nur als Uferbewohner auftreten, in einem See im Plankton aufgefunden werden, und zwar nicht nur in einzelnen versprengten Exemplaren, wie dies ja gelegent- lich bei sehr vielen litoralen Organismen der Fall ist, sondern als ein ansehnlicherer Bestandtheil, der sich eine gewisse Zeit hindurch erhält. So z. B. ist der sonst litorale Chydorus sphaericus im Dobers- dorfer Teiche bei Kiel limnetisch; Sida erystallina findet sich in den westpreussischen und italieni- schen Seen limnetisch u.a. m. Solche litorale Organismen werden als tycho-limnetisch (tycho- pelagisch) bezeichnet. Sie bilden theoretisch den Uebergang zu jenen interessanten Organismen, auf die uns Zacharias zuerst aufmerksam gemacht hat, und die zwar ausschliesslich planktonisch auf- treten, aber ihrer ganzen Organisation nach litoral erscheinen, und deren nächste systematische Ver- wandte auch litoral sind. Hieher gehören Vertreter der Rotatoriengattung Floscularia und der drei Protozoengattungen Carchesium, Epistylis und Dinobryon. (Nur bei der Euglenoide Colacium vesi- eulosum dürfte nach Zacharias der umgekehrte Fall vorliegen.) Auf Grund jener Ergebnisse stellt Zacharias die Theorie auf, dass die limnetischen Organismen sich aus litoralen herausentwickelt haben durch Vervollkommnung der Schwebevorrichtungen auf dem Wege der Selection; er tritt da- mit der Relietentheorie Pavesi's entgegen, nach welcher die limnetische Fauna aus einer marinen entstanden sei als Relict aus einer Zeit, in welcher die Seen mit dem Meere in Verbindung standen. ‚ Diese Theorie ist übrigens auch vom geologischen Standpunkte von R. Credner zurückgewiesen worden.
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30 Referate.
Untersuchungen aus und kommt zu dem Resultate: „Die Vertheilung des Plankton ist in oft ziemlich nahen Seetheilen sehr verschieden; es gibt Schwärme.“ Er polemisirt daher auch sehr energisch gegen die Hensen’sche Lehre von der gleichmässigen Verbreitung, sowie gegen dessen Zählmethode. Im dritten Jahre übernehmen Zacharias und Strodtmann gemeinsam die Untersuchungen und kommen zu einem vermittelnden Resultate: „.... .. dass man bei der Plankton- Vertheilungsfrage zu unterscheiden hat zwischen dem Plankton als Masse und den einzelnen Species von schwebefähigen Pflanzen und Thieren, aus denen sich die- selbe zusammensetzt. In letzterer Beziehung findet keine gleichförmige Verthei- lung statt, sondern während einzelne Species mehr peripherwärts zu finden sind, bevorzugen andere die centralen Partien. Das Plankton als Masse hingegen ist ziemlich gleichförmig vertheilt, d. h. verticale Netzzüge aus derselben Tiefe, sowie horizontale Oberflächenzüge von derselben Zeitdauer liefern auch annähernd gleiche Planktonmengen, so dass Unterschiede im Betrage von mehr als 25°/, selten SndW.. x Freilich gilt das aber stets nur von Bezirken gleicher Tiefe und Bodenbeschaffenheit, sonst ergeben sich sehr bedeutende Differenzen, welche bis zur Vervierfachung des Planktonvolumens hinaufgehen können. Solche Unter- schiede sind es denn auch gewesen, welche mir im Sommer 1893 starke Zweifel an der gleichmässigen Vertheilung des Limnoplankton erregten, denen ich im II. Hefte der Forschungsberichte unumwundenen Ausdruck gegeben habe. Diese Ungleichförmigkeiten finden jetzt ihre Erklärung durch die Thatsache, dass die Planktonmenge in Binnenseen von grosser Flächenausdehnung in un- mittelbarer Abhängigkeit von den Tiefenverhältnissen steht. Der grosse Plöner See zeigt demnach so viele Verschiedenheiten in der Massenver- theilung des Plankton, als er Einsenkungen und Erhebungen des Grundes besitzt, und deren sind nicht wenige, wie Ule durch seine fleissigen Lothungen nachge- wiesen hat.* (Zacharias.) — „Nehmen wir an, ein See sei kreisrund, die Tiefe nehme gleichmässig auf allen Seiten zu, die Bodenbeschaffenheit sei überall die gleiche, auch Zuflüsse seien gleichmässig vertheilt oder ganz fehlend. Wenn nun nicht gerade ein heftiger Wind den See aufwühlt, so dürfen wir .auf allen Peri- pheriepunkten des vom Mittelpunkte aus gezogenen Kreises eine gleichförmige Planktonvertheilung annehmen. Je mehr sich ein See diesem Ideal nähert, um so mehr nähert er sich auch dieser Gleichmässigkeit. Sobald jedoch in der einen oder anderen oder in mehreren Beziehungen Abweichungen eintreten, um so geringer oder grösser werden auch die Ungesetzmässigkeiten.“ (Strodtmann.) Dies der heutige Standpunkt.
[Es ist dies die richtige Stelle, um auf zwei für die ganze Planktologie, sowie für die Errichtung der Süsswasserstationen hochwichtige Fragen einzugehen:
1. Hensen’s statistische Methode? Das Prineip dieser besteht bekannt- lich darin, Individuen und Species zunächst für kleinste Proben von bekanntem Volum unter dem Mikroskope durchzuzählen und so deren Zahl für die ganze durchfischte Wassersäule, und aus mehreren solchen Wassersäulen für einen ganzen Meeres- oder Seeabschnitt zu berechnen, Gleichmässigkeit der Vertheilung des Planktons in diesem vorausgesetzt. Es fragt sich also nur darum,
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für einen wie grossen Bezirk des Sees eine solche Gleichmässigkeit wirklich be- steht. Auf dem offenen Meere herrscht — wie es scheint und wie auch nach Obigem völlig begreiflich — eine solche für ungleich grössere Bezirke als im seichten See, zumal wenn dieser eine reiche horizontale und verticale Gliederung (des Grundes nämlich) besitzt. Mit Recht tritt Zacharias daher entschieden dagegen auf, die Ergebnisse einiger mit einem kleinen Netze gemachten Fänge für den ganzen See auszuwerthen, ebenso mit Recht tritt er dagegen auf, nur alle 2—3 Wochen den See zu besuchen, um aus diesen Resultaten ein Bild der periodischen Veränderungen des Plankton im Laufe des Jahres zu erhalten. Zacharias verweist auf eine ganze Reihe von Beispielen, wo eine Species binnen wenigen Tagen sich enorm vermehrte, um ebenso rasch wieder zu verschwinden (oder auch umgekehrt).!) Solche wichtige Veränderungen werden nur bei täglicher Beobachtung constatirt werden können. Aber die angeführten Fehler, welche Zacharias der Hensen’'schen Methode vorwirft, sind nicht Fehler der Methode, sondern der Ausführung, die eminente Bedeutung der Hensen’schen Zählmethode wird dadurch nicht beeinträchtigt. Mit Recht legt Zacharias so grosses Gewicht auf die tägliche Beobachtung (mit blosser Schätzung der Häufigkeit der Formen), denn zur Durchführung des eigentlichen Ideals: der täglichen Zählung, reichten Arbeitszeit und Arbeitskraft nicht aus. Intuitiv hat Zacharias den richtigen Weg eingeschlagen, um in möglichst kurzer Zeit eine möglichst allseitige Kenntniss über das Leben des Sees zu erhalten. Eine grosse Anzahl von Detailfragen bleibt zu lösen, ja wird zum Theile erst aufgerollt. Zur Lösung dieser werden ana- tomische, entwicklungsgeschichtliche, systematische und experimentelle Studien an sich und in Verbindung mit der Zählmethode zu Resultaten führen, welche nach Ansicht des Referenten für die Naturwissenschaft der Lebewesen im Allgemeinen von grösserer Tragweite sein werden, als irgend ein anderer Forschungszweig. Aus dem Gesagten ergibt sich von selbst die Beantwortung der zweiten Frage:
2. Stabile oder Wanderstationen? Es ist das eine Frage, die schon vor vier Jahren anlässlich der Gründung der Plöner Station und vor Kurzem, als es sich um staatliche Subventionirung dieser handelte, vielfach ventilirt wurde. Damals (siehe Fussnote S. 25) und jetzt wieder (Ueber den Unterschied in den Aufgaben wandernder und stabiler Süsswasserstationen; Biologisches Centralblatt, Bd. XV, 1895, Nr. 9) ist Zacharias mit Entschiedenheit für stabile Wasserstationen ein- getreten; er erzählt, mit wie viel unsäglichen Mühen er durch Jahre (1884— 1889) Seenstudien im Riesen- und Isergebirge, Holstein, Pommern, Westpreussen und in den Maaren der Eifel gemacht. Und alle Resultate sind unbedeutend gegen die in Plön in zwei Jahren gewonnenen. Anlässlich der Subventionsfrage ist auch Rud. Virchow mit seiner Autorität für die stabile Station und Zacharias im preussischen Landtage eingetreten.
Die Frage beantwortet sich aus diesem Referate schon von selbst: Es ist kein Zweifel, dass wir durch Wanderstationen unsere faunistischen, respective floristischen Kenntnisse wesentlich werden erweitern können, dass wir bezüglich
ı) Vergl. z. B. die folgende Tabelle S. 32.
32 Referate.
einzelner interessanter Fragen der Hydrobiologie, die sich uns bei unseren stabilen Studien aufgedrängt, werthvolle Bereicherungen erfahren werden. Aber die Hydro- biologie als zusammenhängende Wissenschaft wird sich nur dureh Studien in stabilen Stationen entwickeln. Diese verhalten sich zu den Wanderstationen etwa ebenso, wie Zacharias’ tägliche Beobachtungen zu den obgenannten alle drei Wochen mit dem kleinen Netze in einer eng umschriebenen Partie des Sees aus- geführten Untersuchungen. ]
D. Plankton-Quantität.
Zacharias durchfischte vertical mit einem Netze von 63°6 cm? Oeffnung eine Wassersäule von 40 m Tiefe; das gefischte Plankton, mittelst Fliesspapier getrocknet, wurde gewogen.!) Es ergaben sich:
Tag| Monat Saul, Gewicht Anmerkung ratur 24 | Jänner | ? 343 mgr | 20 Diatomeensp., darunter 4 Melosira-Sp. 27 | Februar a E 40 „ Vornehmlich Melosira. 9 März Eee Do 16 R oe Dar 24 n ll HAT 28 A DSB lese: 29 R. 4:01, 602 „ 1 April 48, 586 „ ” 50 „ |1050 „ Fast reines (monotones) Plankton, aus 5 j Ba 960 „ : 22 7 i zarntolgieet, Melosira laevissima bestehend. 11 r 6:91, 629 , ||| 14 R b’bur, 407 „ 16 5 Dias 140 „ l: 13 5 1.025 HE 5 2) h 1.08% 20%, 3 5 7.06% 12795 e8 Mai er Lit] | Plankton sehr wenig, ‚so dass dessen | Wägung nicht genug sicher ausführbar. 9) Juni lö:hz } Male Gewichtszunahme 12 14:04, 1.125 | | durch Vermehrung von Bosminen, 3 ä ä 1 | < Rotatorien, Dinobryon, Ceratien, S2SX3 19 ? 153421 195.4 | regen | "Abs. 25 & ee 238 rg 14 :Anlir 4wl9&ln,, 151097 , | 3.8 8 r 208 „ | 0 „ | =) 5, S
ı) Das mitgewogene capillar zurückgehaltene Wasser veranschlagt Zacharias auf ein Viertel des Gesammtgewichtes. Dieses Viertel wäre zu subtrahiren.
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Referate. 33
Tag| Monat Kemper: | Gewicht Anmerkung ratur 15 Juli 185° C.| 82 mgr ER 08 as fi ve ü m 2 Vermehrung von @Gloeotrichia echinu- „ f Be lata, die nun hauptsächlich das Plankton 6.| August | 187 „ 400 „ bildet 12 nn Id8::, 218 „ $ ih E 169 „ 540 , 23 n 16:08, 508% Abnahme von @loeotrichia. H ? Er x ER n | Planktonzunahme durch Crustaceen und hi Serena 140 "arg ]] Eagenlipsrei |
Der Planktongehalt des ganzen Sees würde sich somit für eine durch- schnittliche Tiefe von 10 m und eine Fläche von 32 km? für den ertragreichsten Tag (7. April) mit 15.000 Centnern, für den 17. April mit 900 Centnern berechnen. Für den Hectar stieg die Planktonproduction vom 9. März bis zum 7. April um mehr als 30 Centner. Ein Acker mittlerer Qualität (vierter Classe) liefert nun pro Jahr 30—32 Centner Roggenkorn und 40—50 Centner Stroh. Diese sind nun freilich substanzreicher als die gleiche Menge Melosirenplankton. Bedenkt man aber, dass jene 30 Centner in 29 Tagen produeirt wurden, dass späterhin (s. u.) durch reichliches Auftreten anderer Organismen wieder eine bedeutende Zunahme des Plankton sich einstellte, dass der See auch im Winter nicht brach an orga- \nischem Leben ist, so ergibt sich daraus, dass das Wasser dem besten Ackerlande an Fertilität nicht nachsteht.
Zur Klarstellung der verticalen Verbreitung gemachte Stufenfänge ergaben:
1. Zur Zeit der üppigsten Entwicklung finden sich zunächst der Oberfläche am meisten Melosiren, resp. Gloeotrichien (Nothwendigkeit des Lichtes für den Stoffwechsel).
2. Nach abwärts nimmt die Zahl der Melosiren ab, um in den tieferen |Schichten wieder zuzunehmen; diese Zunahme ist aber durch das Hinabsinken der absterbenden, jedenfalls schwebeunfähig gewordenen Fäden bedingt. Dasselbe gilt für Gloeotrichia im Stadium der Sporenbildung (die Sporen enthalten näm- lich keine Gasvacuolen).
Die Tabelle hat uns ferner mit der Thatsache der
E. Periodischen Zu- und Abnahme des Plankton
bekannt gemacht. Zacharias bringt detaillirte Periodieitätstabellen für zwei
Jahre, und zwar für alle häufigen Species des Plöner Sees. Hier nur das Wichtigste:
Die Monate Februar und März sind die planktonärmsten, häufig sind nur die
Melosiren; aber schon im April werden die Flagellaten und Diatomeen häufiger,
daher (?) bald darauf auch die Protozoen, Rotatorien und Cruster, die in den Z. B. Ges. Bd. XLVI. 5
34 Referate.
Sommermonaten ihre Maxima erreichen. Schon Ende April oder Anfang Mai ver- schwinden die Melosiren, andere Diatomeen und Cyanophyceen stellen sich jetzt ein: besonders Fragilaria crotonensis und capucina, Asterionella gracillima, Diatoma tenue, Anabaena flos aquae, Olathrocystis aeruginosa, besonders aber Gloeotrichia echinulata. Schon im October werden alle diese selten und weiterhin immer seltener; dafür treten Melosiren wieder auf, häufiger aber werden sie erst im Februar bis März. Auch im October verschwinden die Protozoen, die also vornehmlich an die wärmere Jahreszeit gebunden sind, bald darauf auch die Rota- torien und Dreissenia-Larven, dagegen harren die meisten Krebse (Hyalodaphnia, Cyclops oithonoides, Bosmina plur. sp., Kurythemora lacustris, Diaptomus) länger aus, bis zum Jänner; nun beginnt wieder die planktonärmste Zeit. Wovon leben nun diese Krebse vom November bis zum Jänner? Zacharias antwortet auf Grund seiner eingehenden Darminhalt-Untersuchungen bei jenen Krebsen: 1. von den Diatomeen, 2. von dem Detritus, der sich durch Zerfall der massenhaften Blätter und Stengelabfälle der grossen litoralen Pflanzen bildet, und der durch einen stärkeren Wind und die Wogen über den ganzen See vertheilt wird.
Diese Befunde gelten für den grossen Plöner See und dürfen, wie Zacharias wiederholt betont, keineswegs generalisirt werden; so weist er auf einige Fälle hin, wo Organismen, die im grossen Plöner See im Winter fehlten, sich in einem benachbarten kleineren See im Jänner unter dem Eise fanden.
Wie weit Uebereinstimmung besteht, können nur in grossem Massstabe vorgenommene vergleichende Untersuchungen zeigen, wobei Zacharias’ Tabellen als Muster dienen sollen. Einen hochinteressanten Anfang hiezu bieten Zacha- rias und Henscher, die an gleichen vorher vereinbarten Tagen das Plankton des Plöner, resp. des Züricher Sees untersuchten. „Es ist aus beiden Fang- berichten zu ersehen, dass die Arten zwar vielfach dieselben sind, aber hier und dort in ganz anderen Mengenverhältnissen auftreten. Dies kommt jedoch, wie ich gesehen, auch in dicht benachbarten holsteinischen Seen vor (d. i. solchen, die kaum 2km von einander entfernt sind). Bei dieser Wahrnehmung ist es schwer angänglich, die geographische Lage als eine besondere Ursache der faunisti- schen Verschiedenheiten anzuführen; wir müssen vielmehr annehmen, dass inner- halb jedes Seebeckens die Periodieität durch natürliche Auslese geregelt worden ist, insoferne es für jede Species innerhalb desselben Sees einen Zeitpunkt geben muss, wo es für sie am vortheilhaftesten und leichtesten ist, sich nume- risch auszubreiten. Dies wird in erster Linie von den Ernährungsverhältnissen, dann aber auch von der sehr complieirten Verkettung äusserer Umstände ab-
hängen, wie sie in jeder geregelten Lebensgemeinschaft (Biocönose), als welche das _
Limnoplankton wohl betrachtet werden darf, vorausgesetzt werden muss. Die ur- sprünglich für das Zusammenleben vieler Formen günstigsten Periodieitäts- Verhältnisse der einzelnen Species werden sich naturgemäss erhalten haben und weiter vererbt worden sein. Auf diese Weise erklärt es sich nach meiner Ansicht am besten, dass in benachbarten Seen die nämlichen Species oft ganz verschiedene Periodieitäten aufweisen, während weit entfernte Wasserbecken sich in dieser Be- ziehung oft völlig übereinstimmend verhalten.“ (Zacharias.)
XI.
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Referate. 35
F. Variabilität.
Zacharias führt (im I. Hefte) eine Reihe von interessanten einschlägigen Beispielen an, bezüglich derer ich auf das Orginal verweise. Von besonderem Interesse sind aber die periodischen Gestaltveränderungen, mit denen uns Zacharias zuerst kekannt gemacht hat (durch 10 Tage im Juli reichlicher Stachelbesatz bei Cerotium hirundinella; Verkürzung des Kopfhelmes bei Hyalo- daphnien, der Antennen bei Bosmina coregoni im Winter; hingegen Verlängerung des ganzen Körpers bei Bipalpus vesiculosus im Winter); ferner das Auftreten von Zwergformen planktonischer Organismen, u. zw. bei Rotatorien (Synchaeta pectinata und tremula) und Infusorien (Stentor eoeruleus).
* * *
Trotzdem Referent Details nach Möglichkeit vermieden hat, ist das Referat doch ziemlich breit geworden — dafür stellt es annähernd die Grundzüge der Süsswasserplanktologie in ihrem heutigen Entwiceklungszustande dar. Auf alleinteressanten Details eingehen, hiesse die drei Bücher abschreiben; nur zwei derselben, die dem Referenten besonders erwähnenswerth scheinen, mögen noch Platz finden:
1. Das Vorhandensein einer Süsswassernemertine (Tetrastemma lacustre) und eines nordischen Egels (Placobdella Raboti) im Plöner See.
2. Eine neue Infusorienspecies: Dileptus trachelioides Zacharias, die in ihrem Leibe reichlich Zoochlorellen enthält. Es obwaltet hier ein Verhältniss der Symbiose, das beiden Organismen zu statten kommt. Damit hängt die sehr geringe Nahrungsaufnahme bei Dileptus zusammen, ja manche Individuen haben Mundöffnung und Bauchspalt überhaupt nicht. Es ist. dies eine Anpassung an veränderte Lebensverhältnisse, die unter unseren Augen vor sich geht. Der Taster- rüssel, der bei Dileptus anser z. B. stets hin- und hergeht und nach Nahrung sucht, ist hier zu einem Stummel reducirt, übrigens ist diese Reduction bei ver- schiedenen Individuen verschieden weit vorgeschritten. Besonders interessant ist es auch, dass bei Theilung der Dileptus-Zelle ein Theil der Zoochlorellen ihren normalen Platz am hinteren Leibesende verlässt, um sich in die andere Hälfte zu begeben. Dr. S. Stockmayer.
Albow N. Prodromus Florae Colchicae. Tiflis und Genf, 1895. 8°. XXVI+ 290 S. Mit vier Tafeln.
Mit vorliegendem Werke wird die Erinnerung an das mythisch verklärte Colchis aufgefrischt. Der Verfasser subsummirt darunter den westlichen Kaukasus mit den Landschaften Abchasien, Adzhazien, Circassien, Gurien, Imeretien, Min- grelien und Samurzaknien. Er stützt sich hiebei auf seine in den Jahren 1888—1894 gemachten Aufsammlungen, auf die Dr. Gustav Radde’s vom Jahre 1893, die A. G. Ardasenow’s und die 250 Nummern umfassende Alexander Lamakin’s. Nach dem geographischen Rückblicke auf das fragliche Gebiet folgt der enumerative Theil. Hier befleissigt sich der Verfasser der möglichsten Kürze.
5*
XIV.
36 Referate.
Auf Arten, die keiner ergänzenden Beschreibung bedürfen, wird einfach hinge- wiesen. Neu sind: Ranuneulus n. sp.?, Corydalis calcarea, Cardamine pectinata Pall. var. Adzharica, Draba Ossetica (Rupr.) Somm. et Lev. y. racemosa Somm. et Lev. in litt., Polygala vulgaris L. subsp. comosa var. Caucasica Chodat, Alsine laricifolia Whlnbrg. var. Pontica und A. subuniflora, Arenaria rotundi- folia M. B. var. Colchica, Hypericum nummnulariaefolium Trautv. var. pumilum, Geranium gracile Ledeb. var. glabriusculum, G. Armenum Boiss. var.? und @. Robertianum L. var. tenwisectum, Haplophyllum Taurieum Jaub. et Spach var. latifolium, Rhammus Frangula L. £. latifolia, Genista elatior Koch var. hirsuta und @. Mingrelica, Oytisus Colchieus, Trifolium rytidosemium Boiss. et Hohen. f. nanum, Astragalus Freyniü und A. Frickü Bge. var. longirostris Freyn et Albow, Oxytropis Albana Stev. var. Colchica und ©. Samurensis Bge. var. Colchica, Vieia Cracca L. f. stipulis dentatis, Cerasus Laurocerasus Lois. var. brachystachius Medwedeff et Albow und laurifolius, Sorbus Aria Crantz var. velutina, subtomentosa, glabra und ineisa, Rosa glauca Vill. f. nana Crepin und R. villosa L. var. folüüs glabrescentibus Crepin, Rubus rusticanus Mere. var, folüs supra pilosis, Geum waldsteimioides, Potentilla verna L. f. Asiatica Siegfr. et Kell. (N. s.), Epilobium Colchicum, hirsutum L. f. tomentosum racemis ab- breviatis et glabrescens racemis valde elongatis, Sempervivum globiferum L. var. pseudoglobiferum, Saxifraga Colchica und 5. Pontica, Astramtia Pontica und 4A. Oolchica, Bupleurum polymorphum und B. sp.?, Carum saxicolum, Chaero- phyllum aureum L. y.—£. und C. rubellum, Seseli sp.? und 5. calcareum, Ligustieum physospermifolium, Peucedanum calcareum, Heracleum scabrum und H. calcareum, Malabaila (Pastinaca?) aurantiaca und M. chrysantha, Asperula ceynamchica L. var. alpicola = A. ce. P. alpina et y. affinis Boiss., Galium erectum Huds. var. calcareum, Cephalaria calcarea, Scabiosa ochroleuca L. var. calcarea (an sp.?), Achillea Millefolium X nobilis und A. (Ptarmica) griseo-virens, Anthemis tinetoria L. f. floribus pallide luteis vel albidis, Pyrethrum Starckianum Albow var. foliosum und P. sp., Senecio orientalis Willd. var. eriocarpus und @. auran- tiacus DC. y. dentatus, Cardwus Colchicus, Cirsium sp.?, C. aggregatum Ledeb. var. macrophyllium, C. Kusnetzowianum Somm. et Lev. var. polycephalum und oblongifolium, Jurinew pumila Albow var. major, Psephellus hypoleucus Boiss. var. «. Adzharica, B. Abchasica und y. Caucasica, Centaurea salicifolia M. B. var. canescens, Taraxacum Oolchieum, Mulgedium Bourgaei Boiss. var. Colchi- cum, Orepis rumicifolia Boiss. et Bal. var. glandulosa, Campanula Sarmatica Ker var. calcarea, rapunculoides L. f. cordifolia = C. cordifelia C. Koch, pani- culata und facie ommino, C. rupicolae Boiss. et Sprun. und (©. glomerata L. var. symphytoides, Primula suaveolens Bertol. var. Colchica, Vincetoxicum Raddeanum und V. probab. n. sp., Gentiana septemfida Pall. var. diversifolia und C. para- doxa Albow var. latifolia, Swertia punctata Baumg. var. concolor, Mwyosotis alpestris Schm. f. pumila Albow und grandiflora Boiss. Herb., Eritrichium villo- sum Bge. var. Caucasicum, Verbascum sp.? (Leiantha), doch ist das in Betracht gezogene Y. rubiginosum W. K. ein Mischling von V. Austriacum Schott und V. phoeniceum L., aber nicht V. nigrum X phoeniceum, während die kaukasische
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Referate. 31
Pflanze der Combination V. orientale X phoeniceum e. psilobitryum Ledeb. ent- sprechen dürfte, Linaria sp., Serophularia chrysantha Jaub. et Spach var. glabra, Veronica denudata, Pedicularis condensata M. B. f. pumila, Calamintha offieinalis Moench f. glabrescens, Marrubium Astrachanicum Jacq. var. Rad- deanum, Stachys macrophylla und St. annua L. var. perennans, Betonica offi- einalis L. f. hirsuta (ob Betonica hirsuta Leyss.?), Plantago lanceolata L. var. Kopeimyensis, Ulmus montana Sm. var. laciniata Trautv. in Herb. Boiss., Corylus Colchica, Salix sp.?, Orchis viridi-fusca, Iris Lazica, Allium pseudostrietum, A. gracile und A. Candolleanum, Hemerocallis sp.?, Polygonatum multiflorum All. f. macrophyllum, Carex maxima Seop. var. angustifolia, Carew n. sp. (Legi- timae Koch) und Carex n. sp., Agrostis vulgaris Wither. var. elongata Boiss. Herb., Avena Adzharica, Catabrosa (Colpodium) Caucasica und ©. (Colpodium) n. sp.?, Bromus asper Murr. var. glabrescens. Crepin (Rosa), Focke (Rubus), an (Astragalus), Hackel (Festuca), Siegfried und Keller (Potentilla) bearbeiteten einzelne Gattungen. Ein erklärendes Standortsregister und ein Gattungsverzeichniss bilden den Schluss. Auf den beigegebenen vier Tafeln werden Campanula mirabilis Albow, Gentiana paradoxa Albow, Trapa Colchica Albow, Ohysmydia agasylloides Albow und Agasyllis latifolia Boiss. abgebildet.
Das ganze Werk ist den Manen Edmond Boissier’s, der sich um die Flora des Orients für alle Zeiten unvergängliche Verdienste erworben, in dank- barer Würdigung der grossartigen Munificenz, mit der William Barbey, dessen Schwiegersohn und wissenschaftlicher Erbe, ihm die in Chambesy befindlichen Sammlungen zugänglich gemacht und sonst seine Bestrebungen nachhaltigst ge- fördert hat, gewidmet. J. A. Knapp.
Berichte der Commission für Erforschung des östliehen Mittelmeeres. XVII. Zoologische Ergebnisse, VI. Sapphirinen des Mittelmeeres und der Adria, gesammelt während der fünf Expeditionen S. M. Schiff „Pola“ 1890— 18. Bearbeitet von Ad. Steuer. (Denkschr. der kais. Akad. der Wissensch. in Wien, Bd. LXII, S. 149— 176, mit vier Tafeln.) Wien, 1895.
Das Sapphirinenmaterial, welches während der vier Tiefsee- und der letzten Adria-Expedition gesammelt und vornehmlich auf Grund der monumentalen Copepodenmonographie W. Giesbrecht’s bearbeitet wurde, enthält 11 Species, die hier in der vom Verfasser beliebten Reihenfolge — nach der Häufigkeit nämlich — aufgezählt sind: Sapphirina nigromaculata Claus, auronitens Claus, maculosa Giesbr., angusta Dana, gemma Dana, ovato-lanceolata Dana, bieuspr- data Giesbr., metallina Dana, opalina Dana, scarlata Giesbr. und lactens Giesbr.
Ausser Bemerkungen über untergeordnete Charaktere und Varietäten: ein- zelner Species wurde hier das g’ von Sapphirina lactens Giesbr. und das © von Sapphirina maculosa Giesbr. zum ersten Male beschrieben; jenes gleicht fast voll- ständig seinem 9, dieses unterscheidet sich vom g' wie folgt: Bs: Ri = 5:35, Ri des zweiten Fusspaares sind anders geformt und das dritte Glied des vierten Fusses ist deutlich abgesetzt. Von Sapphirina nigromaculata Claus finden wir eine eingehende Beschreibung der drei letzten Copepodiden (der Verfasser bevor-
35 Referate.
zugt den älteren Namen Cyelopid-Stadien). Das Wachsthum der Pleonalsegmente erfolgt bei diesen Copepodiden nach der Claus’schen Segmentirungsregel. Die caudalwärts fortschreitende Verkümmerung der Extremitäten wird auf die Tendenz einer Reduction der Segmentzahl zurückgeführt, wie dies auch Grobben für die muthmasslichen Stammformen der Copepoden, die Apusiden, hervorgehoben. Die allgemeinen Auslassungen des Verfassers über die Systematik der Gruppe können hier füglich übergangen werden.
Anatomische Organisationsverhältnisse haben in dem Capitel über die Zeugungsorgane Berücksichtigung gefunden. Diese Theile hat der Verfasser mit sichtlicher Assiduität auf Schnittserien untersucht und die spärlichen vorliegenden Angaben über den Bau und die Entwicklung der Genitalien — Giesbrecht hat bis jetzt nur den taxionomischen Band geliefert — theils richtiggestellt, theils ergänzt. E
Das meiste Interesse dürfte der faunistische Abschnitt des Berichtes bean- spruchen (S. 156—159). Eine Zusammenstellung der Daten über einzelne Fänge ergab nur negative Resultate. Von etwaigen verticalen Wanderungen dieser Cope- poden in der täglichen oder jährlichen Solarperiode lässt sich nichts wahrnehmen. Referent hatte, als Mitarbeiter der akademischen Commission, Gelegenheit, auch für andere Planktonkrebse das Nämliche festzustellen. In der Region von 0 bis 1000 m!) hat man die Sapphirinen in jeder Tiefe, zu jeder Zeit und ohne Rück- sicht auf die Entfernung der Küsten in verschiedener Verdichtung angetroffen ; dabei ist zu betonen, dass das Material zum grössten Theile im Hochsommer gesammelt wurde. Gleichzeitig vorgenommene Fischzüge mit dem Tanner- und dem Öberflächennetz ergaben stets nur in einem Netze Sapphirinen, woraus der Verfasser den Schluss zieht, dass sich ihre jeweiligen Ansammlungen nie weit in die Tiefe ausdehnen; diese Ansammlungen scheinen ihrerseits durch die Züge der Wohnthiere, d. i. der Salpen, geleitet zu werden. Bemerkenswerth ist das Vor- kommen der Sapphirina scarlata Giesbr. im ägäischen Meere, da diese Art bis jetzt nur im Paeific entdeckt wurde; alle übrigen Arten gehören der Neapler Fauna an. Etwas befremdend wirkt daher die einleitende Aeusserung des Ver- fassers, es sei zweckmässig, beim Studium der Verbreitung pelagischer Thiere die Meere im Sinne der Landthiergeographie in verschiedene Zonen einzutheilen, zumal der Zusammenhang mit nachfolgenden Angaben, die des illativen Charakters entbehren, wenig einleuchtet.
Der für den Verfasser unverständliche Umstand, dass seine Thiere aus- schliesslich den tropischen und subtropischen Meeresring bewohnen und dennoch zur Winterszeit, z. B. im Golfe von Triest die oberen Wasserschichten nicht ver- lassen, könnte in der partiellen Eurythermie dieser Copepoden eine Erklärung finden. Tad. Garbowski.
!) Dass Sapphirinen im pelagisch-abyssalen Plankton vorkommen, wurde bereits von auswärtigen maritimen Expeditionen constatirt. Das Abyssal entwickelt sich in der mittleren Partie des Mittel- meeres, im südlichen Streifen der Adria und bei den Cykladen. Nichtsdestoweniger kann man nicht in dieser Gegend von einer typischen Abyssalfauna (v. Marenzeller) reden, wie sie sich im atlan- tischen Ocean entwickelt. (Anmerkung?des Referenten.)
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Referate. 39
Ortmann Arnold E. (Princeton, N. J., U.S.N.). Grundzüge der marinen Thiergeographie. Anleitung zur Untersuchung der geographischen Ver- breitung mariner Thiere, mit besonderer Berücksichtigung der Dekapoden- krebse. Mit einer Tafel. Jena, Gust. Fischer, 1896.
Der durch zahlreiche Specialarbeiten rühmlichst bekannte Verfasser bietet in der genannten Broschüre ein Opus von eminenter Wichtigkeit für jeden Zoologen, auch wenn dieser seine Untersuchungen auf die innere Morphologie der Seethiere zu beschränken pflegt. Jedes von den coneis abgefassten Capiteln enthält eine Fülle von Gedanken, deren Anführung und eventuelle Anfechtung in einem kurzen Referate nicht wohl thunlich wäre. Es mögen blos die wesentlichsten Ergebnisse angedeutet werden.
Es sind nur zwei eireumpolare (arktische + boreale) und eine eircum- tropische Region zu unterscheiden. Ein verfehltes und vergebliches Bemühen wäre es, nach etwaigen Charakterformen Localregionen aufstellen zu wollen. Lebensbezirke sind als Bezirke gleicher primitiver Existenzbedingungen auf- zufassen,; das Medium, das Licht und das Substrat treten hiebei als hauptsäch- lichste Faetoren auf. Während der erste Factor, mit der einzigen Ausnahme der Brackgewässer, eine unveränderliche Grösse darstellt, wird die Seefauna durch die beiden anderen in drei Grundstöcke differenzirt: das Litoral, in einer Ausdehnung von 100 Faden,!) das Pelagial, bis zur Tiefe von 400 m, und das licht- und pflanzenlose Abyssal; das letztere ist von der Nähe und der Qualität des Meeres- bodens vollkommen unabhängig. Die sogenannten Facies sind hingegen in erster Linie nach der Beschaffenheit des Grundes zu bestimmen, in zweiter nach Mass- gabe der Vegetation (Mare Sargassum!). Es gibt selbstverständlich Thiere, die ein intermediäres Leben führen und z. B. als nekto-planktonische zu bezeichnen sein werden, oder je nach dem Altersstadium und der Jahreszeit dem Haeckel- schen Benthos oder dem Plankton beizuzählen sind.
Bionomische Ausführungen nöthigten den Verfasser, zu mehreren Fragen der Umwandlungstheorie Stellung zu nehmen. Der Verfasser ist ein Eklektiker, Anhänger Herb. Spencer’s, M. Wagner’s und G. Pfeffer’s. Weismann’s Amphimixis kann nichts erklären, weil sie ja mit verschiedenem Ahnenplasma arbeitet, uns aber nicht sagt, worin jene Verschiedenheiten ihre Quelle haben. Die Amphimixis wirkt auf das Durchschnittsmass der specifischen Merkmale eher conservirend. Die Vermischung schlechter Eigenschaften ist wichtiger, als das Ueberhandnehmen des Passendsten. Ein Satz auf S. 32 enthält eine (unvoll- ständige) Definition des Artbegriffes: „Als Arten können wir nur solche Formen ansehen, die sich infolge von Isolirung auch durch morphologische Merkmale scharf und constant von gleichzeitig lebenden verwandten Formen abheben.* (Ein solcher Artbegriff kann jedoch wegen Veränderlichkeit der Thiere nur zeitweilig „constant“ sein.) Neue Arten können nicht durch Mutation, sondern durch räum- liche Trennung entstehen und erheischen ein simultanes Zusammenwirken von vier Factoren. Diese sind: das Anpassungsvermögen, das Vererbungsvermögen
!) Ein Faden = eirca 1'85 m.
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des Angepassten, das zur Bildung verwandter Formenkreise führt, die Naturzucht, welche eine Mutation derselben bedingt, und viertens eine räumliche Isolirung. Der Bezirk eupelagischer Fauna kann sich bis zur Küste erstrecken. Alle Formen der Hochsee sind wahrscheinlich aus nektonischen Formen hervorgegangen, die vom Substrate abhängig waren. So sind z. B. Sergestes und Leucifer typisch planktonische Thiere geworden.
Aus Ortmann’s trefflichen, an anderen Stellen erschienenen Specialstudien ist zu ersehen, dass „ohne ausgedehnte und kritische, systematische Vorarbeiten ein fruchtbares geographisches Studium nicht denkbar ist“ (Vorwort, 8. IV). Je sparsamer dabei ein Verfasser mit Verallgemeinerungen und induetiven Theo- remen umgeht, umso weniger hat er zu befürchten, seine Behauptungen durch weitere Untersuchungen dereinst entkräftet zu sehen. Tad. Garbowski.
Standfuss, Dr. M. Handbuch der paläarktischen Gross-Schmetter- linge für Forscher und Sammler. Zweite, gänzlich umgearbeitete und durch Studien zur Descendenztheorie erweiterte Auflage. (392 S., 8 Farben- drucktafeln und 8 Textfiguren.) Jena, G. Fischer, 1896. (14 Mk.)
Der vorliegende umfangreiche Octavband, welcher dem bekannten Anatomen Prof. Dr. Arnold Lang in Zürich gewidmet erscheint, bietet in seinem Inhalte eine Vereinigung von einerseits durchaus empirischen, nur für den praktischen Sammler berechneten Rathschlägen, andererseits eine Fülle höchst werthvoller, durch das Resultat langjähriger Experimente gestützter biologischer Betrachtungen. Es ist selbstverständlich, dass bei der bekannten vieljährigen Thätigkeit des Ver- fassers auf dem Gebiete der praktischen Lepidopterologie die diesbezüglichen Mit- theilungen seiner reichen Erfahrungen allen Sammlern höchst willkommen sein müssen, was auch der Erfolg der ersten Auflage dieses „Handbuches“ bereits be- wiesen hat. Ob es nothwendig erschien, hiemit auch die für einen anderen Leser- kreis berechneten descendenz-theoretischen Studien von allgemein wissenschaft- licher Bedeutung zu einer Publication zu verbinden, bleibt fraglich. Verfasser sucht es in der Vorrede aus praktischen Gründen zu rechtfertigen. Im Nach- folgenden seien nur einige der interessantesten Betrachtungen aus dem biologi- schen Inhalte des Buches in Kürze hervorgehoben.
Im Capitel „Paarung“ (8. 41—117) wird namentlich die Hybridation aus- führlich behandelt. Nach einer Uebersicht über die bisher bekannt gewordenen Fälle von Hybridationen, wobei (wie auch sonst überall im Buche) in sehr aner- kennenswerther Weise Literatureitate gegeben werden, sind bisher in 24 Combi- nationen Hybridfalter paläarktischer Macrolepidopteren gezüchtet worden, wovon nicht weniger als sieben Fälle auf das Genus Saturnia kommen. Letztere werden auch in ausführlicher Weise (S. 66—100) besprochen und namentlich auch descriptive Mittheilungen über die Entwieklungsstadien dieser Hybridformen im Vergleiche mit jenen der betreffenden Stammarten gemacht. Diese grösstentheils vom Verfasser selbst benannten Hybridformen sammt dazu gehörigen Raupen werden auf den drei ersten der vorzüglich ausgeführten Farbendrucktafeln zur Abbildung gebracht. Im Anschlusse daran führt eine phylogenetische Betrachtung
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den Verfasser (in Uebereinstimmung mit Weismann [1876]) zu der gut begrün- deten Annahme, dass Saturnia Spini die phylogenetisch älteste, Saturnia Pa- vonia eine jüngere und Saturmia Pyri die jüngste Form sei.
Hohes Interesse beanspruchen die allgemeinen Schlüsse über Hybridation, zu welchen Verfasser gelangt (S. 107—115); darnach prävalirt einerseits der mütterliche Organismus in der hybriden Nachkommenschaft namentlich in den ersten Entwicklungsstadien, andererseits aber derjenige Elterntheil, welcher der phylogenetisch älteren Art angehört. Da sich bisher kein einziges weibliches Indi- viduum einer unzweifelhaften Bastardform als fortpflanzungsfähig erwiesen hat, schliesst Verfasser mit gutem Grunde die Hybridation als unmittelbar artbildenden Factor vollständig aus und gelangt (S. 115) zur bekannten Feststellung des Art- begriffes von rein physiologischem Standpunkte, der in etwas erweiterter Form auf S. 353 wiederholt wird.
Im Abschnitte „Zucht der Raupen“ spricht Verfasser (S. 148) die Resultate seiner vielfachen Experimente mit Erhöhung der Temperatur während des Raupen- lebens dahin aus, dass je wesentlicher die Frasszeit der Raupe durch die Erhöhung der Temperatur gekürzt werde, desto bedeutender die Grössenreduction des Falters sei, und andererseits ein trotz der Temperaturerhöhung nicht verkürztes Raupen- leben zur Vergrösserung des Falters führe. In diesem Abschnitte werden auch (S. 153—166) die Krankheiten der Raupe in übersichtlicher Weise behandelt.
Das Zahlenverhältniss der beiden Geschlechter einer Art stellt sich nach mehrfachen Zuchtresultaten und verschiedenen Berechnungsweisen so dar, dass auf 100 weibliche Falter 106 männliche kommen. Diese Relation beider Ge- schlechter trifft nach den beigebrachten Belegen auch anderwärts in der organischen Welt wie in der menschlichen Statistik zu. Die durch andere Autoren wiederholt ausgesprochene Behauptung, dass durch Futtermangel im Raupenleben vorwiegend männliche Falter erzogen werden können, wird dahin berichtigt, dass eine Beein- flussung des (bereits in den ersten Entwicklungsstadien entschiedenen) Geschlechtes nicht erfolgen könne, dass aber bei Futtermangel die überlebenden Individuen darum vorwiegend männlich ausfielen, weil in diesem Geschlechte eine Grössen- reduction ohne wesentliche Beeinträchtigung der Geschlechtsproducte leichter möglich und daher die männlichen Raupen gegen Nahrungsmangel widerstands- fähiger seien.
Im Capitel „Ueber die von den normalen abweichenden Falterformen“ werden die als „Albinismus“ und „Melanismus“ bekannten Erscheinungen auf jene Fälle beschränkt, wo die Pigmentsubstanz in den Schuppen die normale Färbung nicht erreicht oder sich darüber hinaus verdüstert, ohne dass hierbei die Zeichnungsanlage der Art verändert würde.
Wie wenig die bestehende Nomenclatur (welche nur einen historischen Erklärungsgrund für sich hat) der natürlichen Verwandtschaft der Formen ent- spricht, wird (S. 217) mit Recht hervorgehoben und an einigen Beispielen erläutert. So stellt die Varietät Hethlandicus Knaggs von Hepialus Humuli L. zweifellos die ältere, sexuell monomorph gebliebene Form dar und wäre folgerichtig als Stammart zu bezeichnen. Aehnliche nomenclatorische Unrichtigkeiten finden sich
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 6
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auch bei saison-dimorphen Arten, wo bald die erste, bald die zweite Generation als Grundform bezeichnet wird.
Bei der eingehenden Behandlung des Saison-Dimorphismus (für welche vox hybrida in neuerer Zeit das Wort Hora-Dimorphismus Anwendung gefunden hat) konnte die (im vorigen Hefte dieser Schriften besprochene) neueste Publieation Weismann’s nicht benützt werden, woraus sich erklärt, dass unter den 23 auf- gezählten Fällen paläarktischer Arten sich auch solche finden, bei welchen die Ueberwinterung nicht im Puppenstadium erfolgt, die also im Sinne Weismann s (1875 und 1895) nur klimatisch polymorph, nicht aber saison-dimorph sind (8. 228 bis 236). Es folgt hierauf die ausführliche Mittheilung zahlreicher vom Verfasser ausgeführter Temperaturversuche, namentlich mit Vanessa-Arten, die schliesslich zu einer genealogischen Betrachtung dieser Faltergruppe verwerthet werden (S. 296— 302). Von hohem Werthe sind die Ergebnisse dieser Experimente auch durch den Nachweis, dass bei Formen von nördlicherer Provenienz durch Erniedri- gung der Temperatur eine Convergenz zu älteren Typen, rücksichtlich durch Erhöhung der Temperatur eine Divergenz zu denselben gesteigert werden kann, wogegen sich Arten, welche aus dem Süden eingewandert sind, in beiden Fällen umgekehrt verhalten (S. 285). Es handelt sich also überall durch entgegengesetzte Einwirkung der Temperatur um Hervorbringung entweder regressiver (atavisti- scher) oder progressiver, in der Entwicklungsrichtung der Art gelegener, jedoch normal nicht erreichbarer Formen. So wurde der (bereits von Fischer publi- eirte) Nachweis der unmittelbaren Verwandtschaft von Vanessa Jo und Vanessa Urticae experimentell erbracht, wofür auch eine Zahl Abbildungen auf Tafel VI vorliegen. Ueber den Werth derartiger äusserlicher Veränderungen der Falter äussert sich Verfasser trefflich, indem er (8. 288) sagt: „Wenn diese Verschiebungen im Farbenkleide der Flügel auch keinen massgebenden Einfluss auf die Fort- pflanzung ausüben können, so sind sie doch als ein Anzeichen dahin anzusehen, dass auch Veränderungen in physiologisch wichtigeren Beziehungen vorgegangen sind, die allerdings nicht immer gleichen Schritt mit der äusserlich sichtbaren Divergenz halten müssen.“ Entscheidend für die Beständigkeit einer Form ist eben nur die innere (physiologische) Disposition, die eine Rückkreuzung unmöglich macht, eine Thatsache, die mit Recht gegen die ausschliessliche Verwerthung des Falterkleides durch Eimer bei systematischen Darstellungen hervorgehoben wird.
Die allgemein anerkannte biologische Thatsache, dass die Widerstands- fähigkeit einer Form in direetem Verhältniss zu ihrem phyletischen Alter steht (S. 290), findet hier ihre neuerliche Bestätigung.
Aus dem Abschnitte über Aberrationen (S. 305—321) sei nur hervorgehoben, dass es sich vielfach hier um antagonistische Eigenschaften der Art handelt, d. h. um solche Eigenschaften, die sich in einem und demselben Individuum aus- schliessen. Für viele Aberrationen ist eine sprungweise Entstehung anzunehmen; bei der Kreuzung der Grundart mit solchen aberrirten Stücken zeigt die Nach- kommenschaft keine Mittelform, sondern nur Individuen der Grundart und der Aberration, was an einigen Zuchtresultaten nachgewiesen wird.
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Schliesslich sei noch darauf hingewiesen, dass in einem eigenen Capitel (S. 322—353) Andeutungen zur Frage der Artbildung gemacht werden.
Diese kurzen Mittheilungen aus dem reichen Inhalte des Buches mögen genügen, um nicht nur jedem Lepidopterologen, sondern auch jedem Biologen in weiterem Sinne des Wortes geradezu die Unentbehrlichkeit dieses Handbuches darzuthun. Ohne Vorurtheil kann behauptet werden, dass ein ähnliches Compen- dium mit so vielem Thatsachenmaterial von allgemein biologischer Bedeutung vereint, in der neueren entomologischen Literatur nicht seines Gleichen hat. Das Buch erscheint geradezu berufen, die Basis für zielbewusste weitere Bestrebungen auf dem Gebiete der Experimental-Biologie abzugeben, und wäre ihm schon allein von diesem Standpunkte aus die weiteste Verbreitung zu wünschen.
Nicht zuletzt sei die treffliche Ausstattung, welche die bekannte Verlags- handlung G. Fischer der Publication angedeihen liess, mit Lob hervorgehoben.
Dr. H. Rebel.
Publieationen über Lepidopteren. (Referent Dr. H. Rebel.)
Transaetions of the Entomologieal Society. London, 1894, Part III—V. Meyrick, Edw. On Pyralidina from the Malay Archipelago (p. 455—480). In der verhältnissmässig kleinen Arbeit werden nicht weniger als 17 neue
Gattungen und eine denselben entsprechende Zahl neuer Arten aufgestellt.
Walsingham, Lord. Catalogue of the Pterophoridae, Tortrieidae and Tineidae of the Madeira Island, with notes and deseriptions of new species (p- 535—555).
Eine Revision der Typen Wollaston’s von maderischen Microlepidopteren gibt dem ersten Microlepidopterologen Englands Veranlassung, eine erschöpfende Uebersicht über die bisher von Madeira bekannt gewordenen Pterophoriden, Tortrieiden und Tineiden (zusammen 66 Arten) zu geben. Interessenten der so lehrreichen atlantischen Fauna müssen auf das Original verwiesen werden. Es seien hier nur die neuen Formen erwähnt: Hyponomeuta Bakeri (p. 542 bei Egregiellus Dup.), Anacampsis Wollastoni (p. 545), Blastobasis Lavernella (p. 547), Bl. Desertarum Woll. var. nov. Radiata (p. 550), Bl. Lignea (p. 550) und var. Adustella (p. 551), Epistetus n. gen. (bei Blastobasis) mit Pica n. sp. als Art (p. 552—553), Laverna Rebeli (p. 554).
Bethune-Baker, George T. Descriptions of the Pyralidae, Crambidae and Phycidae collected by the late T. Vernon Wollaston in Madeira (p. 581—586).
Gleichsam als Ergänzung zu der eben erwähnten ausgezeichneten Arbeit Lord Walsingham'’s soll das vorliegende, leider sehr oberflächlich und ohne . Berücksichtigung der einschlägigen Literatur angefertigte Verzeichniss von 24 Arten dienen, wovon Scoparia Wollastoni (p. 583), Botys Maderensis (p. 584) und Botys Atlantieum (p. 584) als neu beschrieben werden.
44 Referate.
Aus den Sitzungsberichten sei nur eine interessante Mittheilung Tutt’s über Zygaena Exulans und deren Localformen (p. XXVI—-XXVI), sowie die hervorragende Rede („Address“) des Präsidenten Elwes in der Jahressitzung vom 16. Jänner 1895 (p. L-LXXXIV) erwähnt, welche die geographische Ver- breitung der Tagfalter zum Gegenstande hat.
Tijdschrift voor Entomologie (Nederl. Ent. Vereenig.). XXXVII. 1893—1894.
Snellen, P. C. T. Aanteckeningen over Nederl. Lepidoptera. II. Miero- lepidoptera (p. 1—32, Pl. 1).
Dieser vierte Nachtrag zu dem bekannten Faunenwerke desselben Autors zählt als neue Arten für die niederländische Fauna Blabophanes Lombardica Hering (p. 14, Pl. 1, Fig. 4—6, im Vergleiche zu Ferruginella Hb., Fig. 1—3), Blabophanes Truneicolella Tngstr., Argyresthia Laevigatella H.-S., Gelechia Semi- decandrella Stt. und Sitotroga Cerealella Oliv. auf. Bei vielen anderen Arten werden mit der mustergiltigen Gründlichkeit dieses ausgezeichneten Fachmannes nebst vielen Fundortsangaben auch andere werthvolle Anmerkungen nachgetragen.
Derselbe. Lepidopt. Aanteckeningen (p. 67—72). 1. Hestina Mimetica Butl., Pl.3, Fig. 1. 2. Nepheronia Octavia n. sp., p. 68, Pl. 3, Fig. 2. Tanah- Djampea, mit werthvollen Bemerkungen über andere Pieriden. 3. Papilio Aga- memnon L., Aberration mit gelben Flecken, Pl. 3, Fig. 3.
Derselbe. Description de deux &speces inedites du genre Gossensia Rag. 1. @. Cinnamomealis, p. 74, Pl. 3, Fig. 5, 6. Salawatti. 2. @. Lutealis, p. 75, Pl. 3, Fig. 7, 8. Iles Obi.
Derselbe. Bockaankondiging (p. 76—77) über Hampson’s II. Band der indischen Heteroceren.
Derselbe. Aanteckening over Heleyra Hemina Hew. (p. 78—79). Ueber die generische Stellung dieser interessanten Nymphalide.
Derselbe. Glyphodes Jaculalis, nieuwe Soort der Pyraliden (von den Philippinen) (p. 177—179).
Brants, Mr. A. Een Paar Halsorganen bij de Rups van Notodonta Zie- zac L. (p. 196—224, Pl. 5).
Eine sehr interessante Arbeit morphologischer Natur über ein bisher unbe- kannt gebliebenes, an der Ventralseite des Halses der genannten Raupe ausstülp- bares Organ, welches in Form und Function der bekannten Nackengabel der Papilionidenraupen gleicht. Da dieses Schutzorgan nur selten zur Ausstülpung gelangt, ist es bisher der Beobachtung entgangen. Die ähnliche morphologische Verhältnisse behandelnde Literatur wird eitirt und besprochen.
Beiträge zu einem Verzeichnisse der Inseetenfauna Graubündens von Dr. E. Killias, fortgeführt von J. L. Caflisch. Lepidoptera. II. Nachtrag. (72 8. und zwei Karten. Beilage zum Jahresbericht 1894/95 der Naturf. Gesellsch. Graubündens. 38. Bd. Chur, 1895.)
Seit dem vor neun Jahren, noch von dem inzwischen verstorbenen
Dr. Killias publieirten I. Nachtrag zum Verzeichnisse der Bündner Lepidopteren
sind 50 Arten Maerolepidopteren und 20 Microlepidopteren im Canton Graubünden
Referate. 45
neu aufgefunden worden, so dass sich die Gesammtzahl aller Arten auf 929 Macero- _ und 667 Micerolepidopteren stellt. Zu den interessantesten Vorkommnissen zählt die bisher in der Schweiz noch nicht beobachtete Psyche Standfussi H.-S. (Davos-Dörfli, am Licht Ende Juli 1887, Hauri), Lophoptery& Carmelita Esp. (Davos-Dörflii, am elektrischen Licht Anfang Juni 1895, Boner), Caradrina Noctivaga Bell. (bei Ilanz, bereits von Rätzer aus dem Visperthal bekannt ge- macht), Hiptelia Loretzi Stgr. (wo ein näherer Fundort verschwiegen wird), Dasy- polia Ferdinandi Rühl (Stilfser Joch, schwerlich eigene Art), Plusia Aemula Hb. (Bergün [Rothschild] und Weissenstein [Caflisch]), Plusia V. argenteum Esp. (alljährlich im Curhause Tarasp, in dessen Umgebung die Futterpflanze Tha- lietrum foetidum wächst), Eugonia Fuscantaria Hw. (Ilanz), Hemerophila Abruptaria Thnbrg. (Misox, bereits von Rätzer erwähnt), Odezia Tibiale Esp. (bei St. Martin), Eupithecia Insigniata Hb. (Ilanz 1894, Caflisch), Scoparia Gracilalis Stt. (synonym mit Alpina Stt.), Conchylis Elongana F. (Weissenstein, Caflisch; wahrscheinlich eine unrichtige Bestimmung, da die Art bisher noch nicht im Alpengebiet beobachtet wurde), Butalis Acanthella God. (Bergell).
Für eine grosse Zahl anderer Arten werden weitere Fundorte im Gebiete bekannt gemacht. Neu beschrieben wird eine Erebia Ceto Hb. var. Caradjae Cafl. (S. 15) „bei Ponte im Oberengadin noch im Juli“. Sie ist bedeutend kleiner (35 mm) als die Unterengadiner Ceto, die orangegelben Keilflecken reducirt und verdunkelt, und kommt hierdurch jedenfalls der von Rätzer (Mitth., VIII, S. 222) bekannt gemachten Ceto var. Obscura aus dem Wallis nahe.
Die beiden Karten veranschaulichen das Verbreitungsgebiet einiger Arten.
Stettiner Entomologische Zeitung. 55. Jahrg., 1894. Nr. 4—12.
Fruhstorfer, H. Neue und wenig bekannte Java-Rhopaloceren (S. 116 bis 125, Taf. II—V, Fig. 1).
Dieser von schönen colorirten Abbildungen begleitete faunistische Beitrag behandelt acht Formen, wovon Zeuzxidia Dohrni, Herona Pringondani, Delias Bromo und Elymnias Maheswara als neue Arten beschrieben werden.
Derselbe. Ein neuer Tagfalter aus Nias (Herona Djarang, S. 126, Taf. V, Fig. 9, Jg).
Derselbe. Einige Worte über Morphotenaris Schoenbergi (S. 127—128). — Eine Verwahrung gegen die von Dr. Staudinger („Iris“, VI, S. 363 ff.) ver- suchte Einziehung dieser von Fruhstorfer aufgestellten Gattung.
Drei Geometridenzwitter.
1. Acidalia Virgularia Hb., und aberr. Bischoffaria Lah. von Otto Habich (S. 131, Taf. V, Fig. 1). Habich erhielt durch Zucht aus dem Ei von einem stark verdunkelten @ zwei getheilte Zwitter, bei welchen die linke männliche Seite ebenso verdunkelt war wie die Stammmutter, während die rechte weibliche Seite normale Färbung zeigt. Die übrigen Stücke dieser Zucht gehörten theils der Varietät, theils der Stammart an.
2. Bupalus PiniariusL. von Al. Rogenhofer (8.131, Taf.V, Fig. 2).
_ Getheilter Zwitter, links g’, rechts @. Die Zahl beschriebener Zwitter bei dieser
46 Referate.
Art beträgt nicht blos zwei, wie nach Bertkau behauptet wird, da bereits Hagen (1861) einen solchen erwähnt, und Bertkau nur eine Fortsetzung des Hagen- schen Verzeichnisses gibt.
3, Cleogene Peletieraria Dup. von Thd. Seebold (8.132, Taf.V, Fig.3). Vorwiegend männlich, die linke Flügelseite theilweise verkrüppelt und von der hellen Färbung des 9; dagegen ist der linke Fühler männlich, der rechte weiblich.
Hugo Christoph, ein Nachruf von Major Ed. Hering (8. 133—139) — Die bewährte Feder Hering’s gibt eine übersichtliche Lebensskizze des am 5. November 1894 in Petersburg verstorbenen bekannten Lepidopterologen.
Prout, Louis B. Synonymische Bemerkungen über Cidaria Ferrugata Spadicearia und Unidentaria (S. 160—161).
Ein magerer Auszug einer von demselben Verfasser in der Londoner Entom. and Natur. Hist. Society 1894 erschienenen Publication, wonach Spadicearia Bkh. (= Ferrugata Cl.) auf Grund des männlichen Genitalapparates in Ueberein- stimmung mit Aurieillius (1891) als gute Art von Corculata Hufn. (= Ferru- gata L.) getrennt wird, zu welch’ letzterer Unidentaria Hw. als Aberration mit schwarzem Mittelfeld der Vorderflügel gehört.
Hedemann, W.v. Beitrag zur Kenntniss der Mierolepidopteren-Fauna von Dänisch-Westindien (S. 230—302).
Die bereits mehrfach (conf. Referate dieser Zeitschrift, S. 114) erwähnte Sammelreise des bekannten Lepidopterologen gibt zu diesem schönen faunistischen Beitrag Veranlassung, welcher nur die Pyralidinen und Crambiden mit zusammen 70 Arten umfasst, dadurch aber sehr an Werth gewinnt, dass alle von den dänisch- westindischen Inseln bekannt gewordenen Arten darin aufgenommen sind und mit reicher Literaturkenntniss vielfach die Synonymie, namentlich auch durch Ver- gleich Fabriei’scher Typen, berichtigt wird. Es werden zwei neue Genera, u. Zw. Rapoona (bei Ceratoclasis Led.) mit der Art Tristis (S. 292—293) und Heringia (bei Piletocera Led.) mit der Art Mendica (8. 293—294) aufgestellt, ausserdem mehrere neue Arten beschrieben.
Rothke, Max. Einige Schmetterlings-Aberrationen aus der Fauna Cre- felds (S. 303—305). Neu benannt wird eine Papilio Machaon-Aberratio: Nigro- faseiata mit obliterirten gelben Saummonden auf der Oberseite der Hinterflügel.
Hering, Ed. „Carl Reutti“, ein Nachruf nach dem am 12. Jänner 1894 verschiedenen bekannten Verfasser der Lepidopterenfauna des Grossherzogthums Baden.
Weymer, Gust. Beitrag zur Lepidopterenfauna von Rio Grande do Sul (Exotische Lepidopteren, VII) (S. 311—333). Es werden 140 Rhopaloceren -Arten und 38 Heteroceren angeführt, darunter mehrere neue Arten und ein neues Lithosidengenus: Antiloba (S. 328) mit Carnea n. sp. als Art.
Seitz, Dr. A. Schmetterlinge aus Süd-Shan-tung (S. 333— 345).
Es werden nur 19 Arten angeführt, aber interessante Angaben fannistisch- biologischer Natur eingeflochten. Die eingangs gemachte Bemerkung über die Willkür in der Abgrenzung des paläarktischen Faunengebietes wäre für viele Sammler beherzigenswerth.
’
Referate. 47
Hinneberg, Dr. C. Grapholitha Tetragrammana Stgr. und Plutella Incarnatella Steudel (S. 345—5358, mit einer Nachschrift von Hering).
Von beiden bisher sehr wenig beobachteten Microlepidopteren-Arten werden die bei Potsdam, resp. Berlin entdeckten ersten Stände bekannt gemacht, wonach die Tortrieide auf Humulus lupulus, die Plutellide auf Sisymbrium Alliaria lebt. Aus- führliche Ergänzungen auch in deseriptiver Hinsicht werden für beide Arten gegeben.
Weymer, Gust. Besprechung von „A handbook to the order Lepidoptera by W. F. Kirby“ (Allen’s Naturalist's Library) (8. 398—402).
Drude 0. Deutschlands Pflanzengeographie. Ein geographisches Cha- rakterbild der Flora von Deutschland und den angrenzenden Alpen-, sowie Karpathenländern. Erster Theil. Stuttgart (J. Engelhorn), 1896. (16 Mark.)
Es ist mit Freude zu begrüssen, dass der Verfasser des vor einigen Jahren erschienenen „Handbuches der Pflanzengeographie“* nun daran gegangen ist, die in diesem Werke besprochenen allgemeinen Prineipien in einem speciellen Floren- gebiete durchzuführen. Dieses specielle Gebiet ist nicht Deutschland im politischen
Sinne, sondern das deutsche Sprachgebiet, welches also auch einen grossen
Theil der Schweiz und Oesterreichs umfasst. Aus Gründen der Zweckmässigkeit
wurden auch noch Holland und Belgien (z. Th.), das Gebiet des Jura und theilweise
auch jenes der Karpathenländer mit berücksichtigt. Das Buch ist daher auch für die floristisch thätigen Botaniker Oesterreich-Ungarns von grosser Wichtigkeit.
Wenn in den folgenden Zeilen eine kurze Inhaltsübersicht gegeben wird, so bezweckt diese nur, demjenigen, der nicht Gelegenheit hat, in das Werk selbst
Einsicht zu nehmen, anzudeuten, was er in demselben finden kann.
Der Gesammttitel des vorläufig allein vorliegenden ersten Theiles lautet:
„Die Vertheilung der Pflanzenformen im Gebiet nach Klima und Standort.“
Unter den fünf Abschnitten dieses ersten Theiles gibt der erste einen allgemeinen
„Ueberblick über das Gebiet und seine Pflanzenwelt“, während der zweite „die
biologischen Vegetationsformen des Gebietes“ behandelt. Der dritte (umfang-
reichste) Abschnitt ist der speciellen Besprechung der einzelnen im Gebiete ein- heimischen Pflanzenfamilien mit Rücksicht auf deren Verbreitungs- und Standorts- verhältnisse gewidmet, während der vierte — der dem Referenten der werthvollste zu sein scheint — „die mitteleuropäischen Vegetationsformationen* in ausführ- licher Weise darlegt. Der letzte Abschnitt beschäftigt sich mit der „periodischen Entwicklung des Pflanzenlebens im Anschluss an das mitteleuropäische Klima.“ Während in Bezug auf den Inhalt der Abschnitte 1—3 und 5 auf das
Werk selbst verwiesen werden kann, glaubt Referent keinen Fehlgriff zu thun,
wenn er die vom Verfasser im vierten Abschnitte gegebene Gliederung der mittel-
europäischen Vegetationsformationen in ihren Hauptzügen hier wiedergibt.
1. Die deutschen Waldformationen, 14 an der Zahl, sind folgende:
- Kiefernheidewald (Pinus silvestris), Schwarzföhrenwald (Pinus nigra), Auenwald
(Laubwald ohne Rothbuchen!), Bruchwald (Erlen und Weiden), gemischte Laub-
holz-Formation der niederen Regionen, Buchenhochwald, lichte Hain- und Vor-
holz-Formation der niederen Regionen, baltisch-hereynische Mengwald-Formation,
48 Referate,
Tannenwald der Bergregion, Voralpenwald, obere hercynische Fichtenwald-Forma- tion, subalpiner Hochgebirgswald, montane und subalpine Waldbach-Formation.
2. Die immergrünen und alpinen Gebüsch- und Gesträuch- Formationen. Hieher gehören die Niederungsheiden und die subalpinen Berg- heiden, beide mit Calluna vulgaris und Vaccinium-Arten, die „Schneeheide* mit Erica carnea, die Gebüsche der Alpenrosen, Legföhren und Wachholderarten, der Grünerle und der Alpenweiden.
3. Die deutschen Grasflur-Formationen, und zwar: Triftgrasfluren, Sandgrasfluren, Salz- und Strandwiesen, langhalmige Niederungs- und Thalwiesen, kurzhalmige Bergwiesen, langhalmige Bergtriften und Riedgrasfluren, kurzrasige Alpenmatten, Gras- oder Wiesenmoore.
4. Die Moosmoor-Formationen, mit drei Haupttypen: Calluma-Moos- moore, ur (Pinus uliginosa!) und alpine Moosmoore.
. Die Formationen der Wasserpflanzen: die Schilf- und Röhricht- Forkmiätionien, die schwimmenden und untergetauchten Pflanzen des süssen Wassers und die oceanischen Formationen.
6. Die offenen Formationen des trockenen Sandes und Fels- gesteins von der Küste bis zur unteren Bergregion. Hieher gehören zunächst die psammitischen Formationen, dann die halophile psammitische Formation (Sandstrandflora mit Elymus arenarius, Ammophila arenaria, Agropyrum-Arten, Carex arenaria etec.), endlich die dysgeogenen Felsformationen (Silikatgesteine und Basalte; Kalkgerölle).
7. Die Salzpflanzen-Formationen des festen Landes. Unter den „Wiesen- und Triftformationen der Halophyten“ sind die Salzwiesen von Atropis maritima, die gemischten Graswiesen (Atropis maritima und distans mit Seirpus maritimus, Poa- und Agrostis-Arten) und die Artemisia-Salztriften zu nennen. Für die „sumpfigen Halophyten-Formationen“ oder Salzsümpfe sind besonders Sali- cornia herbacea, Aster Tripolium, Triglochin maritimum und andere Gewächse charakteristisch. „Die Wattenform der Salicornia* ist hievon zu unterscheiden.
8. Fels-, Geröll- und Nivalformationen des Hochgebirges. Hier kann man drei Regionen unterscheiden, welche selbst wieder in Unterregionen zerfallen: die präalpine Fels- und Geröllformation (untere Grenze ca. 1000 m, obere 1800—2000 m), die alpine Fels- und Geröllformation (und zwar infraalpine Formation bis zur Krummholzgrenze; intraalpine bis zur Grenze der Vaceinien, Arctostaphylos-Arten ete.; supraalpine bis zur Grenze der Alpenweiden ete.) und die nivale Fels- und Geröllformation (von ca. 2500—2600 m bis auf die Schnee- gipfel, und zwar infranivale, intranivale und supranivale Formation).
9. Das Schlusscapitel des dritten Abschnittes behandelt „die Bodenbedeckung Deutschlands unter dem Einfluss der Cultur“. Hier kommen neben den Cultur- pflanzen auch die Unkräuter und Ruderalpflanzen zur Sprache.
Möge das interessante und höchst lesenswerthe Werk recht viele Floristen anregen, nicht nur den einzelnen Raritäten und „kritischen Arten“, sondern auch den Pflanzengenossenschaften ihres wWöhngehieles Alter zu schenken! Prof. Dr. ©. Fritsch (Wien).
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Versammlung am 5. Februar 1896.
Vorsitzender: Herr Custos Dr. E. v. Marenzeller.
Neu eingetretene Mitglieder:
Als Mitglied bezeichnet durch
PT. Herr P. T. Herren
Binder Franz S., Magistratsbeamter, Wien,
III, Barichgasse 14 . . . - ....... J.v. Hungerbyehler, Dr. F. Spaeth. Breit Josef, Beamter, Wien, VII., Mariahilfer-
strasse zn $: /ankaslih : Ban. „laden. Ganglbauer, Dr; P.'Spaeth: Chimani, . Otto, Wiens XVIII., Antoni-
gasse en DI. ern Be Dr. E. Chimani, J. Kaufmann. Jawrowski, Dr. Anton Ritter v. ae
Professor, Lemberg . . Dr. ©. Fritsch, A. Handlirsch. Reichert Carl, Optiker, Wan VIIL, Bennse
Basen a en EIN lsı 100Dris Gi Eritsch, 7A4 >Hiandlirsch: Wiesbauer Josef, Postsparcasse - Beamter,
Wien, VIII., Josefstädterstrasse 8 . . . L. Keller, F. Tschörch.
Der Vorsitzende widmete zunächst dem verstorbenen langjährigen Mitgliede Julius Edlen v. Bergenstamm einen warm empfun- denen Nachruf. Die Anwesenden erhoben sich zur Ehrung des Ver- blichenen von den Sitzen.
Herr Secretär Prof. C. Fritsch machte die Mittheilung, dass die beschlossene Statutenänderung nunmehr von der hohen k. k. n.-ö. Statthalterei genehmigt wurde. Die geänderten Statuten wurden den Mitgliedern bereits mit dem ersten Hefte des Jahr- ganges 1896 der „Verhandlungen“ zugesendet.
Z. B. Ges. Bd. XLVI.
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50 Versammlung am 5. Februar 1896.
Herr Prof. Dr. G. v. Beck demonstrirte eine neue Lami- naria aus der Adria, welche von Hofrath Steindachner bei der Insel Pelagosa in grösserer Tiefe in mehreren Exemplaren ge- sammelt wurde.
Da im Mittelmeere bisher nur Laminaria brevipes Ag. und L. Rodrigueziü Burn. gesammelt wurden, aus der Adria aber keine Laminaria bekannt ist, ver- dient der Fund einer der L. saccharina verwandten Art besonderes pflanzen- geographisches Interesse, welches noch dadurch gesteigert wird, dass eine neue, der Laminaria saccharina J. Ag. zunächst verwandte Art vorliegt, welche als Laminaria adriatica G. Beck bezeichnet wird. Die Pflanze zeigt ein kräftiges verästeltes Rhizom, dessen Aeste der Mehrzahl nach als Haftwurzel sich festsetzen, zum Theile aber wie bei keiner anderen Art zu neuen Pflanzen heranwachsen, wobei ausläuferartige Bildungen entstehen. Ein kurzer, 3—4 cm langer, dünner Stiel trägt den länglichen, am Rande faltigen, bis 15 m langen und bis 03 m breiten, lebhaft grünen Blattkörper, der mittelst eines Isthmus von 3°5—5 cm Breite mit dem älteren, ebenso gestalteten und mit zahlreichen Bryozoen be- setzten Blattkörper verbunden ist. Leider waren keine Sporangiensori aufzufinden. In der anatomischen Beschaffenheit ergab sich gegenüber der L. saccharina eine ziemlich scharf abgesetzte Hyphenschichte, und die grössten Zellen der mehr- schichtigen Markschichte lagen zunächst der Hyphenschichte, während sich bei L. saeccharina letztere in der Mitte zwischen Rinde und Hyphenschichte befinden. Auch die alten Laubkörper der Laminaria adriatica hatten niemals die lederige, fast hornartige Consistenz des Blattkörpers, wie sie kräftige Exemplare der L. saccharina aufweisen, während die jungen Blattkörper anatomisch nicht wesent- lich von jenen der L. phyllitis Lam. abwichen.
Herr Custos Dr. L. v. Lorenz demonstrirte Exemplare zweier vor einem Jahre von A. B. Meyer?) neu beschriebener Paradies- vögel, welche erst kürzlich dem Hofmuseum eingesendet worden waren, und knüpfte daran folgende Bemerkungen:
Das vorliegende Exemplar von Pteridophora alberti (Z') weicht theilweise von dem durch Meyer beschriebenen und abgebildeten Vogel ab und stellt offenbar ein etwas jüngeres Altersstadium dar, indem die oberen Schwanzdecken nicht schwarz mit olivenbraunem Rande, sondern haarbraun?) sind, mit einem Anfluge von Oliv gegen den Rand zu. Die Oberseite des Schwanzes ist dunkel matt haarbraun, an den Aussenfahnen etwas oliv; auch den beiden mittleren Schwanzfedern fehlt jeder Glanz. Die oberen Flügeldecken braungrau, die
!) Abhandlungen und Berichte des kgl. zoologischen und anthropologisch-ethnographischen Museums zu Dresden, 1894/95, Nr. 5. 2) Farbenbezeichnung nach Ridgway’s „Nomenclature of colors“.
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Versammlung am 5. Februar 1896. Hl
kleineren davon mit einem Anfluge von Oliv, einige mit feinen dunkleren Quer- bändern. Schwungfedern braunschwarz, gegen die Basis matt zimmtbraun. Unter- seite des Körpers ockergelb, gegen die Mitte etwas mit goldgelb untermengt. Kinn und Kehle wie bei dem typischen Exemplare sammtschwarz mit violettem Glanze und sehwachem grünlichen Schiller nach der Brust zu, dazwischen finden sich aber noch als Reste des Jugendkleides einzelne bräunliche, zum Theile schwarz gebänderte Federchen.
Die eigenthümlich gestalteten verlängerten Zierfedern, von denen je eine über den Augen entspringt, sind ungleich lang, die rechte 320 mm mit 35 ver- breiterten Fahnenstrahlen, die linke 350 mm mit 38 Fahnenstrahlen; der etwas abgeplattete, oben convexe, unten gekehlte Schaft dieser Federn ist oben hell drap, unten umberbraun, wie die lappigen Fahnenstrahlen; diese auf der Ober- seite im Ganzen milchig blauweiss (perlgrau), dunkler bläulich (indigo) gegen die Vorder- und Hinterränder, welche selbst von einer schmalen schwarzen Linie begrenzt sind.
Von Parotia carolae liegen drei Männchen in verschiedenen Kleidern vor, welche ergeben, dass das von Meyer beschriebene und abgebildete Indivi- duum dieser Art noch kein ganz ausgefärbter Vogel sei, während sich wohl ein soleher unter den hier zu besprechenden befindet, der die Charaktere dieses Stadiums zeigt.
Dieser (I) ist oben sammtschwarz mit violettem Schimmer auf den Schultern, dem Unterrücken und den Flügeln, jedoch die Federn des Mantels und Nackens bis auf die Seiten des Halses tragen dunkel kastanienbraune Endsäume, die in gewissem Liehte goldigbraun glänzen. An den von den Nasenlöchern bis über die Mitte der Augen sich hinziehenden seitlichen Federkämmen tragen nur die vorderen nach innen gekrümmten Federn und dann jene, welche das Ende der Kämme über den Augen bilden, weisse Spitzen, bei den mittleren Federn dieser Kämme aber fehlen dieselben, so dass der weisse Saum unterbrochen ist. Die Kopfplatte ist glänzend, dunkel goldig braungelb (ocker), der hinter dieser Platte sich am Hinterhaupte hinziehende glänzende Querkamm ist grün, blau und rothviolett. Die drei hinter jedem Auge entspringenden Feder- schäfte sind sammt den spatelförmigen Fahnen 123—124 mm lang. Die Augen werden von einem dunkel kastanienbraunen Saume kurzer sammtartiger Federn umgeben. Wangen, Kinn und Kehle im Ganzen von schwarzer Grundfarbe; Wangen mit dunkelbraunem, goldig glänzendem Anfluge, namentlich gegen ihre hintere Grenze zu; Federn von Kinn und Kehle auch mit braunen Enden; jene des Kinnes besonders an den Seiten verlängert und hier mehr braun als schwarz. An der Grenze vor dem glänzenden Brustschilde ein kleiner heller Fleck von 10:15 mm, gebildet von an der Basis weissen, gegen das Ende zu braunen Federchen, die allmälig in die metallischen Federn der Vorderbrust übergehen; dieselben sind jedenfalls noch ein kleiner, letzter Rest des Jugendkleides, wie dies zwei zwischen ihnen zum Vorscheine kommende schwarze Federchen andeuten. Federn des Brustschildes rosaviolett und ölgrün schillernd, mit sammt- schwarzem Mittelflecke. Verlängerte Federn an den Seiten der Brust der Reihe
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52 Versammlung am 5. Februar 1896.
nach schwarz, kastanienbraun und weiss; übrige Unterseite schwärz. Untere Flügeldecken schwarz und braun.
Dieser Balg kommt dem Kleide des ausgefärbten Vogels am nächsten, indem nur der kleine weiss und braun gesprenkelte Fleck vor dem Brustschilde noch einen Rest des Jugendgefieders darstellt, der schliesslich auch schwindet, so dass dann beim alten Vogel der Vorderhals bis zur Brust schwarz wird, wie bei den zwei anderen Arten der Gattung.
Der nächste Balg (II) stimmt in der Färbung so gut wie vollkommen mit dem von Meyer abgebildeten Vogel überein. Die Federn des Nackens und Oberrückens besitzen keine braunen Enden, sondern zeigen denselben violetten Schimmer wie die übrigen Partien der Oberseite; die Federkämme an den Seiten des Kopfes haben einen ununterbrochenen weissen Saum; die Scheitel- platte ist etwas matter goldig braungelb glänzend als jene des vorbeschriebenen Exemplares; die Augen umgibt ein hell braungelb schimmernder Ring, der vorne am breitesten ist; Wangen, Kinn und Kehle sind hell, chamois, seiden- artig glänzend mit dunkler Basis der Federn; von der Kehle zieht sich über den Vorderhals zum Brustschild ein heller Streifen, 12 mm breit und 32 mm lang, gebildet von weissen Federchen mit braunen Enden. Die spatelförmigen, hinter den Augen entspringenden Federn ungleich entwickelt, die längste 105 mm, die kürzeste 70 mm lang. Sonst wie I gefärbt.
Der dritte Balg (III) endlich stammt von einem noch jüngeren, doch auch schon im Stadium des Kleiderwechsels befindlichen Vogel. Auf der Ober- seite sind Mantel und kleinere Flügeldecken sammtschwarz mit violetten Reflexen; Unterrücken, Oberseite des Schwanzes, grössere Flügeldecken und Secundarien braungrau (bister), stellenweise mehr oder weniger mit sammtschwarzem Anfluge. Handschwingen schwarz, Rand der seitlichen Federkämme ununterbrochen glänzend schmutzigweiss; Scheitelplatte noch etwas blasser und matter ocker als bei Il. Grün-blau-violettes Querband am Hinterhaupte entwickelt. Augen rundum von einem goldig braungelben Ringe umgeben. Wangen, Kinn und Kehle ähnlich wie bei II, nur in der Mitte der Kehle etwas dunkler (Federn des Vorderhalses defect). Brustschild bereits entwickelt, jedoch von weniger lebhaftem Glanze, übrige Unterseite lehmbraun mit schmalen welligen schwarzen Querbändern. Seitliche Brustfedern verlängert, zum Theile ganz lehmbraun und schwarz gebändert, zum Theile graubraun oder weiss und nur gegen das Ende gebändert, einige weiss und gegen die Spitze einfach bräunlich. Spatelförmige Zierfedern 110 mm.
Herr Custos Dr. Emil v. Marenzeller theilte die neuen An- sichten von Dr. Rinaldo Marchesini, Assistenten an der Lehrkanzel für pathologische Anatomie in Rom, über die Struetur des Muskel- gewebes, insbesondere der quergestreiften Muskeln mit (Anatomi- scher Anzeiger, Bd. XI, Nr. 5).
Botanischer Discussionsabend am 24. Jänner 1896. 53
Marchesini hat durch lang fortgesetztes Maceriren und Anwendung eines nicht näher bezeichneten Färbemittels den bekannten Bildern eine neue Deutung gegeben. Die Fibrillen lassen sich in äusserst feine Faserchen zerlegen, die von Strecke zu Strecke feine Knötchen zeigen, wie sie durch starke Ausdehnung von Spiralen entstehen. Durch die parallele Lagerung dieser Faserchen und Anord- nung der Knötchen in gleichen Abständen entstehen feine Querstreifen, die zum Theile schon früher bekannt waren (Hensen’sche Mittelscheibe, Krause’s Zwischenscheibe), und sowohl den dunklen wie hellen Scheiben angehören. Die ersteren erklärt Marchesini durch eine bestimmte Gestalt der Muskelfasern. Sie sind jenen entsprechend vorgewölbt und an diesen Stellen (Bowman'sche Dises) sind die feinen Faserchen fester untereinander verbunden.
Botanischer Diseussionsabend am 24. Jänner 1896.
Herr Prof. Dr. G. v. Beck sprach unter Vorlage eines reichen Herbarmateriales eingehend:
Ueber die Formen der Anthyllis Dillenii Aut.
Die Thatsache, dass unter Anthyllis Dillenii sehr Verschiedenes begriffen wird und dass gerade in unseren Adrialändern ein hiezu gehöriger Schwarm von Arten oder Rassen anzutreffen ist, gab den Anlass, diesen vornehmlich den Mittelmeer- ländern angehörigen Formen der Anthyllis Vulneraria, welche sich durch mehr minder purpurfärbige Kelehe und meist auch durch ins Rothe spielende Färbung der Blume auszeichnen, Beachtung zu schenken.!) Es ergab sich, dass die meisten Formen, wenn auch nicht immer morphologisch streng gesondert, doch geographisch gut geschieden sind und dass eigentlich nur die echte Anthyllis Dillenii hievon eine Ausnahme macht, indem sie zerstreut durch ganz Europa bis nach England und Schweden vorkommt. Dass gerade diese Pflanze nach ihrer Blüthenfärbung nicht samenbeständig ist, hat schon Hoffmann (Botan. Zeitung, 1881, S. 105) nachgewiesen. In der nachfolgenden Liste sind nahe verwandte Formen durch eine vorstehende Klammer verbunden, ausserdem zeigt 1 und 15 die nächste Verwandt- schaft zu 3 und 4, ferner 2 zu 5. Selbst bei einer weitgehenderen Vereinigung der angeführten nächst verwandten Formen würden doch noch 11 gut unter- scheidbare Arten oder Rassen erübrigen.
A. Annuae. Einjährig, zu Anfang des Sommers ihres Keimjahres blühend, ein- oder wenigstengelig. Wurzel dünn.
1. A. praepropera (A. Kern.). Adrialänder. 2. A. Spruneri Boiss. Oestliche Mittelmeerländer.
ı) Ausführlicheres wird in Dr. v. Bieck’s VIII. Beitrage zur Flora von Südbosnien ent- halten sein.
54 Botanischer Discussionsabend am 24. Jänner 1896.
B. Monticolae. Ausdauernd, mehrstengelig. Wurzel holzig. Stengel meist mehrköpfig. 3. A. adriatica G. Beck (? A. Weldeniana Rechb.; var. rubra Rehb. f. z. Th.). Adrialänder, Orient.
| 4. A. illyrica G. Beck (A. Dillenii Aut.; A. baldensis A. Kern.; var. coc- cinea Vis. z. Th.; A. polyphylla Pant., non W.K.). Mittelmeerländer.
5. A. variegata Boiss. Dalmatien, Orient. 6. A. maura G. Beck. Südspanien, Marocco. 7. A. Dillenii Schult. (Dillen., Hort. Eltham., II, p. 431, Pl. 320, Fig. 413! — A. vulneraria Mill., var. rubriflora Ser., rubida Lam.,
?rubicunda Schur —= A. sangwinea Schur. — A. tricolor Vuk., A. erythrosepala Vuk.). Von England und Schweden durch ganz Europa.
©. Alpicolae. Ausdauernd, mehrstengelig. Stengel niedrig, ein- bis wenig- köpfig. * Alpinae, boreales, pyrenaicae. 8. A. vulnerarioides Bonj. (Astragalus vulmerarioides All.; var. Alliont Ser.) Monte Cenis, Pyrenäen. 9. A. Bonjeani G. Beck. Monte Cenis. 10..A. coccinea (L.) Fries, Oeland; f. pyrenaica G. Beck. Pyrenäen. 11. A. valesiaca G. Beck. Schweiz. =. Dinarıcae, [ 12. A. pulchella (Vis.) = 13.? Montenegro und anliegende Gebirge. ) 13. A. scardica Wettst. (A. Webbiana Pant., non Hook.). Montenegro \ und anliegende Gebirge, Scardus. \ 14. A. intercedens G. Beck. Hercegovina. 15. A. albana Wettst. (A. Webbiana Gris., non Hook.). Macedonien.
*** Hispanicae.
16. A. Webbiana Hook. ) 17. A. hispida Boiss. et Reut. \ Shilenänien 18. A. nivalis (Willk.). a
19. A. arundana Boiss.
A. rubieunda Wend. dürfte zur A. Vulneraria var. rubra L. (Fl. Suee., ed. II, p. 249, excel. Syn.) gehören.
Herr Dr. Al. Zahlbruckner legte hierauf die neue Lite- ratur vor.
Beiträge zur Flora des Trentino. 55
Beiträge zur Flora des Trentino, mit Rücksicht auf Gelmi’s Prospetto della Flora Trentina. Von
Georg Evers.
Rector a. D. in Trient.
(Eingelaufen am 10. Jänner 1896.)
Gleditschia triacanthos L. häufig um Trient, in Hecken, Feldern, Gärten, anscheinend hie und da verwildert.
(Acacia Julibrissin Willd., Sophora japonica L., Caragana arborescens Lam. und ©. frutescens DC. häufig angepflanzt, erstere beide auch an Wegen:
Trient, Calliano, Rovereto, Riva etc.)
Robinia Pseud-Acacia L. überall verwildert und ganze Abhänge über- ziehend, z. B. des Fersina-Ufers.
Cytisus hirsutus L. var. pygmaeus m. (bei Gelmi Cytisus prostratus, als Varietät des Oytisus hirsutus aufgestellt). Alpenwiesen: Bordone, Vasone, Stivo ete. häufig.
Var. purpurascens m. Kronen roth, von der Farbe des Oytisus purpureus. Hülsen an den Seiten fast kahl. Trient, Goceia d’Oro (vulcanische Hügel); sehr selten.
Anthyllis Vulneraria L. ist mir nicht so häufig begegnet als die folgenden:
Anthyllis pallidiflora Jord. Riva; Monte Brugino bei Mori; Val di Ledro, Molina auf Wiesen an der Ledrostrasse.
Anthyllis Dillenii Schultes. Krone blutroth ; Stengel ausgebreitet nieder- liegend. Trient, Muralta, steinige Hügel; Weiden am Monte Chegul; Mori, Monte Brugino.
Var. variegata m. Fahne und Flügel gelb, dann orangeroth, zuletzt braun- roth; Kelch nicht aufgeblasen, trüb dunkelviolett. An denselben Standorten wie vorige.
Anthyllis Jacqwini Kern. Baldo; Trient, Marenza; Gaza. Gelmi corrigirt Kerner und meint, die hiesige Pflanze sei von Anthyllis montana L. kaum als
Varietät zu trennen. Anthyllis montana L. (mit um die Hälfte grösseren Kelchen
und Kronen, welch’ letztere purpurn sind, während Anthyllis Jacqwini eine weiss- liche Fahne zeigt) ist mir wenigstens bislang hier nie begegnet. Lotus corniculatus L. in einer sehr grossblüthigen und hochwüchsigen
_ Form, z. B. Val di Ledro, Biacesa auf Wiesen.
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Oxytropis Jacquini Bnge. Gelmi verpflanzt die Oxytropis montana DU. auf die hiesigen „pascoli alpini“, und lässt sie sogar häufig dort vorkommen; ich bezweifle die Richtigkeit dieser Angabe sehr. Oxytropis montama ist eine „plante plus ou moins pourvue de poils blanes; fleurs d’un pourprerose* (G. G.) und mir hier nie begegnet.
56 Georg Evers.
Astragalus exscapus L. habe ich an der nördlichen Grenze des Trentino gefunden, und zwar im September (1893) zwischen Mals und Glurns.
Orobus vernus L. kommt auch in einer auffallend kleinblättrigen Form vor. Sarche, in den felsigen Hängen der Strasse nach Comano; Trento, Goceia d’ Oro, vulcanische Hügel.
Potentilla daonensis m. Gehört zur Sippe Tormentilla. Wurzelblätter ziem- lich lang gestielt, fünfblattig, zur Blüthezeit meist vertrocknet; Blättchen eiläng- lich, kerbzähnig. Stengelblätter sitzend, dreiblattig; Blättchen oval, tief kerbzähnig, am Rande umgebogen, oberseits dunkelgrün, kahl, unterseits blasser, auf den Nerven glänzend seidenhaarig; Nebenblättchen sitzend, zuweilen sehr kurz gestielt, tief gezähnt. Pflanze liegend, aufstrebend. Val Daone, felsige Ufer des Chiese, 22. August 1895.
Potentilla strietissima Zim. Monte Terlago.
Potentilla aurea L. Trient, Monte Vasone, in Gebüschen (schlaff- und zart- stengelige Ferm).
Potentilla tridentina Gelmi (et mihi). Am 11. Mai 1887 von mir entdeckt in den Gebüschen des Monte Brugino und dann an verschiedenen Orten und in verschiedenen Formen beobachtet, kürzlich von Gelmi am Vasone aufgefunden und bei Siegfried ausgegeben.
1. forma dumetorum. Wurzelstock verholzend, mehrstengelig; Stengel aus- gebreitet, aus liegendem Grunde aufstrebend, mit krausen ‘und abstehenden weiss- lichen Haaren bekleidet. Wurzelblätter fünfblattig, ziemlich lang gestielt; Blättchen länglich oder länglich-spatelförmig, oberseits freudiggrün, mit einzelnen ange- drückten und glänzenden Härchen bekleidet, unterseits blasser, von angedrückten seidigen Haaren glänzend, an der vorderen Seite tief gezähnt; Zähnchen rundlich. Stipulae sitzend, halbstengelumfassend, 3—4schnittig, klein; Kronen gross, den Kelch um das Doppelte überragend, lebhaft gelb mit orangefarbigem Fleck; Petalen mit den Rändern sich deckend.
2. Var. bordalensis m. Triftenform; in allen Theilen kleiner. Stengel theilweise aufrecht; Pflanze dichter seidig glänzend behaart. Mori, auf Triften und Weiden der Bordala, einer heissen Mulde zwischen Monte Brugino und Monte Stivo.
3. Var. Canfedinensis m. Alpenform; in allen Theilen robuster als Nr. 1. Stengel an demselben Stocke theils niederliegend und aufstrebend, theils steif aufrecht, namentlich die mittleren, oft mit einem gestielten dreiblattigen Stengel- blatt versehen. Kronen dunkler gelb. Wurzelstock oft mit zehn und mehr oben ästigen Stengeln einen dichten, oft spannhohen Busch bildend, während die Form Nr. 1 meist nur wenig stengelig bleibt. Trient, Alpenwiesen des Monte Canfedin, oberhalb des Passo di S. Giovanni zwischen Vezzano und Molveno, 26. Juni 1895.
Potentilla Gardae m. Wurzelstock und Stengel wie vorige, aber ganze Pflanze dicht grau und glänzend seidig behaart; Stengel und Blattstiele dicht abstehend behaart; Stengel selten mit einem gestielten und dreiblattigen Stengel- blatt. Wurzelblätter langgestielt, fünfblattig; Blättchen verkehrt eilänglich, keil- förmig verschmälert, vorn herum bis 8- oder 9zähnig, beiderseits dicht und glänzend
Beiträge zur Flora des Trentino. 57
grau seidig behaart; Kronen etwas kleiner und heller gelb als an voriger. Monte Baldo, Alpenweiden in Campi über Nago; Val di Ledro, Malga Dromaö und von da mit Wasser in die Waldregion herabgehend bis fast an den See (bei Mezzolago). 24. Juli 1890 (Baldo), 16. Mai 1895 (Dromaö). Einzeln auch am Monte Canfedin zwischen P. Canfedinensis angetroffen.
Bastarde: 1. Potentilla bruginoönsis m. = P. bolzanensis X tridentina, letzterer näher stehend wegen des seidenhaarigen Glanzes, aber unterschieden durch mehr oder weniger zahlreiche Pusteln von Sternhärchen auf der Blattunter- seite und dunkleres Colorit. Monte Brugino; sehr selten.
2. Potentilla Vasonis m. — P. tridentina X glandulifera. Kleiner als P. tridentina und mit Drüsen bekleidet. Trient, Monte Vasone; sehr selten.
Potentilla Pari m. Quasi caulescens, caules decumbentes; folia radieaha numerosa, longepetiolata, quwinata; foliola magna, obovata, in basim vel in petiolulum attennata, inciso-dentata, supra parce pilosa et viridia subtus palli- diora pilisqgue adpressis in sole sericeo-micantibus nee non minimis pustulis vestita; folia caulinaria ternata, parva, illis similia; stipulae tri-plus partitae; caules, petiola et pedunculi erisporum pilorum tegumento et longioribus pilis patentibus dense vestita; florum panicula ramosa, bi-trifurcata hoc modo, ut in angulo cujusque furcationis una sola longe pedunculata corona ewistat; cymae bi-triflores, folio caulinari stipulato munitae; coronae medioeres; petala calicem duplo superantia, lutea. In pascwis alpinis et subalpinis montis Pari, vallis Ledro. 11.| VIII. 1890. — Drüsen habe ich zwischen der Behaarung nicht zu finden vermocht.
Potentilla Mezzocoronae m. Wurzelstock holzig, mehrstengelig; Stengel kräftig, kurz, niederliegend, ausgebreitet, abstehend behaart; Wurzelblätter (der Sommerblätter) langgestielt, fünfblattig; Blättchen länglich-elliptisch, die drei inneren in einen sehr kurzen Stiel verschmälert, die zwei seitenständigen sitzend, in der Basis verschmälert, beiderseits lebhaft grün, spärlich behaart bis fast kahl, unterseits mit wenigen winzigen Sternhaarpusteln, mit Ausnahme des untersten Theiles tiefgezähnt; Zähne stumpf. Frühlingsblätter unterseits weisslich-langhaarig an den Nerven. Stengel zuweilen mit einem gestielten dreiblattigen Stengelblatt; Blatt- und Cymenstiele mit langen abstehenden weisslichen Haaren bekleidet, drüsenlos; Cymen wenig-vielblüthig, öfter verästelt; Kelch angedrückt behaart; Kronen gross, leuchtend gelb, mit orangefarbenem Fleck auf der Basis der Petalen; diese einander mit ihren Rändern deckend. S. Michele, auf den heissen Felsen und Hängen um Castell Mezzocorona. 27. März 1890; beginnt Ende Februar zu blühen; Sommerblätter 26. Mai 1890, seitdem jährlich beobachtet.
Potentilla bolzanensis Zim. kommt in drei Formen vor: a) var. mierantha Sauter; Db) var. astelligera Pant., Trient, Goceia d’Oro; ce) var. glandulifera Sauter, Trient, Doss Trent.
Bastard: Potentilla glandulifera Kr. X bolzanensis. Trient, Allo Speechio, auf heissen Kalkhügeln. Vielleicht eine weitere Form der Potentilla bolzanensis ist folgende: Z. B. Ges. Bd. XLVI. 8
58 - Georg Evers.
Potentilla Rivae m. Colorit gelblichgrün; Pflanze drüsenlos oder an den Cymen drüsig behaart (var. glandulifera), grossblüthiger als Potentilla bolza- nensis, namentlich die Varietät, an Stengeln und Stielen abstehend lang behaart; Blätter oberseits schwach, unterseits dichter lang behaart und unterseits spärlich sternhaarig. Kronen leuchtend gelb. Stengel ausgebreitet niederliegend. Riva, auf den heissen Felsterrassen des Monte Giumella über der Ponalestrasse, über Biacesa und Molina im Ledrothale. April.
Potentilla viscida m. Ganze Pflanze klebrig von fast filzig verworrenen Drüsenhärchen und zottig von längeren abstehenden Haaren. Blätter 3—5blattig, Blättchen fast dreieckig oder dreieckig-oval, vorn gekerbt oder kerbsägig, unter- seits sternfilzig-klebrig, beiderseits zottig, unterwärts dichter, am Rande und Zähnen gewimpert. Unterscheidet sich von der lebhaft grünen P. bolzanensis var. glandulifera auf den ersten Anblick durch ihr grauzottiges Colorit. Trient, Goecia d’Oro; Rovereto, an sonnigen Hängen bei Castell Noarna; Toblino, am Ufer des Lago di Massenza. 26. März 1894; 9. April 1895 et saepius.
Sie scheint mit Potentilla opaca L. (non aut.) einen Bastard zu bilden; in ihrer Nachbarschaft habe ich eine Form aufgenommen, die ich nach ihrem Standorte unterscheide:
Potentilla Noarnae m.: Kelch, Stengel und Blüthenstiele drüsig und ab- stehend behaart, Blätter ohne Sternhaare, unterseits dicht, oberseits schwächer behaart. Um Castell Noarna einzeln an Wegen. 9. April 1895.
Potentilla opaca L. (non aut.) scheint mit Potentilla bolzanensis Zim. eine Combination einzugehen; oder aber es gibt Zwischenformen zwischen beiden. Durch vorläufige Benennung nach ihrem Fundorte unterscheide ich folgende: Potentilla Bondonis m. Pflanze drüsenlos; Stengel aufwärts abstehend behaart, Blätter oberseits fast kahl, jung striegelhaarig, unterseits dicht behaart und mit ein- zelnen Drüsenhaaren versehen; Kronen verhältnissmässig gross, goldgelb. Trento, in cacumine montis Vasone. 7. Mai 1895. Vielleicht eine Combination: Potentella opaca L.xX bolzanensis; da sie jedoch auf dem isolirten, anscheinend vuleanischen Gipfelaufsatz des Vasone allein und in Menge vorkommt, so glaube ich nicht recht an Bastardirung, sondern neige mehr zu der Annahme einer Zwischen- form zwischen der Opaca- und der Bolzanensis-Gruppe.
Von der Opaca-Gruppe habe ich Gelegenheit gehabt, eine Reihe ver- schiedener Formen zu beobachten auf den Gypsvorbergen des südlichen Harzes. An heissen Gypsfelsen findet sich eine sehr kleine Form mit Blüthen kaum von dem Umfange einer Erbse (var. pusilla Host). Eine ähnliche Kleinheit der Ver- hältnisse mit Ausnahme der Kronen, die grösser sind, zeigt die hiesige Winterform, die ich z. B. auf dem Monte Terlago Ende November aufgenommen (f. hiemalis). Eine andere um Trient vorkommende Form hat bedeutend grössere Blüthen (f. tridentina) und unterscheidet sich von einer verhältnissmässig gross blühenden thüringischen Form hauptsächlich nur durch das viel hellere Gelb der Kronen und verhältnissmässige Kleinheit der Statur. Eine Form mit im Lichte beider- seits fast seidig glänzenden Blättchen (f. sericans) fand ich bei Biacesa im Val di Ledro.. Die grossblüthigste und schönste jedoch von allen habe ich auf Gypshügeln
Beiträge zur Flora des Trentino. 59
im Alten Stolberge, einem der Gypsvorberge des südlichen Harzes, aufgenommen (f. stolbergensis), welche nach Zimmeter der Potentilla amansiana Schultz nahe kommt, aber dicht behaart ist.
Auch Potentilla glandulifera« Kras. scheint in einigen Variationen aufzu- treten. Eine grossblüthige Form unterscheide ich nach dem Fundorte als Potentilla Ronchi m. Stengel namentlich oberwärts kurz drüsig und kraus behaart und mit einzelnen abstehenden längeren Haaren bekleidet, gegen oben nebst den Blüthen- stielen und Kelchen fast filzig mit schwachem Seidenglanze; Blättchen oberseits schwach striegelhaarig, unterseits besonders an den Nerven dicht anliegend behaart, an der Spitze büschelig bewimpert, mit schwachem Seidenglanze. Ala, Val Ronchi, auf Felsterrassen. 30. April 1895.
Potentilla Ponale m. bezeichne ich eine sehr schöne grossblühende Variation. Kelche, Blüthenstiele und oberer Stengel dicht kurz drüsig und abstehend lang behaart. Blätter fünfblattig; Blättchen verkehrt oval-länglich, keilförmig ver- schmälert, im oberen Theile (?/;) kerbsägezähnig, beiderseits behaart, unterseits dichter und länger, besonders an den Blattnerven, ohne Sternpusteln. Riva, auf Felsterrassen am Ponalebach. 17. April 1895.
Endlich ist mir eine Potentilla glandulifera Cras. begegnet, welche auf der Blattunterseite einzelne Sternhaarpustelchen zu zeigen und daher zwischen der Potentilla glandulifera und der Potentilla bolzanensis eine der ersteren näher stehende Zwischenform darzustellen scheint; ob Bastard? Ich unterscheide sie vorläufig als Potentilla dubiosa m. Trient, Alla Specchio, in der Nachbarschaft von Potentilla glandulifera X bolzanensis. Rovereto, bei Castellano, auf Felsterrassen. April 1895.
Potentilla baldensis Kern. Zartstengelig, Kronen weit kleiner als bei der typischen Form. Mori, im Steingerölle. Mai 1856.
Potentilla Sauteri Zimm. Trient, Martignano. Loppio, zwischen den Fels- trümmern des Bergsturzes.
Potentilla loppiensis m. (2? Potentilla bolzanensis X Sauteri?). Mehr- und zartstengelig; Stengel theils aufrecht, theils aus liegender Basis aufstrebend, im unteren Theile mit einzelnen langen abstehenden Haaren und einem kurzen krausen Haarkleide, oberseits mit kurzen Haaren mässig bedeckt. Wurzelblätter lang gestielt, 3—5blattig; Blättchen eingeschnitten gezähnt in der oberen, ganz- randig in der unteren Hälfte, eilänglich bis keilförmig im Umrisse, oberseits dunkelgrün mit einzelnen Striegelhaaren, unterseits blasser mit langen, gegen das Licht seidig glänzenden Haaren und einzelnen winzigen Sternpünktchen; Blattstiele mit langen abstehenden Haaren dicht, Blüthenstiele mit kürzeren mässig bekleidet. Inflorescenz arm, 2—5blüthig; Kelch langhaarig; Kronen langgestielt, mittelgross (wie an Potentilla Sauteri). Loppio, im Bergsturze zwischen Loppio und Nago mit Potentilla Sauteri. 20. Mai 1895.
Potentilla incanescens Opiz. Rovereto, Castell Barco in Weinbergen.
Potentilla perincisa Borb. Klausen, an Porphyrfelsen.
Rubus Maranzae m. (R. caesio X sulcatus?). Die lanzettlichen Neben- blätter scheinen diesen Rubus in die Sippe der Caesii oder Orthoacanthi zu stellen,
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während der gänzliche Mangel an Drüsen gegen diese Stellung wieder Bedenken erregt. Die frühe Blüthezeit (Mai, Juni), die grossen, leuchtend weissen Kronen, die langen Staubgefässe, der kantige, gefurchte Schössling lassen an eine Combi- nation mit Rubus sulcatus denken, zumal dieser Rubus an den Abhängen des Bergzuges der Maranza ebenfalls vorkommt. Der Sammtfilz der Blattunterseite jedoch will weder zu Rubus caesius, noch zu Rubus sulcatus stimmen.
Schösslinge niederliegend, grün oder einerseits rothbraun, mehr weniger scharf kantig und gefurcht, bald ziemlich kräftig, bald dünn, kahl, drüsenlos, mit kleinen, nadelspitzigen, wenig gekrümmten, öfter gezweieten Stacheln mässig bewehrt; Blätter fünfzählig, langgestielt; Blättchen derb, oberseits dunkelgrün, kahl, mit einzelnen Striegelhaaren, unterseits in der Jugend weisslich, später grünlich weichfilzig, seidig glänzend, wellig, mittelstes länger, das obere Paar der seitenständigen kürzer gestielt, das unterste Paar kleiner, sitzend oder eines kaum merklich gestielt, mit den Rändern einander und die Blättchen des oberen Paares berührend, im Umrisse eirundlich, das. unterste zuweilen fast spatelförmig, das mittelste fast rund mit schwach herzförmiger Basis, alle doppelt und buchtig gezähnt (Zähnchen stumpf, mueronirt), mit aufgesetzter schlanker, kaum deutlich kerbsägiger Spitze; Blattstiele nach oben abstehend behaart, mit wenigen rück- wärts gebogenen, schlanken, kleinen Stacheln bewehrt; die die Blüthenrispen tragen- den Aeste abstehend kurz behaart, beblättert, spärlich fein bestachelt; Blätter 5—3zählig, obere meist dreizählig, verschieden gestaltet; mittelstes kurz gestielt, ei-rauten-, ei-spatel- oder trapezförmig, zuweilen tief dreilappig oder mehrfach kurzlappig, buchtig doppelt gezähnt. Lappen und Hauptzähne wieder einfach oder doppelt gezähnt; Seitenblättchen sehr kurz gestielt, die untersten sitzend, mit den ändern sich deckend, ei-rauten-, spatelförmig oder eilanzettlich, an der Basis und am äusseren Rande oft tief gelappt, faltenförmig wellig. Rispe kurz, zuweilen unterbrochen, durchblättert; Blättchen einfach oder gelappt; Rispenästchen unten aufrecht, oben spreitzend abstehend, letztere kürzer und meist einblüthig; Achse, Rispenäste und Blüthenstiele graulichgrün filzig, abstehend behaart, wenig und klein bestachelt; Kelchblätter oval, plötzlich in eine lange Spitze zusammen- gezogen, graulichgrün und am Rande schmal weiss filzig, während der Blüthe zurückgeschlagen, später zusammenneigend. Fruchtboden kahl. Trient: Monte Maranza, Monte Celva, Passo di Roncogno. Mai.
Var. coriaceus mit fast lederigen, unterseits noch dichter und weisslich filzigen Blättchen, kürzeren gedrängten Trauben, röthlichen Kronen und fast rundlichen Schösslingen. Trient: Maranza, im Steingerölle über Villazzano.
Rubus discolor W. et N. (R. macrostemon Focke) f. rosiflora. Monte Baldo Brentonieo.
Rubus brachybothrys Focke (N. Giorn. bot. ital., 16, Nr. 2, 1884) wird von Focke zu den Zomentosi gezählt, obwohl er drüsenlos ist. Schösslinge bogig, scharfkantig, spärlich behaart, bald kahl werdend, mit mittelmässigen rückwärts gerichteten Stacheln bewehrt. Blätter fünfblattig, fingerförmig, Stipulae lang, lineal, behaart. Blattstiel behaart und bestachelt, der des Endblättchens doppelt länger; Blättchen doppelt gesägt, oberseits von Striegelhaaren und kleinen,
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durch das Mikroskop erkennbaren Sternhärchen „sericeo-micantia“, unterseits dicht weissfilzig oder im Alter grünlich, Endblättehen herz-eiförmig oder mit abge- stumpfter Basis, eiförmig, lang zugespitzt, die Seitenblättchen sehr kurz, aber deutlich gestielt, sich nicht deckend. Blüthentragende Aeste „tomentoso-hirti aculeis mediocribus reclinatis foliusque ternatis instructi*. Inflorescenz endständig oder einfach ästig, kurz, 10—20blüthig oder gegen die Basis mit Seitenzweigen vermehrt. Blüthenstiele nebst Rhachis „tomentoso-hirsuti aculeis gracilibus leviter falcatis muniti“. Bracteen lanzettlich, behaart, oft trifidi. Kronen klein oder mittelmässig, Sepalen filzig, zurückgebogen während und nach der Blüthe; Kronen weit grösser als die Sepalen, weiss; Staubgefässe die Griffel überragend. Trient, Doss $S. Rocco; an der Nordseite von Cav. de Sardagna entdeckt. Eine kahlere Variation (var. Sti Rocchi m.), niedrig, Kronen röthlichweiss, da- selbst Südseite. !)
Rubus brentonicus m. (? R. superdiscolor X tomentosus Hal.?). Hoch- bogig, kräftig; Schösslinge kahl, kantig, gerillt, mässig bestachelt, Stacheln rück- wärts gekrümmt, mittelmässig. Schösslingsblätter fünfzählig; Endblättehen kurz gestielt, Seitenblättehen paarweise sehr kurz an einem gemeinsamen kurzen Stielchen gestielt, oder am Grunde zusammengewachsen, oder eines sitzend, das andere gestielt,?) alle oder doch vier einander mit den Rändern deckend, breit ei- lanzettförmig, die unteren fast rautenförmig, grob doppelt-sägezähnig, oberseits dieht sternfilzig trüb graugrün, unterseits dicht weisslichgrün filzig, gegen das Licht nicht seidig glänzend, Blattstiel abstehend kraus behaart, ziemlich reich bestachelt, Stacheln klein, kräftig, gekrümmt, gelb. Blätter der blüthentragenden Aeste dreizählig, Blättehen denen der Schösslinge ähnlich, ebenfalls an der Basis abgerundet, Endblättehen gross, kurz gestielt, Seitenblättchen etwas kleiner, das eine sehr kurz gestielt, das andere sitzend. Traube sparrästig, unterste Aeste entfernt, von Stengelblättern gestützt, der dritte von einem einfachen Blättchen, klein bestachelt, nebst den Kelchen dicht filzig und von längeren krausen Haaren fast zottig. Kelehe nach der Blüthe zurückgeschlagen; Kronen mittelgross, rosen- roth. Erinnert durch Tracht und Colorit an die rothblühenden Zwischenformen (oder Bastarde?) zwischen Rubus collinus DC. und R. ulmifolius Schott., nicht aber an Rubus discolor X tomentosus, welcher letzterem viel näher steht. (Inns- bruck, Stangensteig.) Monte Baldo, ober Brentonico gegen das Coppiothal zu. 19. Juli 1895.
Rubus baldensis Kern. (R. ulmifolius X tomentosus), von Gelmi nicht erwähnt. Monte Baldo, um Brentonieo. Behaarung des Rubus tomentosus, Kronen des Rubus ulmifolius (voth). Der von Gelmi erwähnte Rubus tomentosus X ulmi- folius steht letzterem näher, wenn er existirt.
Rubus tomentosus Borkh. kommt auch in der Variation ceinereus Rb. vor, welche mit Rubus caesius einen Bastard, Rubus tomentosus cinereus X caesius, bildet. Trient, Monte Gaza.
1) Rubus brachybothrys X caesius siehe unten. 2) oder dreiblattig und dann die Seitenblättehen tief doppellappig.
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Rubus cognolensis m. (? R. tomentosus X discolor?). Bei der Doppelbenen- nung von Bastarden setze ich denjenigen Rubus, dem meiner Meinung nach der Hauptantheil bei der Combination gebührt, stets an zweiter Stelle. Hoch- bogiger mächtiger Strauch von gelbgrünem Colorit. Schösslinge kantig, roth- braun, fast kahl, mit starken, rückwärts gekrümmten, an der Basis spärlich behaarten Stacheln bewehrt; Blätter fünfblattig, Blattstiel mit kleinen, zurück- gekrümmten, gelbspitzigen, rothbraunen Stachelchen bewehrt und flaumhaarig; Blättchen verkehrt ei-rautenförmig, unregelmässig grob doppelt gezähnt, oberseits scheinbar kahl, gegen das Licht schimmernd (von mikroskopischen Sternhärchen), unterseits weisslich filzig, sammtweich, Stiel des Endblättchens von halber Länge des Blattes, Seitenblättchen meist an jeder Seite paarweise, kurz gestielt, das untere kürzer, mit den Rändern sich deckend, wenigstens ein Paar; rispentragende Aeste sparsam bestachelt, kurz und sparsam behaart, untere Blätter fünfblattig, Blättchen grösser als die Schösslingsblätter, diesen sonst gleichgestaltet, obere dreiblattig; Traube sehr lang und schmal, unten unterbrochen, untere Rispen- äste weit von einander entfernt, von grossen Blättern gestützt, abstehend, aber kurz, in kurze spreitzende Aestchen sich theilend; oberer Theil der Rispentraube gedrängt. Achse, Aestchen, Blüthenstiele und Kelche dicht graulich filzig und kraus behaart, bestachelt mit kleinen gelben Stachelchen, ohne bemerkbare Drüsen- haare; Kelche nach der Blüthe zurückgeschlagen; Kronen mittelgross, weiss; Staubgefässe röthlich bis rosenroth; Fruchtkörnchen wenige, länglich, schimmernd filzig. Trient, felsige Weinberge bei Cognola.
Die Gruppe des Rubus ulmifolius Schott scheint in folgenden Variationen hier vorzukommen:
1. Rubus dalmatinus Tratt. (R. amoenus Portenschl.). Schösslinge wenig behaart und wenig weissschülferig,; rispentragende Aeste, Achse, Aestchen und Blüthenstiele dicht filzig und oft auch abstehend behaart. Strauch aufrecht, hochbogig. Rispe straussförmig, so bei Toblino, oder kurz sparrig, so bei Bren- tonico (Rom).
2. Rubus decumbens m. Schösslinge schwach, niederliegend, schwach schül- ferig bereift und schwach behaart, wenig bestachelt, Stacheln schwach. Blätter 5—szählig, Blattstiel dicht behaart, feinstachelig; Blättchen rundlich, viel kleiner als an voriger, oberseits mit einzelnen Striegelhaaren, Endblättchen mit herz- förmiger Basis, kurz gestielt, mit kurzer Spitze, Seitenblättchen sehr kurz gestielt, die untersten sitzend, einander deckend, oder wenn nur dreiblattig, die Seiten- blättehen mit einem breiten Seitenlappen, mit stumpfer Spitze. Rispenachse ete. wie an voriger. Monte Baldo, bei S. Giacomo im Felsgerölle.
3. Rubus rusticanus Mere. Schösslinge,. blüthentragende Zweige, Achse, Blattstiele mit einem weissschülferigen Wachsüberzuge mehr oder weniger dicht bedeckt, sonst kahl oder fast kahl, oberster Theil der Achse und Blüthenstiele, bezw. Blüthenästehen zugleich flaumig oder ganz filzig (an römischen Exemplaren auch kurzhaarig). Trient, Muralta und häufig. Diese Form ist anscheinend durch Mittelformen mit dem Rubus dalmatinus Tratt. verbunden, welche den weiss- schülferigen Wachsüberzug mit filziger Behaarung derart verbinden, dass die
TEE FARB ER, 7 BERN,
Beiträge zur Flora des Trentino. 63
Schösslinge und der untere Theil der Zweige von jenem, der obere Theil der letzteren und die Achse von dieser bedeckt sind. Eine genaue Grenze zwischen beiden ist daher wohl kaum zu fixiren. Bei Rom habe ich solche Mittelformen aufgenommen.
Rubus tridentinus m. (R. rusticanus X discolor?). Ueber mannshoher Strauch. Sehösslinge hochbogig überhängend; Rispen bis 50 cm lang, bis 30 em breit, unterste Aestcehen oft bis 35 cm lang. Tiuriones robusti, 5- quetri. canali- culati, glabrescentes, tenuissimo tegumento albescente et squamante quasi cereo sparse tecti, valıdıs aculeis, sub sole rubentibus (sicut tur.), squamantıbus, glabre flaveque apieulatis muniti; folia quwinata, petiolis parce aculeatis; foliola obovata, breviter acuminata, basi rotundata, margine simplieiter serrato-denti- culata, coriacea, supra obscure viridia, glabra, subtus denso tomento non micante albescentia, medium longe petiolatum, infima lateralia breviter; rami paniculam portantes longi, canaliculati, sparse aculeati, tegumento illo squa- mante albido dense vestiti, foliati folüis qwinatis, quaternatis, ternatis; foliolis lateralibus saepe lobatis; panicula ramosissima, folata, quasi pyramıdata, ramis erecto-divaricatis, parce aculeatis, squamantibus, in ramulos secundarios divisis; rami superiores et secundarü sicut et pedumculi denso tomento sordide viride- albescente vestiti, pubescentes, sparse aculeati; sepala albo-tomentosa, sub anthesi reflexa, nuda; flores numerosissimi; petala laete vel pallide rosea, calicem plus duplo superantia, foris puberula; stamina rubentia, stylos adaequantia vel paullulum superantia; germina pubescentia. Juni bis October. Da er voll- kommene und reiche Früchte bildet, so dürfte dieser auffallend mächtige Rubus, wenn er Bastardirung sein Entstehen verdankt, zur selbstständigen Art geworden sein, wie er denn sehr häufig auftritt. Trient, Muralta, an Weinbergsmauern, verbreitet. b
Rubus bruginoensis m. (R. tomentosus glaber X dalmatinus?, non R. dalmatinus (ulmifolius) X tomentosus = R. baldensis Kern.). Schösslinge ziemlich hochbogig, kantig, kahl, nur hie und da mit schülferigem Wachsüberzug bekleidet, spärlich mit rückwärts gerichteten geraden Stacheln bewehrt. Blätter fünfblattig, ziemlich lang gestielt, Blattstiele schwach wachsschülferig, flaumig, mit rückwärts gekrümmten kleinen Stacheln bewehrt; Blättchen, das endständige ei-lanzettlich, die seitenständigen elliptisch-lanzettlich, gegen vorn spatelförmig verbreitert, am Rande gekerbt-gesägt; oberseits kahl, gelbgrün, kaum schimmernd gegen das Licht, unterseits weissfilzig. Blätter der rispentragenden Aeste breiter und grösser, 5—3blattig, ei-lanzettlich, fast ei-rautenförmig, ei-spatelförmig oder elliptisch- lanzettlich, die Seitenblättehen öfter gelappt, grob kerbsägig und öfter buchtig; Behaarung wie die Schösslingsblätter. Rispentragende Aeste lang, schwach stern- und abstehend kurzhaarig, mit kräftigen, rückwärts gekrümmten, an der Basis rothen, an der Spitze gelben Stacheln bewehrt; Achse, Rispenästchen und Blüthen- stiele sternfilzig und abstehend kurzhaarig, ziemlich reichlich mit kleinen gelben Stacheln bewehrt. Inflorescenz kurz, straussförmig, aus kurzen, sparrig abstehenden, wieder verästelten, 2—6blüthigen Aestchen zusammengesetzt. Sepalen graufilzig, schmal weissfilzig berandet, nach der Blüthe zurückgeschlagen, nackt; Kronen
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blass rosenroth, mittelgross. Mori, an felsigen bebuschten Abhängen des Monte Brugino oberhalb Nomesino. 15. Mai 1894.
Rubus loppiensis m. (R. sulcatus X brachybothrys?). Turiones ascendentes, apice dependentes, costatı, striati, supra badiü, infra virides, minimis pilis (stellatis) et longioribus erispis parce vestiti, hie illue vie paullulum squamantes, parvis rectis debilibusque aculeis rubentibus pubescentibus glabre flaveque api- culatis ornati; folia qwinata; medium foliolum longe petiolatum, lateralia superiora breviter, infima in horum petiolis unum sessile alterum brevissime petiolulatum sedentia, obovata (medium rotundatum breviterque acuminatum), ‚margine irregulariter duplo-denticulata, paullisper undulata et irregulariter marginata, coriacea, supra obscure viridia, ex strigulis et minimis pilis stellatis in luce micantia, subtus denso tomento minimisque in sole micantibus pilis vestita et quasi sericea mollia pallide-viridia, in medio nervo minimis aculeis flavis recurvatis parce ornata; folia racemorum paniculam portantium quaternata et ternata; foliola interdum lobata; petiola ommium parce et parve aculeata; inflorescentia foliata, interrupta (infimis ramulis longe remotis, grandibus folüis ornatis et patentibus), im suprema parte ex brevibus ramulis erecto-patentibus, supremis divaricatis composita; ramuli foliis ternatis, superiores foliolis sim- plicibus decrescentibus faleiti; ramuli et pedunculi parvis aculeis rectis rubenti- bus pubescentibus muniti, viridi tomento vestiti et pubescentes; sepala viride- tomentosa, mwuda, sub anthesi reflexa; petala calicem superantia, laete rosea; stamina stylos superantia. — Majo. Mori, in declivibus saxosis et dumetosis montis Brugino super pagum Nomesino vallemque Loppiensem. 15.|V. 1894.
Rubus vezzanensis m. Twuriones humiles, arcuati, obtuse angulati, vie paullisper albide squamantes (sub microscopio), parce pubescentes, quasi glabre- scentes, parceque aculeati; aculei ex lıta et fusca albide squamante radıce ın rectam glabram et flavam cuspidem porreeti; folia ternata, longe petiolata petiolo fusco parvisque recurvatis fuscis flave acuminatis aculeis parce munita; foliola petiolata, inferiora breviter, quasi coriacea, supra glabra, flavo-viridia, subtus tenui tomento pilisque micantibus vestita, ovato-lanceolata (medium bası quasi cordata), interdum lobata vel unum lateralium parvo foliolo quarto ornatum, margine grosse et duplo denticulata, dentibus latis mwueronatis; folia ramorum fioriferorum similia, subtus dense albide-tomentosa. Panicula medio- eris, interrupta ex remotis infimis ramulis longis erecto-patentibus, foliolo munitis et approximatis, superioribus divaricatis paullulum decrescentibus composita; axis, ramuli pedunculi paniculae et calices dense albo-tomentosa, pilis patenti- bus, multisque rectis basi rubris pubescentibusque, apice glabris et flavis aeuleis ornata, non glandulifera. Peduneuli longi, uniflori. Sepala adjacentia, petala parva, pallide rosea vel alba rubentia. Tridentum, in locis herbosis rupestribus inter Vezzano et Terlago, solo calcar. Juni, Juli.
Rubus pallidus W. et N. Trient, Monte Vasone.
Rubus hirtus W. et K. var. grandis Neum. Molveno, in Waldschluchten der Paganella. Val Genova.
Rubus Bellardü W. et N. var. subalpinus Hal. Riva, Monte Giumella.
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Beiträge zur Flora des Trentino. 65
Rubus tomentosus glaber X caesius. Nebenblätter lanzettlich, daher die dem caesius näher stehende Combination, jedoch Pflanze drüsenlos. Schösslinge fast kahl, rundlich, bereift; hat eine dem caesius ähnliche Tracht, während Rubus caesius X tomentosus dem Rubus tomentosus weit nähersteht.
ö Rubus rusticanus X caesius. Strauch liegend, kletternd. Schösslinge kantig, kräftig, fast kahl, grün, mit mittelmässigen geraden Stacheln spärlich bewehrt. Blätter lang gestielt, 5—3blattig. Stiel flaumig, klein bestachelt; Neben- blätter lineal-lanzettlich; Blättchen rundlich, mit aufgesetzter Spitze, Endblättchen mit herzförmiger Basis, lang gestielt. Seitenblättehen: mittleres Paar kürzer ge- stielt, mit kaum herzförmiger Basis, unterstes Paar an den Stielen des oberen Paares sitzend; Blättchen mit den Rändern sich deckend, unregelmässig doppelt gezähnt, oberseits kahl mit wenig Striegelhaaren, unterseits dünn grünfilzig, seidig glänzend; ziemlich derb, aber nicht lederig. An dreiblattigen Blättern pflegt von den Seiten- blättchen, die oft Seitenlappen zeigen, das eine kurz gestielt zu sein, das andere zu sitzen, auch fehlt zuweilen die aufgesetzte Spitze. Blätter der rispentragenden Aeste 3—5blattig; Blättchen sitzend oder das eine und andere sehr kurz gestielt, mit den Rändern sich deckend, gross, meist ei-rautenförmig, stumpf gespitzt oder fast abgerundet an der Spitze. Blüthenstand an der Spitze des Stengels gehäuft, 5—7blüthig; entfernt unter demselben in einer Blattachse ein kurzes, 2—3blüthiges Aestehen. Kronen gross, blassrosa. Martignano, auf Weinbergmauern kletternd.
Rubus Vestii X caesius dürfte ein Rubus an Mauern bei Molveno dar- stellen, wenn nicht der Mangel an Drüsen diese Combination vernichtet. Neben- blättehen lineal-lanzettlich, Schösslinge liegend, dünn, rundlich, grün, kahl, ziem- lich reich mit kleinen blassen Stacheln bewehrt. Blätter dreiblattig, lang gestielt, Stiele reich klein bestachelt; Blättehen frei oder mit den Rändern sich deckend, eiförmig, kurz zugespitzt, trübgrün, oberseits kahl, unterseits mit grünlichem, im Lichte seidenartig glänzenden dünnen Filz bekleidet, unregelmässig grob gezähnt, sparsam bewimpert, am Grunde abgerundet; Endblättchen kurz gestielt, seiten- ständig sitzend oder eines sehr kurz gestielt; Stiele schwach behaart, reich klein bestachelt. Rispentragende Aeste lang, fast kahl, blattreich, mit zahlreichen kleinen, gekrümmten Stachelchen bewehrt; ihre Blätter in der Jugend unten fast weissfilzig, rundlich oder kurz bespitzt. Rispe kurz, wenigblüthig, zuweilen von einem bis drei weit entfernten unteren, von grossen Blättern gestützten Neben- träubehen begleitet und dann scheinbar beblättert. Achse, Aestchen, Stiele grün- filzig und behaart, mit nadelförmigen rothen Stachelchen dicht bewehrt; Sepalen zugespitzt, grünfilzig, schmal weissfilzig berandet, bestachelt, sub anthesi abstehend, an die Frucht angedrückt. Kronblätter weiss, den Kelch kaum doppelt über- ragend; Blüthen theilweise fehlschlagend; Frucht klein, aus wenigen länglichen, härtlichen, röthlichschwarzen Körnern bestehend. An der Richtigkeit der Combi- nation zweifelnd, habe ich diesen Rubus im Herbar als Rubus Molveno unter- schieden. September.
Rosa molvenoensis bezeichne ich vorläufig eine Rose, deren grosse ei-, zu- weilen birnförmige, sehr kurz gestielte, zuweilen sitzende, nackte und kahle Frucht
mit aufrecht abstehenden und nur kleine Anhängsel zeigenden Kelchzipfeln und
2. B. Ges. Bd. XLVI. )
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wolligen Griffeln eine Glauca anzeigen, deren Blättchen verhältnissmässig klein, meist eilanzettlich, einfach sägezähnig und wie die ganze Pflanze kahl sind. Stacheln ziemlich derb und sichelförmig, an den blüthentragenden Zweigen fast gerade. In Blüthe bis jetzt nicht gesehen. Molveno, am Ufer des Sees. Vielleicht eine Zwischenform zwischen Rosa glauca und canina.
Alchimilla. Gelmi hat die neueren Untersuchungen Buser’s (Bull. de la Soeiete dauph., 1892, p. 92 ff.; Les Alchimill. subniv. in Bull. de !’Herbier Boiss., Tom. 2, 1894; Berichte der Schweiz. botan. Gesellsch., 1894, Heft 4) unberück- sichtigt gelassen, letztere beide, weil sie noch nicht vorlagen, daher dürfte eine kurze Uebersicht der für das Trentino in Frage kommenden Arten hier am Platze sein.
1. Alpinae. Alchimilla grossidens Bus. (A. subsericea Reut. p.p.). Blätter fast kahl, wenig zottig; Blättchen tief kammartig gezähnt, Zahnung an den Seiten- rändern nicht hinabgehend,!) verkehrt-eiförmig oder länglich verkehrt-eiförmig. Granitpflanze. An den Buser’schen Original-Exemplaren sind die Blätter bis auf den Grund zertheilt, und decken sich die Blättehen mit den Rändern. Val Daone, zwischen den Malgen Nudole und Boazzo an Felsen des Chiese-Ufers. 22. August 1895. Hier in zwei Formen: mit bis auf den Grund getheilten Blättern, deren Blättchen sich nur zum Theile mit den Rändern decken, und mit Blättern, deren Theilung theilweise nicht bis auf den Grund geht.
Alchimilla subsericea Reut. (non Koch, nec Gaud.). Ausläufer treibend; Blättehen 5—7, oberseits glänzend, an der Spitze tief gezähnt, Zähne zusammen- neigend; Granit und Kalk. An den Buser’schen Exemplaren ist das Blatt bis auf den Grund getheilt. Bislang von mir hier nicht gefunden.
Alchimilla alpina L. Blätter bis auf den Grund getheilt, Blättchen nie über sieben, an der Spitze fein gezähnt, Zähne dicht aneinander schliessend. Nach Gelmi „frequente sui monti di Fiemme, Val Sugana, Giudicarie, Palu, Baldo“. Von mir bislang nicht gefunden, bezweifle auch die Häufigkeit, da nach Buser diese Art auf die Centralalpenkette beschränkt ist.
Alchimilla Hoppeana Rb. Blätter nicht bis auf den Grund getheilt;
Blättchenabschnitte bis neun. Zahnung an den Rändern hinabgehend. Kalkpflanze. f
Ob die von Gelmi auf dem Stivo angegebene Pflanze mit zum Theile unten zusammengewachsenen Abschnitten hieher gehört, bezweifle ich; ich halte sie für die folgende:
Alchimilla transiens Bus. (A. saxatilis var. transiens Bus.). Ausläufer treibend. Blätter kurz fünfschnittig, innere Abschnitte bis auf den Grund ge- theilt, elliptisch, nur vorn gezähnt; Kelchblätter seidig. Val Sugana, Cima Giotera, Porcegno, Setteselle, Monte Baldo, Judicarien, Frate di Bregazzo; Rovereto, Stivo?
Alchimilla pallens Bus., der Hoppeana ähnlich, schwächer seidenhaarig, heller. Blätter bis achtschnittig, oberseits glauk, unterseits deutlich netzaderig; Abschnitte unten zusammengewachsen, Zahnung offen, beiderseits hinabgehend. Rovereto, Stivo?
!) Nach Original-Exemplaren Buser's.
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2. Pubescentes. Alchimilla pubescens Lam.!) (A. subsericea Koch, non Reut.; A. montana Willd. p. p.). Bogig aufsteigend; Blätter oberseits weich-, unterseits weiss seidenhaarig, glänzend, bis neunlappig, ringsum gezähnt. Trient, Monte Gaza, Monte Brugino; Val di Ledro, Malga Droma&.
Var. glaucescens Wallr. Niederliegend, ausgebreitet. Blätter glauk, Lappen halbkreisrund. (Norddeutsche Waldgebirge: Süntel, Harz.) Trient, Alpenweiden der Cima Canfedin: eine kleinere Form (var. subalpina).
Alchimilla colorata Bus. Krone innen purpurbraun; Blätter unterseits deutlich netzaderig. Lappen nur vorn gezähnt, nur auf den Nerven seidenhaarig. An den Buser’schen Original-Exemplaren vermag ich die purpurbraune Färbung der inneren Blüthe nicht zu erkennen, habe aber viele Exemplare der A. pube- scens und auch der A. flabellata aufgenommen, an denen die Mitte der Krone dunkelbraun bis schwärzlich gefärbt ist. Der Hauptunterschied scheint mir mit dem Satze ausgedrückt werden zu können, dass Alchimilla colorata Bus. eine Form der A. flabellata mit unterseits nur dünn behaarten Blättern darstellt, deren Geäder man unter den Härchen erkennen kann. Annähernde Exemplare habe ich am Hafelekar bei Innsbruck aufgenommen.
Alchimilla flabellata Bus. (A. pubescens Koch., non Lam., nee M.-Bieb., nec Willd.). Pflanze grauzottig; Blattlappen nur vorn gezähnt, an den Seiten ganzrandig. Trient, Monte Canfedin und Passo di S. Giovanni; Val di Ledro, Monte Pari; Mori, Monte Brugino.
Alchimilla intermedia Hall. fill. (A. helvetica Brügg.). Niederliegend; Blätter breit und tief gelappt, Lappen vorn tief, fast „fingerförmig“ gezähnt, ab- gestutzt; ganze Pflanze einschliesslich der Inflorescenz dicht behaart. Ich glaube sie angetroffen zu haben auf Triften der Malga Ciago auf dem Monte Gaza.
3. Splendentes. Alchimilla splendens Christ wird im Trentino kaum vorkommen; sie ist eine Pflanze der Schweiz. Blatt flach, „cartacee, 9—11lobee, glabre en dessus, d’un vert glauque sombre, a face inferieure soyeuse-pubescente, a nervures brillante, dentel&e ä dents petits, dent terminale tres petite“.
4. Calieinae. Alchimilla fissa Schum. Spinale bei Campiglio, Tonale ete.
Alchimilla acutidens Bus. Niederliegend, gelbgrün, glänzend, fast kahl. Rhizom holzig; Blätter gewellt, neunlappig, kahl, auf den Nerven unterseits seidenhaarig; Lappen dreieckig-eiförmig, ringsum gezähnt; Zähne spitz, pinsel- artig seidenhaarig; Blattstiel anliegend lang- und weisshaarig. Stengel unten lang behaart, oben kahl; Stengelblätter bis !/; und !/, (obere) eingeschnitten, gelappt. Infloreseenz locker, an den Enden der Aeste geknäuelt, kahl. Ritten, Seiser Alpe, Schlern.
Alchimilla connivens Bus. Dunkelgrün. Rhizom schwach; Blätter neun- lappig, flach, derb, unterseits glanzlos, glauk, gefaltet, an den Falten, Nerven und am Stiel glänzend seidenhaarig; Lappen halbeiförmig, ringsum gezähnt, Zähne spitz, pinselförmig, zusammenneigend; Blattstiel lang behaart, jung seidig. Stengel
ı) Die Form vegeta des Buser’schen Alchimilla Herb. kann ich von anderen behaarten
Formen desselben nicht recht unterscheiden, z. B. von A. pastoralis Bus, 9*
68 Georg Evers.
niederliegend, bis zur Verästelung schwach zottig; Stengelblätter klein, tief ein- geschnitten. Inflorescenz kurz, dünnästig, kahl, in lockeren Knäueln. Monte Baldo, Belluneser Alpen, Ritten bei Kupenna.
Alchimilla fallae Bus. Steif. Blätter oberseits kahl, unterseits weich seidenhaarig, graugrün, bis neunlappig. Stipeln trockenhäutig. Stengel unten an- liegend grauhaarig. Inflorescenz locker, Stiele haardünn. „Südliche Alpen.“
Alchimilla sericoneura Bus. Wie vorige, aber derb, gedrungen. Blätter bis 11lappig, lederig, rothbraun gefleckt, seicht gelappt, gezähnt; Zähne weiss pinselhaarig. Inflorescenz „corymbös“.
5. Vulgares. Alchimilla pastoralis Bus. Blätter bis neunlappig, beider- seits zottig, jung seidenhaarig, glauk; Lappen halbeiförmig, Zähne „mommi- formes mucronees“. Stengel wenig beblättert. Inflorescenz locker; Blüthen schwach behaart oder kahl. Trient, Monte Maranza; Rovereto, Passo della Beeca del Bon- done (Orto d’Abramo). Form vegeta, üppiger und höher. Trient, Monte Vasone.
Alchimilla alpestris Schmidt (A. glabra Kern. p. p.). Val Daone, Val Genova.
Alchimilla exigua Bus. Habitus der A. flabellata, aber Blattzahnung ringsum, zusammenneigend. Inflorescenz kahl. Kelchröhre schmal birnförmig. (Bormio.)
Alchimilla strigosula Bus. Hellglauk. Stengel und Blätter rauhzottig; Blätter wellig, seicht gelappt. Inflorescenz schmal, locker geknäuelt. Blüthen gross, dicklich. „Südtirol.“
Alchimilla micans Bus. Dunkelgrün, zottig, jung seidig. Blüthen kahl; Blätter rundlich, tief und schmal gelappt, oberseits schimmernd. Stengel nieder- liegend, schwach ;\Inflorescenz flattrig. (Innsbruck, Rumer Joch.)
Alchimilla suberenata Bus. Schwach abstehend zottig, aber Inflorescenz kahl. Blätter papierdünn, rund, stark wellig, aber dünn behaart, breit und tief gelappt; Zahnung „zizenförmig, wie gekerbt*. Inflorescenz mager, durchblättert, trugdoldig; obere Stengelblätter mit tiefen, spreitzenden Lappen. Trient, Maranza.
Anmerkung. Von vorstehender glaube ich eine Variation bei Innsbruck gefunden zu haben: var. oenipontana m. Blätter oberseits flach, fast kahl, nur gegen die Zahnung hin etwas seidig schimmernd (im Lichte), unterseits seidig behaart, meist siebenlappig, Lappen halb kreis- oder halb eirund, Zähne gewim- pert; Stengel meist von unten aufwärts ästig, bis oben hin abstehend kurz behaart, an der Sonnenseite oft korallenroth. Blattstiele gelblich seidenzottig; Kelchzähne gewimpert. Inflorescenz fast kahl, von einzelnen Haaren gewimpert. Fruchtkeleh birnförmig. Innsbruck: Solsteingebirge, Brandjochboden. September 1884.
Amygdalus Persica L. var. spontanea. Trient, Bolgher, in Hecken.
Sorbus domestica L. Wild, meist nur als Strauch.
Rhus typhina L. Wie verwildert. Trient, Goccia d’ Oro.
Ailanthus glandulosa Desf. Ueberall verwildert.
Euphorbia maculata Pall. (E. Preslü Guss.). Ueber fusshoch in Wein- bergen auf Muralta bei Trient.
Euphorbia duleis L. f. pubescens. Trient, Goceia d’ Oro.
Beiträge zur Flora des Trentino. 69
Euphorbia falcata L. kommt in zwei Formen vor: mit wehrlosen Blättern (einfach oder spreitzend ästig) und mit mueronirten Blättern (f. mueronata). Letztere, viel seltener, hat einen anderen, schlankeren Habitus, der sie schon von Weitem unterscheiden lässt. Trient, Muralta in Weinbergen; Monte Terlago, an felsigen Orten.
Oxalis acetosella L. rosiflora. Mit ganz rosenrothen Kronen. Mori, Sla- vini di S. Marco.
Linum laeve Scop. (L. alpinum L. var. montanum Koch) mit steif auf- rechten Fruchtstielen. Monte Baldo, Costabella.
Geranium parviflorum Viv., Fl. lyb. sp., p. 39 (@. purpureum Vill., Dauph., 3, P- 374, Pl. 4; @. Robertianum L. var. parviflora Gr. et Godr., 1, p. 306). Trient, Mezzotedesco u. s. w. in Gebüschen und Wäldern; geht nördlich bis Bozen. (Rom, Insuggherata in den Macchien.) Kronen denen des Geranium lueidum an Grösse und Farbe ähnlich. Mai.
Var. succulenta. Klein, steif aufrecht oder ausgebreitet liegend, im frischen Zustande etwas fleischig. Form der heissen Felsen. Trient, Muralta ete., Mori, Slavini di S. Marco, ms ete. (Auch in den Abruzzen bei Oronto von Felsen gesammelt.)
Geranium sangwineum L. f. latisecta. Blätter nicht bis auf den Grund zerschnitten, kaum bis ?/; des Umfanges, Abschnitte kurz, breit oval, vorn abgestumpft.
Var. parviflora. Kronen halb so gross (so bei Rom, Insuggherata).
Var. parviflora caerulea. Kronen dunkelblau. So eine Staude: Trient, Goceia d’ Oro.
Hibiscus syriacus L. häufig in Lusthainen; Trient, Goceia d’Oro, am Salebache.
Philadelphus coronarius L. Monte Baldo, Val Aviana; Sareathal unter Stenico; Trient, bei Aldeno in den Boschi gegen Val Cei ete.
Epilobium parviflora X hirsutum. Kronen halb so gross als an Epi- lobium hirsutum. Loppio, am Loppiobach; scheint dort als selbstständige Art aufzutreten.
Lythrum Salicaria L. Die in Norddeutschland gemeine Form (Blüthen- quirle dicht, eine einzige walzliche ununterbrochene Aehrentraube bildend) scheint hier nicht vorzukommen. Auch die in Thüringen von mir beobachtete Form (ästig mit ruthenförmigen Aesten, lockeren und oft unterbrochenen Trauben und langgespitzten, wagrecht aus der Traube weit abstehenden Bracteen) ist mir bislang noch nicht aufgefallen (f. ramosa). Hier fällt mir eine Form auf mit Stengel, der unterhalb der Traube in einer diese oft um das Doppelte übertreffenden Länge nur mit kleinen, kurzen, einander ziemlich genäherten, bracteenartigen Blättchen besetzt ist (f. tridentina?). Ob diese Form constant ist, habe ich noch nicht beobachtet. Ferner:
Var. pumilum m. Stengel bogig aufstrebend, 30—40 cm hoch; unterste Blätter elliptisch, vorn stumpf, übrige lanzettlich, nur 3—4 cm lang. Traube kurz, locker, unten unterbrochen, Blüthenquirle von. kurzen, aus der Traube nicht
70 Georg Evers.
hervorragenden, aus herzförmiger Basis zugespitzten Bracteen gestützt. Trient, Monte Terlago; in Sümpfen am Lago Santo mit Galega offieinalis.
Sempervivum acuminatum Schott. Trient, Goceia d’ Oro, vuleanische Felsen (Art Basalt); Rovereto, Passo della Becea del Bondone, Kalkfelsen; Waidbruck, Porpbyrfelsen.
Sempervivum alpinum Griseb. et Schl. Trafoi, Franzenshöhe.
Sempervivum Wulfeni Hoppe. Val Daone, Franzenshöhe.
Sempervivum barbulatum Schott ($. montanum X arachnoides). Trafoi.
Sazxifraga carinthiaca Schott et Kotschy. (Stengel von der Mitte an oder oben locker rispig.) Trient, Cima Canfedin, Wormser Joch.
Sasxifraga brevifolia Sternb. Nago, an Felsen des Forts. April.
Saxifraga rhaetica Kern. Val Vestino, Trafoi, häufig.
Sasifraga mutata L. In wahren Riesenexemplaren mit ruthenförmigen Nebenstengeln und langen Aesten, z. B. Passo della Beeca del Bondone über Rovereto.
Saxifraga Burseriana L. in zwei Formen; die grossblüthige Thalform: Trient, Vela; Etschthal von Condino bis Salurn. März, April. 2. f. alpina. Kronen halb so gross, ganze Pflanze kleiner. So: Cornetto d’Abramo, Bondone ete.
Sazxifraga petraea L. in sehr üppiger Form im oberen Avianathal des Monte Baldo auf nassen Felsbänken.
Dianthus Pontederae Kern. (Sched. 2, 67). Trient, Monte Celva.
Dianthus inodorus L. var. humilis. Fingerhoch, braunknotig; Blätter steif, Stengelblätter wagrecht abstehend. Brenta.
Dianthus erubescens Trev. Waidbruck; Völs am Schlern; Monte Baldo, Brentonico.
Dianthus speciosus Rb. Schlern.
Silene nemoralis W. K. var. rubriflora. Trient, Muralta, in dumetis saxosis vinetor.
Silene livida Koch var. albiflora. Trient, Villa Rossi, in dumetis rupestribus.
Silene Saxifraga L. f. fusca. Blüthen dunkelbraun. Trient, Doss Trent.
Cerastium brachypetalum Desp. f. villosa decumbens. Trient, Muralta in vinetis.
Cerastium tauricum Spreng. Mori, Slavini.
Cerastium triviale Lk. var. holosteoides Fr. Trient, Goccia d’ Oro.
Chenopodium striatum Kras. (1894). Blätter eiförmig-lanzettlich, dunkel- grün, Zweige rothgestreift. Trient, Campo trentino; am Etschdamm hie und da. Scheint nach brieflicher Mittheilung Dr. Murr’s neu eingeschleppt zu sein.
Phytolacca decandra L. Verwildert hie und da: Trient, Goceia d’ Oro.
Helianthemum canum Dun. Mori, Slavini, Trient, Monte Celva, Riva.
Helianthemum alpestre DC. (H. italicum Pers. var. alpestre G. et Gr.). Becea del Bondone über Cei; Monte Gaza ete.e Gelmi subsummirt diese Art nebst FH. canum Dun. unter H. oelandicum Wahlbg. Nach Kerner, Sched., III, p. 69, ist A. oelandicum aber eine andere Pflanze als H. alpestre Jacq., welches ermuthlich eine Form des H. alpestre DC. darstellt. Das hiesige, von mir hier
Beiträge zur Flora des Trentino, 71
gemeinte Helianthemum hat verhältnissmässig grosse, leuchtend gelbe Kronen, dieht weisszottig behaarte Kelche, weissfilzige Blüthenstiele. Pflanze vielstengelig, Stengel unten holzig. Blätter zu zwei einander entgegengestellt, sitzend (die untersten kaum gestielt), schmalelliptisch, kurz, oberseits kahl, unterseits behaart, Aeste der Stengel abstehend dicht kurz und locker langhaarig.
Helianthemum micranthum G. et Gr. (H. italicum Pers. var. mieranthum G. et Gr.). Die vorige Pflanze en miniature; Kronen kaum den Kelch über- ragend. Prags, Sarlkofl, überhaupt oberhalb der Waldregion.
Helianthemum vineale Pers. (= H. piloselloides Lap.?). Den beiden vorigen ähnlich, aber Blätter unterseits weissfilzig. Trient, Weinberge, heisse Kalkhügel, z. B. Muralta etc.
Helianthemum salicifolium Pers. Warme Hügel am Gardasee bei Torri; unweit ausserhalb der Grenze des Trentino.
Helianthemum rude Kern. Pflanze rauhhaarig. Blätter gestielt, lang, schmalelliptisch, mit Sternhaarpusteln. Torri am Benacus (Rigo). Eine üppige, sehr grossblüthige Gebirgsform mit vielstengeligem Rhizom und unten holzigem Stengel unterscheide ich als var. montana. Monte Gaza, Passo di S. Giovanni; vermuthlich noch weiter verbreitet.
Helianthemum vulgare Gärtn. Eine Winterform mit braunrothen Kelchen findet sich in Goecia d’Oro bei Trient in schneefreien Wintern. Die Blätter scheinen auf der Unterseite schwache Sternhaarpusteln zu zeigen; in diesem Falle dürfte die Form zur vorigen zugehören.
Cheiranthus Cheiri L. Mezzotedesco, im Walde unter den Felsen des Castells Mezzocorona, einige wenige Stöcke.
Matthiola incana DC. Riva, Monte Brione, an Felsen über der Torbole- strasse einige Stöcke, wahrscheinlich Gartenflüchtlinge.
Roripa amphibia Scop. f. longidentata. Während von den beiden in Norddeutschland, Thüringen und Franken von mir angetroffenen Variationen die eine nur ungetheilte Blätter (f. riparia Tausch?), die andere die untersten Blätter kammförmig eingeschnitten, die übrigen ungetheilt zeigt, und eine dritte, schwim- mende Form (in den Teichen bei Walkenried) sehr langgestielte ovale Blätter hat mit herzförmiger Basis und zwei entfernten Oehrchen an den fast geflügelt erscheinenden Blattstiel (f. cordata), zeigt die Pflanze des Loppio-Sees, die ich oben unterschieden habe, gefiederte unterste und langgezähnte obere Blätter; nur die obersten als Deckblättchen der Inflorescenzäste fungirenden Blättchen sind ganzrandig. Kronen grösser und lebhafter gelb, als an den nördlichen Pflanzen. Loppio, im See.
Draba montana Koch (D. saxigena Jord., ef. Sched., Nr. 891). Stiel der Schöttehen länger als diese; Schötchen kahl. Schaft der Traube länger als diese. Kronen gross, goldgelb. Trient, Cima del Bondone. Die Kronen ähnlich denen der Draba Beckeri Kern.
Draba Huteri Porta (Herb. Porta, Plantae ex Tirol. bei Huter). Val di Ledro (P.). Ob eine gute Art, vermag ich nicht zu beurtheilen; sie steht der
12 Georg Evers.
Draba frigida Saut. nahe. Porta findet einen Unterschied in den Schoten („apice sensim attenuata stilo diametri sublongiori“).
Biscutella laevigata L. var. hispida. Riva, an Felsen der Ponalestrasse. Etschufer zwischen Mattarello und Aldeno bei Trient.
Var. glabra coriacea. Blätter fast lederartig. Riva, an Felsen der Ponale- strasse.
Nuphar luteum Sm. hat doppelt so grosse Blüthen und Früchte als die nord- deutsche Pflanze.
Helleborus altifolius Hayne kommt mit rosenfarbenen (selten) und braunen bis grünlich braungelben Kronen vor. Rovereto, vom Castell Noarna bis zum Monte Stivo hinauf (die weissblühende ist dort selten). Val di Pur bei Pieve di Ledro (alle drei Varietäten).
Anmerkung. Helleborus viridis L. mit doppelt grösseren Blüthen als an der norddeutschen Pflanze. Rocca di Garda.
Ranunceulus auricomus L. kommt einblüthig mit R. Thora L. im Val Brenta über Pinzolo vor (f. alpina Schur).
Ranuneulus Aleae Willk. = R. Cengialti Kern. Trient, Chegul. — Var. albiflora. Rovereto, in Weinbergen beim Castell Barco.
Aconitum ranunculifolium Rb. Wälder am Schlern.
Var. dolomiticum m. Wurzelblätter mit breiteren Blattlappen, kürzeren Ein- schnitten, genäherten (nicht spreitzenden) Abschnitten, im Umkreise fast nieren- förmig (Lienz, Amblacher Bergwiese, Juli 1878). Rovereto, Becea del Bondone.
Aegopodium Podagraria L. var. baldense m. Stengel über 1m hoch, schlank; untere Stengelblätter lang gestielt, Blattfiedern elliptisch-lanzettlich, lang zugespitzt, doppelt gesägt-gezähnt; hat eine elegante Tracht im Vergleiche zu der gewöhnlichen Pflanze. Monte Baldo, in Wäldern oberhalb La Scaletta bei S. Giacomo. Beim ersten Anblick der oft fast bis mannshohen schlanken Stauden glaubt man nicht, ein Aegopodium vor sich zu haben.
Heracleum montanum Schleich. (H. asperum Hausm., non M.-B., H. Pa- naces Rb.). Blätter unterseits kahl oder grauhaarig, mit geraden Seitenrändern. Kommt auch mit rothen und mit gelblichen strahllosen Kronen vor. (Letztere z. B. auch bei Nauders.)
Heracleum pyrenaicum Lam. (H. Pollinianum Bert., nicht, wie Gelmi will, identisch mit ZH. asperum Hausm.). Blätter unterseits weisslichfilzig. Bon- donekette.
Heracleum flavescens Bess. Fruchtknoten kahl. Kronen gelblich, strahllos. Blätter fünfzählig, gefiedert, Abschnitte handförmig, fiederspaltig, unterseits weiss- filzig. Fassa, Caressapass; Trafoi.
Torilis infesta Hoffm. var. longistyla Rb. Trient, Muralta, in Weinbergen.
Asperula leiantha Kern. Gelmi führt eine A. longiflora W. K. Hausm. auf, bezweifelt dann die Richtigkeit seiner Citate und findet zuletzt, dass „la
nostra sta molto vieina alla eynanchica*. Letztere nun hat „corolla con lembo.
quasi eguale al tubo, esternamente rugoso-papilloso“ (Arcangeli). Die
Pflanze jedoch, welche Gelmi mit obigen Citaten im Auge hat, zeigt eine aussen
Beiträge zur Flora des Trentino. 75
durchaus glatte und kahle Corolle, hat also mit A. cynanchica nichts zu thun. Asperula leiantha Kern. unterscheidet sich von A. longiflora W. K. Hausm. durch ebenfalls aussen glatte Corollen, während die Corolle der letzteren als von aussen „eminentüs per lentem videndis scabriuscula* beschrieben wird (conf. Sched., VI, p. 82, 83). Dieselbe äussere Beschaffenheit der Corolle zeigt A. aristata L. fil., welche sich von A. longiflora W. K. durch graugelbliche Corollen und stumpfe Zipfel derselben unterscheidet. Letztere habe ich bei Terracina und die var. gar- ganica Hut. (mit viel kürzeren Blättern) am Gargano aufgenommen, die roth- blühende Asperula longiflora W. K. mit spitzen Corollenzipfeln in den Abruzzen bei Oronto. Die Trienter Asperula nun kommt, wenn ich recht sehe, in zwei Variationen vor, die vermuthlich durch den Standort bedingt sind und vielleicht sich nicht streng von einander scheiden lassen. Die eine ist die Felsen-, die andere die Buschform. Erstere hat im Allgemeinen kürzere Corollen und Blätter, kürzere und steifere Stengel als letztere, bei welcher die mittleren langen Stengelblätter ausserdem oft wagrecht abstehen. Man könnte erstere vielleicht als f. strieta unterscheiden. Corolle aussen glatt und kahl, die Röhre mindestens doppelt so lang als der Saum.
Galium maximum Moris. Ein @. palustre L. mit breiteren Blättern und überhaupt in allen Theilen grösseren Verhältnissen, sowie rückwärts rauhem Stengel. Campo trentino, Etschthal bei Salurn. Galium elongatum Presl, ähnlich, aber mit glattem Stengel, ist mir noch nicht begegnet.
Galium tiroliense Willd. (@G. insubrieum Gaud.) ist bis 5 Fuss hoch, mit papierdünnen Blättern. Salurn, Etschthal; Bozen.
Galium elatum Thuill. Blätter „obovees ou oblongues-lanc£olees, assez courtes“, aber nicht papierdünn, kürzer als bei voriger, fester, von mir bei Metz aufgenommen. Val Daone, Boazzo. Früchte genarbt; die der Pflanze von Val Daone kleiner als bei der von Metz, daher vielleicht als var. montana zu unter- scheiden.
Galium pubescens Schrad. (@. Mollugo L. var. hirtum Mey., Chlor. hannov., p. 368). Bozen, Trient ete. an warmen Standorten.
Galium erectum Huds. (@. Mollugo L. var. angustifolium Neilr.). Bozen, Kematen am Ritten, Runkelstein, Trient, Sopramonte etc.
Galium scabridum DC. (@. lueidum B. hirtum Neilr., @. scabrum M. et K.). Riva, Castell Tenno.
Galium cinereum All. an allen heissen Kalkfelsen um Trient.
Galium praecox Wirtg. Kronen goldgelb, grösser als bei @. verum, ge- ruchlos; Blätter breiter. Um Trient, z. B. am Fersinadamm.
Galium rubrum L. Kahl; Kronenzipfel haarspitzig. Galium piligerum Braun (Sched., VI, p. 79). Behaart. Bozen, Ritten. | Galium obliquum Vill. (G. mueronatum Lam.). Kronen weisslich, haar- - spitzig; Stengel behaart. Trient etc. | Galium pseudo-obliguum Braun (Sched., VI, p. 79). Kahl. Kronen weiss, Zipfel nur zugespitzt, nicht haarspitzig. Eisackthal bei Waidbruck. Z.B. Ges. Bd. XLVI. 10
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74 Georg Evers.
Galium Leyboldii Braun. Kahl, glatt. Kronen röthlich bis roth; Zipfel nicht haarspitzig. Rispe schmal (= Galium tirolense Leyb., non Willd.). Waid- bruck bis Kastelruth und Seiss. Trient, Vasone.
Var. purpurea. Kronen dunkelroth, Zipfel stumpf. Monte Baldo, S. Giacomo.
Galium harcynicum Weig. (G. saxatile L. p. p.) ist nach Gelmi aus dem Trentino verschwunden.
Galium austriacum Jacq. (conf. Sched., VI, p. 74 ff. und I, p. 60). Gelmi hält den Namen Galium silvestre Pollich. fest. Von den Arten, welche dieser Sammelname zusammenwirft, zeigt sich Galium austriacum Jacg. (G. pusillum Neilr. var. nitida) in der Region der Kalkberge. Monte Gaza; Bondone ete. Ebendaselbst auch
Galium asperum Schreb. (@. scabrum Jacq., @. silvestre var. pubescens Schreb.), Pflanze bis oben hin behaart, und
Galium nitidulum Thuill., Pflanze nur unten behaart, endlich
Galium laeve Thuill. (@. silwestre glabrum Koch), die kahle Form mit armblüthigen Rispen.
Galium commutatum Jord., kahl und glatt mit verlängerter lockerer Rispe, und
Galium nitidulum Thuill. var. scabriusculum Braun, mit am Rande rauhen Blättern und lockerer Rispe vermag ich für das Trentino noch nicht zu con- statiren.
Ein kahles gelbgrünes Galium mit gelblichweissen Kronen, linealen, flachen, etwas glänzenden, vorn verbreiterten und mehr weniger lang begrannten Blättern habe ich sowohl am Rumer Joch über Mühlau bei Innsbruck, als auch im Trentino, z. B. Val Genova, Bedole und im Val Fummo beobachtet. Vermuthlich ist es das von Dalla Torre als Galium anisophyllum Vill. angesprochene Galium.
Gentiana biloba DC. (@. Charpentieri Thom., @. punctata X lutea), Monte Roön (Huter), hat Gelmi übergangen.
Pulmonaria tridentina m. Frühlings-Wurzelblätter lang gestielt, inclusive Stiel bis 40 cm lang, oval-lanzettlich, am Grunde herzförmig (oder abgerundet), in eine lange Spitze vorgezogen, zuweilen auch allmälig in den Blattstiel zusammengezogen und an demselben etwas hinablaufend, dünn, nicht glänzend, weich, unterseits mit auf Pustelchen sitzenden Striegelhaaren bekleidet, oberwärts mit hellgrünen, öfter in einander überlaufenden Flecken bedeckt, am Rande und Blattstiel wimperig, aber nicht borstig behaart. Herbstblätter bis 30 cm lang, oval-lanzettlich ohne lange Spitze, am Grunde nicht herzförmig,. sondern allmälig in den geflügelten Blattstiel verschmälert, fester, oberseits glänzend, mit hellgrünen Flecken bedeckt, sammtweich, mit sehr zer- streuten Striegelhaaren bekleidet. Blüthenstand nach dem Verblühen etwas locker, nebst den oberen Stengeln, den Blüthenstielen und Kelchen ziemlich dicht mit kürzeren und längeren gegliederten abstehenden Haaren und unter- mischten (nicht so zahlreich wie bei Pulmonaria Vallarsae Kern.) Drüsen bekleidet. Fruchtkelehe nicht aufgeblasen; Kelchzähne so lang als die Kronenröhre und diese verhüllend; Kronen grösser als an Pulmonaria offieinalis und obscura,
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Beiträge zur Flora des Trentino. 15
anfangs rothviolett, dann dunkelblau. Trient, Schlucht des Salebaches, Goccia d’Oro, Mori, Monte Brugino; Val di Ledro, Malga Dromaö in dumetis. März bis Mai.
Mentha Piperita L. Trient, Muralta, in Weinbergen, Villa Kofler 1891 (identisch mit der wildwachsenden Mentha Piperita L. des Sösethales im Harz bei Osterode).
Mentha aquatica L. var. acutifolia Sm. Trient, Fontana santa.
Var. hirsuta Koch. Ebenda.
Lycopus mollis Kern. Trient, Martignano ete. ziemlich häufig.
Lycopus europaeus L. f. gigantea. Ueber mannshoch; untere Blätter bis 15cm lang, 6cm breit, die untersten fiederspaltig, die folgenden am Grunde fiederspaltig, die mittleren am Grunde fiederzähnig, die oberen grob gezähnt. Trient, Martignano, Fersina ete., in Weinbergen, an Mauern, in Gärten und an feuchten Orten. Zycopus exaltatus L. fil., welchen Gelmi bei Martignano entdeckt haben will, habe ich bislang noch nicht aufzufinden vermocht.
Galeopsis canescens Schult. Latifolia und angustifolia häufig.
Galeopsis intermedia Vill. var. glabrescens. Stengel fast kahl mit einzelnen Drüsen, Blätter kahl, lebhaft grün, oval. Kelche mit einzelnen Drüsen; Kronen klein. Monte Baldo, S. Giacomo.
Galeopsis speciosa Mill. (@. versicolor Curt.), von Gelmi als „frequente in luoghi incolti* ete. angegeben, habe ich seltsamer Weise um Trient noch nicht zu finden vermocht. Sie scheint überhaupt vertreten zu werden durch folgende:
Galeopsis Eversi Murr, Deutsche botan. Monatsschrift, XII, 1894, S. 17 ff. (Galeopsis tridentina i. m. Herb.). Stengel unter den Gelenken nicht merklich verdickt, ganz oder im oberen Theile mehr weniger dicht abstehend behaart, Haare nicht so steif wie bei Galeopsis speciosa und nicht so weich wie bei Galeopsis pubescens; unter den Blüthenquirlen mit einzelnen Drüsen besetzt. Blätter eiförmig, am Grunde nicht herzförmig (wie Galeopsis Murriana Wettst.), sondern in den Blattstiel vorgezogen, oberseits mit kurzen, in einem Grübchen sitzenden Haaren spärlich bekleidet, unterseits blasser grün, sammtweich. Kelch grau, zuweilen spärlich drüsig. Krone mit langer, den Kelch weit überragender Röhre, gelb mit violetter Zeichnung auf weissem Grunde auf der Unterlippe (nicht mit grossem violetten Flecke wie Galeopsis speciosa). Trient, Campo trentino; Molveno bei Molini; Val Rendena, Lardaro und bei Pinzolo an Hecken (oft mannshoch); Monte Baldo, S. Giacomo, Val Sugana, Tesino ete. August, September. 7
Galeopsis Tetrahit L. £. flaviflora. Kronen gelb, ungefleckt, Stengel unter den Gelenken wenig verdickt, unter den Quirlen abstehend langhaarig mit kürzeren Drüsenhaaren, Blätter am Grunde abgerundet. Klausen, an Waldrändern oberhalb Waidbruck.
Galeopsis Murriana Wettst. et Borb. (Sched., VI, p. 39). Die hiesige Form weicht etwas von der typischen, die ich schon 1876 bei Lienz angetroffen habe, ab, dürfte auch kaum als Bastard zwischen Galeopsis Tetrahit und speciosa
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(6 Georg Evers.
aufgefasst werden, da letztere hier mindestens sehr selten ist, sondern eventuell als Combination: Galeopsis Tetrahit X @. Eversit Murr. Die hiesige Pflanze ist viel weniger drüsenreich, als die Innsbrucker und Lienzer Pflanze.
Betonica Alopecurus L. ist auch auf dem linken Etschufer bei Trient an dem Gebirgszuge der Maranza die, wie es scheint, einzige Form.
Betonica Jacgqwini Gr. et Godr. (II, 674, conf. Sched. ad flor. Austr.-Hung., III, p. 99), mit kleinen Kronen und anders behaarten Kelchen, scheint hier in der Nähe nicht vorzukommen. Aber am Schlern in Wäldern über Ratzes. Vielleicht auch an den Gebirgen der Val Sugana, was erst noch zu erforschen ist. Dass der Kelch länger behaart sei als bei voriger (Gr. et Godr.), habe ich nicht gefunden, vielmehr das Gegentheil.
Betonica damica Mill. (conf. Sched. ad flor. Austr.-Hung., III, p. 97). Baldo, Ritten, Fassa.
Calamintha nepetoides Jord. var. albiflora. Margreid bei Salurn im Etsch- thale, an Kalkfelsen.
Calamintha parviflora Lam. (©. Nepeta Clairv.) var. canescens m. Kronen weiss, ganze Pflanze grauhaarig, steif, Blätter gekerbt. Riva, Felsen der Ponale- strasse; Trient (Terracina, Solmona).
Linaria Oymbalaria Mill. Kommt auch in einer fast sonnenlosen Klamm der Crozzi di Cadine hinter Vela bei Trient vor, wo sie den Felsschutt weithin überzieht und im Herbste blüht.
Veronia polita Fr. var. rosiflora. Trient, Muralta, in Weinbergen. _
Februar, März.
Euphrasia montana Jord. Rovereto, Travignolothal ete.
Euphrasia hirtella Jord. Val di Sole, Rabbi, Fueine.
Euphrasia brevipila Burn et Grmli. Passo Cop di Mezzo im Adamello- stock (zwischen Val S. Valentini und Val Fummo).
Euphrasia drosocaly& Freyn. Schlern, Marmolata.
Euphrasia Freynii Wettst. (E. minima X hirtella). Franzenshöhe.
Euphrasia Portae Wettst. Monte Giove ete.
Euphrasia alpina Lam. Val Genova.
Euphrasia pieta Wimm. Judicarien, Monte Ringia.
Euphrasia Kerneri Wettst. Val Vestino.
Euphrasia vestinensis Wettst. (E. trieuspidata X Kerneri), conf. Oesterr. botan. Zeitschr., 1894, S. 452. Val Vestino.
Euphrasia stricta Host. Val Sugana, Tesino; Val Daone, Boazzo.
Melampyrum cristatum L. Bracteenschopf purpurn. Trient, Monte Calisio, Celva, Mori.
Melampyrum nemorosum L. f. purpurascens. Schopf röthlich bis purpurn. Trient, Monte Calisio. — Form viridis m. Schopf grün. Ebenda.
Melampyrum pratense L. var. dissectibracteatum m. Kronen goldgelb, grösser als bei M. pratense. Bracteen der obersten Blüthenbüschel in 6—7 lange, auseinander stehende, am Rande fein bewimperte, pfriemliche Zähne zerschlitzt; Kelch kahl, Kelchzähne fein gewimpert. Deckblätter der mittleren Blüthen-
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Beiträge zur Flora des Trentino. AT
büschel viel grösser, am Grunde mit beiderseits bis vier fast pfriemlichen Zähnen, in eine lange Spitze verschmälert; die der untersten Blüthen am Grunde oft bis 15cm breit. Stengel meist vom Grunde an mit zahlreichen, nach allen Seiten sparrig abstehenden Aesten; Stengelblätter nicht länger als die untersten Bracteen und schmäler. Pflanze derb. (Vielleicht identisch mit M. digitatum Schur?) Trient, Monte Calisio.
Primula digenea Kern. Riva, ad ripas torrentis Ponale in vinetis.
Primula Anisiaca Stapf. Ebenda und Trient, Sardagna ad dumetor mar- gines, rara.
Primula acaulis L. var. albiflora. Trient, am Nordfusse des Doss Trent, sehr selten.
Primula brevistyla DC. Trient, Doss Trent; Riva, Val Balino ete.
Primula longiflora All. Trient, Cima Canfedin.
Primula spectabilis Tratt. Vallarsa, Val Prigione im Passubiostock. Mai. Val’ delle Seghe, Brentastock, über Molveno. Juni.
Diospyrus Lotus L. Häufig in Anlagen eultivirt. Früchte werden von Buben genascht.
Arbutus Unedo L. Toblino, angepflanzt.
Adenophora suaveolens Mey. Monte Giore zwischen Chiesethal und Val di Ledro.
Inula ensifolia L. Riva, Felsterrassen der Ponalestrasse; Calliano, Castell Beseno.
Inula squarrosa L. Toblino, felsige Hügel gegen S. Massenza.
Achillea lanata Spreng. (non Koch). Monte Baldo.
Achillea strieta Schleich. (A. tanacetifolia All. var. angustisecta-lanugr- nosa.) Monte Baldo: Brentonico; S. Giacomo.
Achillea distans W. K. (?) var. alpestris m. Niedriger als die Ofener Pflanze, grundständige Blätter gestielt, Fiedern erster Ordnung abermals gefiedert, Abschnitte unregelmässig gezähnt; Blattspindel und Fiederachsen breit und nebst den Segmenten tief gezähnt; Zähne zugespitzt, haarspitzig. Blätter derb, weich behaart, wie Stengel und Köpfchenstiele. Hüllschuppen kahl, bleich. Monte Paganella.
Senecio alpestris Hoppe ($. longifolia Jacq.). Bondonekette (oberhalb Sardagna, Passo della Becca ete.); Baldo, Altissimo; Monte Gaza, Scanuppia etc.
Senecio pratensis Hoppe und $. paluster L. scheinen im Trentino zu fehlen.
Senecio paludosus L. var. tomentosus m. (Blätter unterseits weissfilzig.) Etschthal, z. B. bei Aldeno. Eine Form mit dünnerem graulichen Filz (var. riparius Wallr.) sammelte ich bei Strassburg a. Rh., die kahle Varietät an norddeutschen Flüssen. Ob letztere im Trentino vorkommt, vermag ich nicht zu constatiren.
Senecio Doronicum L. var. glabra. Monte Baldo, am Altissimo; die ge- wöhnliche z. B. Monte Gaza. Eine Form zwischen beiden (f. glabrescens) z. B.
‚bei Fassa, Monte Vajol am Capessapass.
Senecio rupestris W. et K. (S. nebrodensis DC., non L.) f. sinuato-den- tata. Fassa, Val Duron; Trafoi ete. — Form pinnatifida. Trient, Bondone etc.
(ko) Georg Evers.
Senecio abrotanifolius L. Mit orangerothen Blüthen. Schlern ete.
Senecio barbaraeifolius Krocker (S. erraticus Bert.) wird von Gelmi als Varietät des 5. aquaticus Huds. aufgeführt; er hat viel kleinere Köpfchen als dieser und eine ganz andere Tracht. S. aquaticus von den Wiesen bei Hannover wenigstens zeigt aufrechte Aeste und ebenso die englische Pflanze, während $. barbaraeifolia durch seine sparrigen, fast wagrecht abstehenden Aeste auffällt. Auch die in der Blattform der letzteren ähnliche Form des $. aquaticus (f. pin- natifida = $. barbaraeifolia Rb., non Krocker) zeigt die beiden erwähnten Unterschiede.
Senecio cordifolius Gouan (S. cordatus Koch) vom Monte Baldo fällt durch grössere Köpfchen, hellgrünes Blattcolorit und mehr gesägte Zahnung der fast lederigen Blätter auf.
Senecio memorensis L. wird von Gelmi als „frequente nei boschi“ ete. angegeben. Wenn der in den Waldthälern des Oberharzes (Oderthal, Rehberger Graben ete.) ziemlich häufige Senecio dieses Namens die richtige Pflanze Linne&’s ist (Stengelblätter 30 cm lang, 10 cm breit, scharf und gross doppelt gezähnt, ziemlich lang gespitzt in die einem breit geflügelten kurzen Stiele gleichende, halb stengelumfassende Basis verschmälert), so ist mir der Senecio nemorensis L. in den Alpen überhaupt noch nicht vorgekommen. Der Köpfchenstand desselben ist ausserordentlich reichblüthig und erinnert an denjenigen des Senecio fluvia- tilis Wallr. (S. salicetorum Gr. et Godr.). Im Trentino habe ich bislang nur den Senecio sarracenicus L. (S. Fuchsii Gmel.) in breiter- oder schmalerblättrigen Formen angetroffen. Auch den in Steiermark gesammelten S. Jacquinianus Rb. (S. nemorensis L. var. odorus Koch) habe ich hier nirgends gesehen. Die Angabe (Gelmi’s dürfte daher auf Unbekanntschaft mit dem Senecio nemorensis L. be- ruhen, und nur S. sarracenicus L. im Trentino sich finden.
Cirsium pannonicum Gand. kommt mit lichtgrünen und mit glauceseirenden Blättern vor; erstere Form z. B. am Monte Celva, letztere am Monte Maranza.
Cirsium Candolleanum Näg. (C. oleraceoX Erisithales). Köpfchen gehäuft, mit breiten bedornten Deckblättern und bedornten Hüllschuppen; Zungen gelblich- weiss. Köpfchenstiele flaumig, Stengel beblättert. Blätter buchtig gefiedert, dornig, oberseits etwas rauh, unterseits schimmernd, kahl.
Cirsium flavescens Koch (©. spinosissimo X Erisithales und nicht, wie Gelmi meint, = (irsium Ganderi Huter /[C. sub Erisithales X spinosissimum]) kommt auch in einer Abweichung mit oberseits nacktem Stengel vor. Trafoi.
Die von M. v. Eichenfeld im Travignolothale aufgefundenen und in diesen „Verhandlungen“ bekannt gegebenen Cirsien wiederhole ich hier nicht.
Carduus viridis Koch (©. defloratus Willd., Gand., non L.). Travignolo- thal. Vielleicht auch anderwärts.
Cardwus rhaeticus DC. (conf. Sched., I, p. 76) möchte wohl aufzufinden sein. Ich glaube eine zwischen dieser und Carduus defloratus L. (C. Summanus Poll.) stehende Variation gefunden zu haben:
Carduus tridentinus m. Untere Anthodialschuppen aus ei-lanzettlicher Basis in eine lange Spitze verschmälert (wie Carduus rhaeticus), innerste sehr
Beiträge zur Flora des Trentino. 79
kurz bedornt. Blätter dunkel meergrün, unterseits etwas blasser, kahl, tief grob buchtig gezähnt, zuweilen klein gelappt, am Rande etwas kräus, bald unmerklich in den Blattflügel übergehend, bald an der Basis scheinbar in ÖOehrchen ver- breitert und dann zusammengezogen gefaltet in denselben übergehend; Flügel bald beiderseits breit von einem Blatt zum anderen herablaufend, gelappt, bald nur an einer Seite, selten an beiden Seiten des Stengels schmälere lappige Leisten darstellend, hin- und hergebogen, wie die Blattzähne und Blattlappen mit längeren und kürzeren Dornen bewehrt. Die langen nackten Köpfchenstiele gerillt, spinnwebig und flockig behaart. Achenen theils fehlschlagend, theils kümmerlich (an dem mir vorliegenden Exemplar). Pflanze bis 80 em hoch, Stengel einfach oder vielästig, dicht beblättert. Ich kann die Pflänze nicht für einen Bastard halten, da sie ziemlich häufig sich findet und oft in kleinen Gruppen auftritt. Trient, Monte Calisio, Monte Chegul, Monte Maranza, in Gebüschen, zuerst 1890 angetroffen. Kommt breiter- und schmalerblätterig vor.
Centaurea nigrescens Willd. = C. vochinensis Bernh. (Sched., I, p. 81 ff.) dürfte im Trentino schwerlich vorkommen. Was Gelmi mit Centaurea nigrescens Koch meint, ist mir unbekannt.
Centaurea transalpina Schleich. mit weissflockiger Hülle, kleinen, drei- eckigen und angedrückten Anhängseln (Innsbruck, Stephansbrücke) kommt mit grösseren Köpfchen und längeren Fransen der Anhängsel (var. Candollei Faecch.?) bei Salurn vor.
Centaurea cirrhata Rb. (©. rhaetica Mor.). Val di Ledro, Tremalzo ete.
Oentaurea plumosa Lam. (C. nervosa Willd.). Adamellostock, felsige Hänge ober Val S. Valentino am Cop di Casa ete.
Oentaurea pseudophrygia C. A. Mey. (C. phrygia Koch, non L.). Anhängsel- fransen zurückgekrümmt; scheint im Trentino zu fehlen. Auch ©. phrygia L. mit langen, die Hüllschuppen verdeckenden, zurückgekrümmten Fransen habe ich noch nicht hier angetroffen, obgleich Arcangeli sie für das italienische Tirol angibt.
Centaurea montana L. (Kammfransen nicht länger als der schwarze Rand der Hüllschuppen.) Fingerhoch, Köpfchen sehr gross; Blätter wollig-filzig grau- grün. Castell Toblino, an heissen Kalkfelsen bei Ranzo.
Oentaurea asillaris Willd. (Fransen länger als der dunkle Rand der Hüll- schuppen.) Pflanze mit nicht filzigen Blättern. Bondone di Trento.
Var. incana Neilr. (als C. montana var. incana). Blätter grauweisslich filzig. Torbole, Nago, an heissen Abhängen.
Var. rubriflora. Blüthen roth; Blätter filzig. Trient, Monte Celva.
Centaurea Scabiosa L. Mezzotedesco, an Dolomitfelsen.
Var. ceinereocephala m. Köpfchen mit schmutzig weisslichem Wollflaum bekleidet; Hüllschuppen länglich, die oberen oft purpurn, Fransen bräunlich oder bleichgelb, gewimpert; Zungen dunkelpurpurn. Blätter lederig, hellgrün, glänzend, mit linealen oder lineal-lanzettlichen Fiedern, einfach oder doppelt gefiedert. An den Dolomitfelsen des rechten Etschthales von Margreid bis Mezzotedesco. Viel- leicht die Centaurea sordida Hausmann's. Bei Toblino kommt sie ebenfalls vor,
s0 Georg Evers.
Crupina vulgaris Pers. Ala.
Hieracium Pilosella stoloniflorum var. grandiflorum Hausm. Köpfchen so- ( j
gross wie an H. Hoppeanum; Hülle und oberer Theil des Stieles weissfilzig und schwarzdrüsig; Köpfchenstiele bis 36 cm lang. Ausläufer dick, bis 50 cm lang, niederliegend, mehrere steif aufrechte Köpfchenstiele treibend. Trient, Goceia d’Oro.
Var. Peleterianum Mer. Bozen, Meran.
Hieracium bifurcum M.-B. (H. bifwreum Koch p. p., H. praealtum X Pilo- sella.) Stengel 1—2blättrig, in der Mitte gegabelt. Mori, Slavini di S. Marco.
Hieracium Kochit Gremli (H. breviscapum Koch, non DC.). Trafoi.
Hieracium flavum Gand. (H. aurantiacum var. luteum Koch, H. sabino X aurantiacum Neilr.) ist vielleicht die von Gelmi „AH. aurantiacum var. bicolor Hausm. — luteum Facch.“ genannte Pflanze.
Hieracium cymosum L. (H. Nestleri Vill.). Trient, Bondone; Goccia d’Oro.
Gelmi’s Hieracium porrifolium X sabaudum ist ein Missverständniss der Erörterung von N. P. über die Formenreihe von H. porrifolium bis H. sabaudum einer- und bis H. umbellatum andererseits. Die wenigen dürftigen Exemplare, welche der Autor dieses angeblichen Bastardes mir als die einzigen seines Fundes zu zeigen sich herbeiliess, sind magere Individuen des M. leiosoma N. P., oder genauer, da die Köpfchen verhältnissmässig klein sind, des H. Calisii m. und stammen von der „Scala“ bei Trient, wo ich ebenfalls einige ähnliche Individuen beobachtet habe. N. P. erklären ihr H. leiosoma mit der Formel H. porri- folium — umbellatum, aber nicht: H. porrifolium X umbellatum, und das H. leiocephalum Bartl. mit der Formel H. porrifolium — sabaudum, aber nicht: H. porrifolium X sabaudum, und weisen ausdrücklich die Auffassung der genannten Arten als Bastarde zurück. Das H. leiocephalum Bartl. ist jedenfalls eine ganz andere Pflanze, als die von Gelmi H. porrifolium x sabaudum getaufte Form.
„Flieracium saxatile Jacq.“ ist eine vieldeutige Phrase, da Jacquin zwei verschiedene Pflanzen nacheinander so genannt hat. N.P. behalten diese Phrase als Bezeichnung einer ihrer Subspecies; welche Pflanze aber Gelmi mit diesem Namen meint, lässt er im Unklaren.
Hieracium bupleuroides Gmel. „Die typische Pflanze dieses Namens findet sich ausschliesslich in Schwaben.“ N. P. Es wäre mithin am besten, wenn nur die schwäbische Pflanze mit diesem Namen bezeichnet bliebe. Im Trentino kommt mit Sicherheit nur Heeracium crinifolium N. P. var. como- phyllum N. P. von den unter Hieracium bupleuroides Gmel. von ihnen sub- summirten Arten vor: Fleimsthal, Moöna (N. P.). Rosettblätter lang gestielt, behaart wie der Stengel; Hülle grau, weichhaarig; die Varietät mit dichter weicher Behaarung der Blattunterseite. Nach Murr (Oesterr. botan. Zeitschr., 1895, S. 425, 426) gehört Hieracium Schenkü Griseb. (die gewöhnliche Form
der Gruppe Hieracium bupleuroides Gmel. [bei N. P.] = H. Tellianum A. T.
in den nordtirolischen Kalkalpen) zu der Subspecies Hieracium cerinifolium N. P. Im Trentino ist mir das Hieracium Schenkii Griseb. bislang noch nicht begegnet. Was das Hieracium calycinum A. T. betrifft, welches von N. P. zu ihrem Hiera- eium subspeciosum gezogen wird (mit?), so hat A. T. eine von mir am Arlberg
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Beiträge zur Flora des Trentino. 81
gesammelte, sehr schöne, gänzlich kahle (nur die Köpfchenhülle ist behaart), mehrstengelige Form brieflich bestimmt als „Zlieracium calyeinum A. T., H. glaucum et buwpleuroides inter et H. scorzoneraefolium quasi medium, sed tamen prioribus magis appropinguatum meo sensu.* Bei Trafoi, an den Moränen des Mädatschferners habe ich eine Form aufgenommen, die dem Hieracium calathodes N. P. (H. bupleuroides Gmel. subspec. calathodes N. P.) zu ent- sprechen scheint. (Stengel und Blattunterseite, sowie Blattrand schwach behaart, Blätter elliptisch.)
Hieracium glaucum All. var. Willdenowii Monn. Hochgabelig, kahl. Vintschgau, Gomagoi; Campiglio.
Var. turbinatum N. P. Köpfchenstiele unter dem Köpfchen angeschwollen, Rosettblätter kurz gestielt, lanzettlich, derb, am Grunde behaart. Scanuppia, über S. Sebastiano; Monte Baldo, Brentonico;, Torbole.
Var. subturbinatum N. P. Köpfchenstiele nicht oder kaum verdickt, Blätter bis 1'/; cm breit, kurz, unterseits stark behaart. Trient, Monte Terlago, Cadine. Bildet mit Zieracium amplexicaule den Bastard:
Hieracium cadinense m. (H. amplexicaule x sawatile bei Gelmi). Köpfchen- hülle graumehlig; Pflanze gelbdrüsig. Wurzelblätter elliptisch-oblong oder lanzett- lich in den Blattstiel verschmälert, Stengelblätter sitzend, lanzettlich, Stengel in lange, einköpfige Aeste sich theilend. Trient, Monte Terlago, Cadine, Buco di Vela.
Hieracium porrifolium L. In mehreren Variationen von niedrigen, zarten, einfachen, wenigköpfigen Formen zu hohen, reichverästelten, und geht, wie mir scheint, durch Mittelformen in folgende über:
Hieracium Calisii m. (Bei Huter zuerst unter diesem Namen, später unter der irrigen Bezeichnung Hieracium leiosoma N. P. var. leiocephalum Bartl. ausgegeben. Aber Hieracium leiosoma N. P. und H. leiocephalum Bartl. sind zwei verschiedene Pflanzen, s. unten.) Es gehört zur Gruppe Fieracium leiosoma N. P. und stellt die am reichsten verästelte, fast doldenförmige Inflorescenz tragende Form derselben dar. Stengel bis 120 cm hoch, aphyllopod, zuweilen quasi phyllopod, indem die untersten Blätter eine dichte Rosette bilden, unterhalb der Verästelung dicht beblättert, unten mit langen abstehenden Haaren gleichsam bebartet oder ganz kahl (var. glabra). Blätter schmallanzettlich, bis 12cm lang, 1!/; cm breit, beiderseits verschmälert, sitzend, selten sehr kurz gestielt, spärlich lang behaart (oder kahl), am Rande gewimpert (mit der Lupe bemerkbar), wenig und kurz gezähnt, die oberen fast ganzrandig, unterseits mit einzelnen sehr kleinen Pusteln. Traubenäste sehr lang, mit einzelnen kleinen Blättern oder Braeteen versehen, in mehrere (2—5) längere oder kürzere einköpfige Stiele sich theilend und zusammen eine reiche Corymbe bildend. Anthodien und oberster Theil der Stiele schwach mehlig bepudert, kaum graulich; Achenen gerippt, roth oder rothbraun, nicht fehlschlagend, wie bei Hieracium leiosoma N. P. meist der Fall ist. Trient, Monte Calisio, auf Kalkschotter mit Hrieracium porri- folium. Calliano, Castell Beseno. August, September (1890 aufgefunden).
Z. B. Ges. Bd. XLVI. lt
s2 Georg Evers.
Var. angustissimum m., Wie vorige, aber Blätter lineal, lang zugespitzt, unterste bis 25cm lang. Diese Form scheint in Hieracium porrifolium über- zugehen.
Hieracium leiosoma N. P. Köpfchen grösser als an voriger. Köpfchen- stand eine einfache längere oder kürzere Rispe von einköpfigen abstehenden Aestchen bildend, zuweilen quasi doldig. Stengel und Blätter unten spärlich lang behaart. Val Sugana, Pieve di Tesino.
Var. opimum m. Wurzelblätter wenige und dann oft lang gestielt, nebst den unteren Stengelblättern länglich elliptisch-lanzettlich, lang zugespitzt und lang in den Stiel oder die Basis verschmälert, unten nebst den unteren Stengeln lang abstehend, aber spärlich behaart. Stengel doppelt so hoch als an voriger, in einzelne lange ein- oder wenigköpfige Aeste sich theilend; Rispe daher sehr locker und lang. Köpfchen grösser als an voriger, nebst dem oberen Theil des Stieles schwach mehlig bepudert. Achenen schwarz. Rovereto, Aufstieg zum Passo della Becca, zu kleinen Heerden vereinigt. Trient, Buco di Vela, sehr einzeln. Hier kommen auch einzelne sehr dürftige Exemplare mit strohfarbenen Achenen vor, und solche sind die von Gelmi als sein Bastard mir gezeigten Exemplare.
Hieracium leiocephalum Bartl. Die hiesige Pflanze, welche diesem Hrera- cium nahe zu stehen scheint, ist in der Tracht der vorigen ähnlich, aber breit- blätteriger und fast immer aphyllopod. Stengel und Blätter dichter und abstehend behaart; unterste Blätter zuweilen kurz gestielt, sonst alle mit mehr oder weniger lang verschmälerter Basis sitzend, elliptisch-lanzettlich bis lanzettlich, nicht so lang zugespitzt wie an voriger, sich mehr der Form der Blätter einer der hiesigen Formen des Hieracium boreale nähernd. Köpfchenstand eine längere, aus auf- recht abstehenden einköpfigen Aestchen zusammengesetzte Traube bildend, oder eine lockere, wenigästige Corymbe. Hüllschuppen sehr schwach bepudert. Trient, an Kalkfelsen der Strasse nach Pergine bei Fort Civezzano, mit anscheinenden Uebergängen in Hieracium boreale, welches in der Nähe an buschigen Abhängen sich findet.
Hieracium illyrieum Fr. ist bei N. P. Sammelname einer Gruppe. Im Trentino kommen folgende Arten, beziehungsweise Formen vor:
Hieracium erinopodum N. P. Blätter schmallanzettlich, unterseits reich- lich weich behaart. Stengelblätter fast pfriemlich, Kopfstand lax rispig; Hülle spärlich behaart. Monte Baldo, zwischen Brentonico und S. Giacomo.
Var. baldensiforme N. P., Stärker; Blätter gezähnelt. Ebenda. — Hierher scheint mir zu gehören:
Hieracium baldense N. P. Oefter mehrstengelig; f. opima m.: Stengel bis 107 cm hoch, oft vom Grunde an in wenige lange Aeste getheilt und dann an der untersten Theilungsstelle mit einem dichten Büschel grundständiger Blätter bekleidet, oder bis zur Haupttheilung dicht beblättert. Blätter lanzettlich, beider- seits lang verschmälert, die untersten in einen geflügelten quasi Blattstiel, bis 18cm lang, 2 cm breit, sitzend, mit einzelnen kleinen Zähnen, oberseits kahl, unterseits und besonders am Hauptnerv abstehend lang behaart, sparsam be-
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Beiträge zur Flora des Trentino. 33
pustelt. Anthodien und Köpfchenstiele gepudert. Achenen kaum gerippt, schwarz- roth. Monte Baldo, Brentonico; Mori, Slavini di S. Marco, 1890.')
Hieracium saxwetanum Fr. Bis 20 cm hoch. Stengel beblättert, sehr ästig; Aeste dünn, wieder verästelt. Blätter unterseits und auch oberseits am Rande behaart; Schuppen kaum mehlig, behaart, mit wenigen Drüsen; Köpfchen klein. Calliano, Castell Beseno; Mori, 1890.
Hieracium glaueiforme N. P. Bis 50 em hoch, im oberen Drittel ver- ästelt. Rosettenblätter stiellos oder kurz gestielt, lanzettlich, gezähnt, unterseits reichlich behaart, beiderseits reichlich beflockt. Stengelblätter 5—8, lanzettlich bis lineal; Kopfstand lax, 5—6köpfig; Hülle kahl oder wenig behaart und be- drüst, mehlig. Trient, zwischen Buco di Vela und Cadine; über Sardagna; Monte Baldo, Brentonico (N. P.). Dieser Beschreibung nahe zu kommen scheint mir ein Zieracum, das ich zuerst in den Slavini di S. Marco bei Mori, dann auf Mauern beim Castell Toblino, endlich in einer breitblätterigen Variation in der Buco di Vela beobachtet und im Herbar vorläufig als Hieracium lagarinum m. eingelegt habe, und welches Murr (Oesterr. botan. Zeitschr., 1895, S. 394) viel- leicht in nahe Verwandtschaft einerseits zu Aieracium eriopodum Kern., anderer- seits zu H. baldense N. P. setzt.
Hieracium lagarinum m. Rhizoma obliquo-horizontale, uni- vel pluri- caulis; caules glabri, I—2-foliati, supra paniculato-ramosi ramis divaricatis vel in longos pedumeulos monocephalos divisi. Folia glaucescentia; radicalia petiolata et incl. petiolo usque 17 cm longa, 2 em lata, utrimque longe attenuata, acuminata, remotis dentibus (5—6 utrimque) sinuato-dentata, supra glabra, subtus, praesertim in nervo dorsali margineque pilis patentibus vestita; folium caulinare his simile, angustius, longe utrimque attenuatum, usque 14 cm longum, sessile; folium superius lineare, usque 7 cm longum. Panicula bracteolata. An- thodia et pedumeulı albicante tomento canescentia; squamae nigricantes; achenia costata, badia. Vallis Lagarina, in saxis calcar. loci Slavini di S. Marco prope Mori; Castell Toblino. Mai.
Var. latifolium m. Folüs radiealibus elliptieo-lanceolatis, externis ellip- tieis minoribus, usque 3 cm latis, in petiolum attenwatis. Tridentum, Crozzi di Cadine, in rupibus calcar. Mai.
Hieher scheinen mir folgende Formen ebenfalls zu gehören:
Hieracium Celvae m. Rhizoma obliquo-horizontale, umi- vel bicaulis. Caules ramosi, foliati, brevissimis vie conspicuis pilis erispis et in basi pilis longioribus patentibus vestiti, incl. panicula usque 85 cm alti. Folia glauces- centia, mollia; radicalia in brevem petiolum attenuata, interna usque 25 cm longa, vix 2 cm lata, longissime attenuata, in inferiori dimidio paueis longis acutissimis porrectis vel patentibus dentibus (4—6 utrimque) sinuato-dentata; externa breviora, elliptico-lanceolata, apice non attenuata, parce denticulata,
1) Nach den Beobachtungen, die ich an den Standorten des Fieracium baldense N. P., d. h. der von mir und Murr für dasselbe gehaltenen Pflanze gemacht habe, gibt es Individuen, die man von dem H. leiosoma N. P. nicht unterscheiden kann. Möglich, dass es zwischen diesen beiden Formen Uebergänge gibt.
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S4 Georg Evers.
omnia supra glabra, subtus et praesertim in nervo dorsali margineque longis pilis patentibus parce induta, petioli longis pilis quasi villosula. Foliola cauli- naria infima wsque 18 cm longa, anguste-lanceolata, longissime wtrimque attenuata, sessilia vel quasi-petiolulata, in inferiori dimidio paucis acutissimis dentibus sinuato-dentata et parce denticeulata, supra glabra, subtus vie pube- rula; foliola superiora longe remota, infimum usque 12 cm longum, lineare, in basi umi dente ornatum vel integrum, sequentia decerescentia. BRami paniculae longissimi, foliolis linearibus ornati et bracteolati, erecto-patentes, in longos pedunculos vel longos ramulos bicephalos divisi; peduneuli puberuli, sub antho- dis sicut haec ipsa tegumento farinoso canescentes; squamae sub illo nigri- cantes; linguae longe-denticulatae; achenia costata costisque apice pliec« con- spicua conjuncta. Tridentum, Monte Celva, in locis rupestribus dumetosis. Juni. Planta videtur esse rarissima.
Hieracium roveretanum m. Rhizoma obliquo-horizontale. Caulis ramosus, glaber, usque SO cm altus, 1—2-foliatus, longam angustam interdum paullisper dilatatam paniculam portans. Folia glaucescentia, radicalia numerosa, longe petiolata (petiolo interdum folio longiore) incl. petiolo usque 23 cm longa, externa minora elliptica, obtusa, interna elliptico-lanceolata, in petiolum decurrentia, apiculata, externa denticeulata, interna in inferiore dimidio singulis longıs et acutis dentibus porrectis (3—4 utrimque), sinuato-dentata et irregulariter denti- culata, omnia supra glabra, subtus singulis pilis vestita, in margine breviter ciliata, in petiolis longis pilis haud dense induta. Folium caulinare (inferius) utrimque longe attenuatum, sessile vel quasi-petiolulatum, paneıs longis dentibus inaequalibus et ceurvato-porrectis dentatum, glabrum, margine et subtus in nervo dorsali pubescens. Bracteolae lineares. Rami paniculae longi bi-tricephali; peduneculi elongati, in suprema parte sicut et anthodia farinoso-canescentia et pubescentia; achenia costata, fusca. Rovereto in glareosis calear. montis Bru- gino. Mai.
Zum Formenkreise des Hieracium ilyricum Fr., und zwar auch zu den Arten desselben, die wenig beblätterten Stengel zeigen, scheint mir ferner die folgende Variation zuzugehören:
Hieracium tridentinum m. Von mir bei Huter unter diesem Namen ausgegeben, später aber von A. T. als Hieracium pallescens W. K. bezeichnet, welches es aber sicher nicht darstellt, von Anderen H. canescens Schleich. ge- tauft, welches es aber auch nicht sein kann, wenn dasselbe identisch ist mit H. Trachselianum!) Christ, vorausgesetzt, dass das von Murr mir unter diesem Namen mitgetheilte Feracium richtig bestimmt ist. Die von Huter seinerzeit als H. camescens Schl. ausgegebene Pflanze wieder stimmt weder mit dem Murr- schen Hieracium Trachselianum überein, noch mit dem FH. tridentinum m.
1) A. T. sagt über dieses Hieracium, dem er als Synonym HM. oxydon Fr. beisetzt: „Cette plante, intermediaire entre eirritum, subineisum (s. unten) et glaucum, a les Ecailles du perieline attenuses-subobtuses au sommet, poilues exterieurement, mais totalement depourvues de poils glandu- leux, ainsi que les pedoncules.*“ Les Hier., p. 68.
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Beiträge zur Flora des Trentino. 85
Hieracium tridentinum m. Phyllopod. Stengel und Blattstiele dicht weich- zottig; grundständige Blätter ziemlich zahlreich, elliptisch-lanzettlich, theils mit lang verschmälerter Basis sitzend, theils in den kurzen Blattstiel verschmälert, kaum glauceseirend, grob gezähnt, oberseits kahl, am Rande und unterseits ab- stehend zottig behaart, weich. Stengelblätter 1—2, lanzettlich zugespitzt, mit verschmälerter Basis sitzend, deerescirend. Hülle und Köpfchenstiele dicht weiss- mehlig gepudert, Schuppen schmal, lang zugespitzt, schwärzlich. In drei Formen:
1. Var. oligocephalum m. Köpfehen 3—6, Wurzelblätter bis 6cm lang, kaum gestielt, Stengel einblättrig. Pflanze diehter und länger behaart. Die Mauer- form. Trient, Pontalto, an warmen Weinbergsmauern. Mai.
2. Var. rupestre m. Köpfchenstand rispig, zuweilen fast ebensträussig. Wurzelblätter verkehrt-eiförmig bis elliptisch- und lang-lanzettlich, in den ziem- lich langen Blattstiel verschmälert, bis 20 em lang, 3 cm breit, beiderseits mit 4—5 langen spitzen, vorwärts gerichteten Zähnen; unterstes Stengelblatt diesen gleichgestaltet und gleich gross, obere entfernt, rasch decresceirend. Trient, Kalk- felsen zwischen Pontalto und Civezzano. Mai.
3. Var. rivulare m. Ueberall kahler; Blätter oberseits dunkler grün, nicht glauk, unterseits bleicher, oft mit rothbraunem Hauptnerv und Blattstiel; letzterer lang behaart; Blätter unterseits und am Rande spärlich flaumig. Stengel meist rothbraun überlaufen, bald von unten an in weitsparrige Aeste sich theilend, bald einen aus wenigen spreitzenden und langen Stielen zusammengesetzten Köpfchen- stand tragend. Blattform wie bei voriger, ebenso Bepuderung der Hülle und der Behaarung, letztere überall geringer. Trient, am Fersinadamm. Mai.
Folgende beiden Variationen stellen vielleicht Alpenformen des vorigen dar.
Hieracium alpigenum m. Phyllopod. Wurzelblätter nicht zahlreich, meist lang gestielt, bis 12 cm lang, 1, höchstens 2 cm breit, beiderseits verschmälert, die äusseren kürzer gestielt, kürzer, breiter und stumpfer, die inneren länger gestielt, länger und ziemlich lang zugespitzt, beiderseits mit wenigen kleinen, vorwärts gerichteten Zähnen besetzt, kaum glaucescirend, oberseits kahl, dunkel- grün oder (bei den zwei Variationen) schwach lauchgrün, unterseits blasser, am Rande und Rückennerv, sowie am Blattstiel mehr oder weniger kraus behaart, unterseits mit einigen Pusteln. Stengel bis 50cm hoch, 1—2blättrig, aufrecht, oben in wenige 1—2köpfige spreitzende Aestchen, beziehungsweise Köpfchenstiele sich theilend, spärlich und kurz behaart oder ganz kahl (bei zwei Variationen). Köpfchenstiele und Hüllen schwach behaart oder kahl, spärlich mehlig bepudert, Schuppen schwärzlich, Zungen dunkelgelb oder hellgelb, Achenen braunroth, ge- rippt. Trient, Monte Gaza, an Kalkfelsen des Passes S. Giovanni. Juni.
Var. angustifolium m. Grundständige Blätter schmäler, länger gestielt, schwach glauceseirend, unterseits gegen das Licht schwach schimmernd. Stengel und Hüllen kahl, Zungen heller gelb. Riva, an Felsen und auf Felsschutt der Bocea di Tratt. August.
Eine Zwischen- oder Uebergangsform zwischen der Gruppe des Hieracium ilyricum Fr. und derjenigen des H. tridentatum Fr. möchte in folgender vorliegen:
Ss6 Georg Evers.
Hieracium tesinense m. (Scheinbar) phyllopod; Stengel steif, mehrblättrig, im oberen Drittel sich in wenige, meist einköpfige Aeste theilend, unten nebst den Stielen, Nerven und Rändern der Blätter mit langen abstehenden Haaren bekleidet. Wurzelblätter länger, Stengelblätter kürzer gestielt (letztere allmälig deereseirend), oval-lanzettlich bis lanzettlich, in den Blattstiel verschmälert, die Stengelblätter länger zugespitzt, am Rande beiderseits mit einigen langen und einigen kleinen Zähnen besetzt, oberseits grün, kaum glauceseirend, kahl, unter- seits bleicher. Köpfehenstiele beschuppt, nebst den Hüllen ziemlich dicht weiss- mehlig bepudert; der filzige Puder geht dünner werdend bis unter die Verästelung hinab. Hüllschuppen schwärzlich, äussere etwas abstehend, innere schmal spitz- lich. Achenen glänzend schwarz. Val Sugana, Pieve di Tesino auf Kalkschotter bei Pradellan. August. Monte Baldo bei S. Giacomo.
Die letzte Subspecies des Formenkreises von Hieracium illyrieum Fr. nennen N. P. Corüfolium. Derselben glaube ich folgende Form zuzählen zu sollen, ob- gleich ich das Hieracium corüfolium N. P. selbst nieht kenne.
Hieracium coriifolioides m. Pflanze aphyllopod, glauk, kahl, nur unten am Stengel und auf der Unterseite der unteren Blätter abstehend behaart. Blätter oberseits kabl, dunkelgrün, glaucescirend, unterseits blass lauchgrün, sparsam bepustelt, fast lederig, mit verschmälerter Basis sitzend, elliptisch-lan- zettlich, bis 5cm lang, am Rande umgerollt, sparsam gezähnelt; Stengel steif aufrecht, unten dicht beblättert, bis 40 cm hoch, im oberen Drittel wenig ver- ästelt, Aeste 1—2köpfig. Köpfchenstand daher sehr locker, fast nackt; Köpfchen- stiele unter den Köpfehen etwas verdickt, nebst den Hüllen sparsam bepudert; Hüllschuppen dunkel, heller berandet. Trient, Calliano, am Burgberg des Castells Beseno äusserst selten und nur einmal in wenig Individuen bis jetzt gefunden. August.
Hieracium eallianthum A.T. (H. nudum Gr. et Godr., H. villosum var. glabrescens Schultz?, H. nudum Kerner?) mit spatelig gerundeten äusseren und _ lanzettlichen inneren gestielten Grundblättern und mit gerundeter Basis sitzenden Stengelblättern habe ich so wenig als Hieracium scorzoneraefolium Vill. (Passeier- stock bei Landeck; Kerschbaumer Alp bei Lienz) bis jetzt im Trentino ange- troffen. Ebenso wenig Formen der Gruppe Subspeciosum N. P.: H. inelinatum A. T. (1879) = H. subspeciosum N. P. mit der Varietät mit unterseits stern- haarigen Blättern (H. Solilapidis m.) oder das zwischen diesem und FM. dentatum Hoppe stehende H. pulchrum A.T., dessen drei Formen: monocephala, gemuna und Zongifolia m. nebst dem H. alfenzinum m. am Arlberge zahlreich von mir gesammelt worden sind.